• In der neuen VOX-Serie "Tonis Welt" spielt Armin Rohde den Dorfarzt Dr. Schmieta.
  • Im Interview spricht er über Ausgrenzung, die er selbst als Kind erlebt hat, und was man von Protagonist Toni lernen kann.
  • Nach "Tonis Welt" geht es um die reale Welt - und für den gegenwärtigen Zustand findet Rohde klare Worte.
Ein Interview

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Mit der neuen VOX-Serie "Tonis Welt" (14. April, 20:15 Uhr bei VOX) kehrt auch Armin Rohde einmal mehr auf die Bildschirme zurück.

Im Spin-off zur Erfolgsserie "Club der roten Bänder" wird die Geschichte von Anton (Ivo Kortlang) und Valerie (Amber Bongard) weitererzählt. Er ist Autist, sie hat das Tourette-Syndrom und als Valeries Oma stirbt, beschließt das junge Paar kurzerhand, ihr marodes Haus zu kaufen und auf dem Land ein neues Leben zu beginnen.

Doch dort sind nicht alle Dorfbewohner hellauf begeistert von dem etwas anderen Paar. Etwa Dr. Schmieta, gespielt von Armin Rohde. Der muffelige Dorfarzt hat so gar kein Interesse daran, den aufdringlichen Burschen als Assistenten einzustellen. Dummerweise hat sich Toni aber genau das in den Kopf gesetzt. Und weil seine Hartnäckigkeit ausdauernder ist, als Dr. Schmietas Gegenwehr, klappt das schließlich auch.

Im Interview sprechen wir mit Armin Rohde zunächst über "Tonis Welt" - und dann über die Welt an sich. Denn wie sich zeigt, ist Rohde nicht nur ein leidenschaftlicher Schauspieler, sondern auch ein politischer Mensch.

Und angesichts menschengemachter Umweltzerstörung und chaotischer Pandemie-Politik hält sich diese Seite nicht lange zurück.

Herr Rohde, in der Serie "Tonis Welt" stoßen die Protagonisten Toni und Valerie in einem Dorf zunächst auf Vorbehalte. Haben Sie schon einmal Ausgrenzung oder Vorurteile erlebt?

Armin Rohde: Als eines von wenigen Arbeiterkindern auf dem Gymnasium habe ich durchaus Vorurteile erfahren. Ich habe mich ausgegrenzt gefühlt, wobei ich nie verstanden habe, was genau mich stigmatisierte. Das fing schon an beim Vorlesen des Klassenbuches: Da musste jedes Kind den Beruf der Eltern nennen. Bei mir hieß es dann "Ach, ich weiß schon", als sei es eine Schande laut auszusprechen: "Mein Vater ist Arbeiter."

Wie sind Sie mit dieser Ausgrenzung umgegangen?

Ich habe besonders aufgedreht und versucht, witzig zu sein. Ich war der Klassenclown. Bevor man sich über mich lustig macht, habe ich abgeliefert - dann hat man über mich gelacht, weil ich es so wollte. Später habe ich Kampfsport gemacht, um mein Selbstbewusstsein aufzupolieren. Vier Jahre lang Judo und Taekwondo - das kann ich nur empfehlen!

Inwiefern?

Wenn man selbstbewusster ist, wirkt man wehrhafter - und ist weniger in Gefahr, zum Opfer zu werden. Das ist zumindest meine laienhafte These. Aber ich meine, wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen diese Annahme.

Was kann man von der Hauptfigur Anton lernen?

Anton macht das ganz wunderbar: Er spricht zwanghaft Probleme an, kann kein Geheimnis für sich behalten - dadurch zwingt er sein Gegenüber, sich zu erklären und selbst zu hinterfragen. Das ist eine gute Taktik: Immer wenn jemand versucht, Dich zu beleidigen, frag ihn, wie genau er das meint und warum er das sagt. Das ist sehr hilfreich.

Die Serie "Tonis Welt" zeichnet ein sehr positives Menschenbild: Es gibt Vorurteile - aber sie werden letztlich abgebaut und Anton und Valerie bekommen viel Unterstützung. Entspricht das Ihrem Menschenbild?

In der Serie ist das natürlich ein bisschen heile Welt. Von den Dorfbewohnern in der Serie ist ja niemand bösartig, die sind vielleicht etwas spröder, stoffelig, auch etwas verhaltensauffällig vielleicht.

