Der scheidende "Tatort"-Kommissar Udo Wachtveitl spricht in einem neuen Interview darüber, wieso er sich seine alten Filme nie ansieht und was ihn an der beliebten Krimi-Reihe stört.
Schauspieler
"Die stören mich schon, die Klischees. Ich habe im 'Tatort' zum Beispiel selten einen reichen sympathischen
Menschen gesehen. Wenn aber die Krimiwirklichkeit so anders ist als das, was die Zuschauer auf anderen Kanälen erfahren, ist das ein Problem, eine Wirklichkeitsverzerrung", findet der Darsteller von Kommissar Franz Leitmayr. "Man muss neugierig sein auf die Welt, wie sie wirklich ist. Und davon erzählen."
Udo Wachtveitl: "Ich seh mich nicht gern selbst"
Er selbst schaue sich seine "Tatorte" nicht an, weder die alten noch die neuen. Aber aus einem anderen Grund: "Ich seh mich nicht gern selbst. Ist mir nicht angenehm." Bis vor zehn Jahren habe er an Pressevorführungen des Bayerischen Rundfunks teilnehmen müssen. "Das war für mich furchtbar."
Mit ihm wird sich nach der 100. Episode, die 2025 gedreht wird, auch sein Kollege Miroslav Nemec (70) verabschiedet. Wachtveitl überlegt, ob man ein solches Ermittler-Paar überhaupt noch so casten würde. "Ein paar Jahre später hätte man das vielleicht gar nicht mehr so gemacht, zwei weiße, etwa gleich alte, ähnlich disponierte Typen zusammenzuspannen. Da hätte der Zeitgeist schon gefordert, dass mindestens einer von beiden eine Frau sein muss. Oder dass es diverser zugehen muss."
Das sei aber "nicht automatisch ein Ausweis von Qualität". Er registriere oft bei "Tatort"-Filmen "so einen Originalitätswillen, da muss es noch diese Marotte geben und jene exquisite seelische Deformation einer Figur, das kommt mir vor wie ein Zeichen von Verlegenheit, weil einem keine richtig packende Geschichte eingefallen ist". Man solle "die Genreregeln nicht überdehnen".
"Tatort"-Ausstieg passt "in jeder Hinsicht"
Wie die beiden lang gedienten Schauspieler sich von der Sonntagabend-Reihe verabschieden werden, bleibt übrigens noch spannend. Denn: "Es ist noch nicht entschieden", sagt er in "Die Zeit". "Aber wir würden gern ohne dramatische Überhöhung gehen."
Die Entscheidung, sich nach fast 35 Jahren zu verabschieden und zu gehen, "solange es die Leute noch schade finden", sei jedoch richtig. "Es passt jetzt in jeder Hinsicht. Ihm wird wohl auch nicht die Decke auf den Kopf fallen, schließlich habe er auch schon neben dem "Tatort" an anderen Projekten gearbeitet. "Ich hab zum Beispiel jetzt einen Asterix ins Münchnerische übersetzt; das hat sehr viel Spaß gemacht." (ae/spot) © 1&1 Mail & Media/spot on news
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