Trailer zu "Tonis Welt"

Was die Zuschauer im Serien-Spin-off zur Erfolgsserie "Club der roten Bänder" erwartet, zeigt der Trailer zu "Tonis Welt". © YouTube

Ich frage auch deshalb nach Ihrem Menschenbild, weil ich auf Ihrem Twitter-Profil den Satz: "Corona ist die Rache der Natur am Menschen" gelesen habe. Wie genau meinen Sie das?

Ich meine, was wir mit der Natur veranstalten, wie wir mit Tieren umgehen. Ich glaube, das Virus kommt daher, dass der Mensch immer weiter in Gebiete eindringt, wo er nichts verloren hat. Da entstehen Kontakte zwischen Mensch und Tier, die von der Natur so nie geplant waren. Natürlich gibt es auch Greenpeace, WWF, viele andere gute Organisationen, die versuchen, das Schlimmste zu verhindern. Aber wenn wir so weitermachen, wird es uns Menschen irgendwann nicht mehr geben. Man wundert sich darüber, dass die Dinosaurier ausgestorben sind, anstatt sich zu fragen: Wie haben die es geschafft, 30 Millionen Jahre lang diesen Planeten zu dominieren? Der Mensch wird es keine 30 Millionen Jahre schaffen, wenn wir so weitermachen.

Haben Sie Hoffnung, dass die Corona-Pandemie ein Game Changer ist und sich endlich was ändert?

Ich hoffe, es wird ein Game Changer. Inzwischen gibt es in der Industrie mehr Leute, die sich einen Kopf darüber machen, was man verändern muss, als in der Politik. Es herrscht eine unglaubliche Trägheit in den Köpfen.

Was bringt Sie in der aktuellen Pandemie-Politik in Rage?

Es gibt keine vorausschauende Politik mehr, die Politik hechelt nur noch aktuellen Ereignissen hinterher, anstatt einmal zu sagen: Wir machen den Laden für vier Wochen dicht, legen das Virus trocken. Dieses ja, nein, hü, hott hängt auch mit den bevorstehenden Wahlen zusammen. Der eine geriert sich als besonders strenger Landesvater, der andere will als mild und verständnisvoll gelten. Politiker verfallen in ihrer Ratlosigkeit in blinden Aktionismus und fürchten um ihre Wiederwahl. Aber mit wissenschaftlichen Erkenntnissen hat das alles nichts zu tun. Dabei wird übersehen, wie rasant die Verunsicherung in der Bevölkerung zunimmt.

Was glauben Sie, wie wird sich das bei den bevorstehenden Wahlen auswirken?

Vielen Menschen geht es da sicher wie mir: Ich weiß gar nicht mehr, wo ich eine politische Heimat habe. Am Ende werde ich das kleinere Übel wählen - aber das wird auf keinen Fall die AfD sein. Die konnte zum Glück von der Pandemie nicht profitieren. Um die AfD zu wählen, muss man sein Gehirn schon abgeschaltet haben.

Würden Sie sich mit Astrazeneca impfen lassen?

Ich würde mich noch mal mit Ärzten besprechen, denen ich vertraue. Aber prinzipiell habe ich da keine Bedenken. Millionen Menschen nehmen jeden Tag Aspirin-Tabletten - obwohl man laut Beipackzettel alles Mögliche davon kriegen kann. Da machen sich die Leute keine Gedanken über die Risiken. Die vereinzelten Zwischenfälle bei Astrazeneca sind schlimm, aber ich bin in der Lage, selbst zu entscheiden.

Haben Sie Verständnis für prominente Kollegen wie zum Beispiel Nena, die sich mit Querdenkern solidarisieren?

Solidarität mit Querdenkern wird’s von mir nicht geben. Mir wird da viel zu viel abstruses Zeug erzählt. An Quatsch zu glauben, entlastet offenbar von dem anhaltenden Stress. Aber mit Corona ist es wie mit der Schwerkraft: Es ist egal, ob ich an sie glaube - es gibt sie. Und mit dieser Krankheit ist es genauso. Denen ist es anscheinen auch egal, wenn Nazis bei ihren Demos mitmarschieren. Ich würde bei keiner Demo mitmachen, bei der ich Gefahr laufe, gemeinsam mit Nazis für oder gegen etwas zu brüllen. Aber ich kann die zunehmenden Sorgen vieler Menschen verstehen. Niemand überschaut die Kollateralschäden. Einige Kulturbetriebe, Kneipen, Gaststätten, kleine Geschäfte und Betriebe wird es nicht mehr geben. Es wird eine massive Arbeitslosigkeit auf uns zukommen. Wir werden eine veränderte Welt vorfinden. Das wird sich zwar irgendwann regulieren. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass es Pläne für die Nach-Pandemie-Zeit gibt.

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