Der ehemalige Ski- und nunmehrige Schlagerstar Hansi Hinterseer spricht im Interview mit unserem Portal über den Reiz der Streif und seinen Slalomsieg am Ganslernhang 1974. Anstatt zu feiern, verbringt er die Zeit während des Hahnenkammwochenendes lieber mit alten Skifahrer-Kollegen. Siegertipp traut er sich keinen abzugeben.

Was macht für Sie den Reiz des Hahnenkammrennens in Kitzbühel aus?

Hansi Hinterseer: Das Hahnenkammrennen ist das Höchste im gesamten Skizirkus. Für die Rennläufer alleine schon von der Geschichte, der Tradition und der Streckenführung her. Sowohl was die Abfahrt, den Slalom als auch den Super-G betrifft. Perfekt ist einfach, dass ein großer Teil der Strecke direkt ins Stadl (Dialektausdruck für Stadt, Anm. d. Red.) herunter führt. Die letzten 40 Sekunden der Fahrt sind sehr gut zu sehen und stellen für das Publikum einen Traum dar. Und die Strecke ist wahnsinnig schwierig zu fahren.

Wer zählt für Sie am Samstag bei der Abfahrt zu den Favoriten?

Hinterseer: Im Grunde genommen sind es immer die Gleichen. Jene, die in diesem Winter schon vorne dabei gewesen sind. Also die Norweger, die Österreicher, die Italiener und die Franzosen werden es unter sich ausmachen.

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Aber gibt es einen Favoriten dem Sie den Sieg am meisten zutrauen?

Hinterseer: Nein. Es sind so viele Läufer da und es gibt so viele Faktoren, die mitspielen. Es kommt darauf an, ob die Sonne scheint, ob es schneit oder nebelig ist. Auch ob die Strecke witterungsbedingt verkürzt werden muss. Viele wollen gewinnen und man kann nicht sagen, wer es schaffen wird. Die Streif ist immer für eine Überraschung gut.

Welche Erinnerungen haben Sie an die Slaloms, die Sie in Kitzbühel bestritten haben?

Hinterseer: Das Slalomtraining habe ich schon als Kind gemacht. Später konnte ich als Vorläufer mitfahren und durfte die großen Stars kennenlernen. Ich konnte reinschnuppern wie es ist, den Ganslernhang bei Rennbedingungen zu fahren. Bis ich dann 1974 schließlich mit zweimal Laufbestzeit gewonnen habe. Das war natürlich eine super schöne Sache. Dass ich daheim, wo ich das Skifahren gelernt habe, den großen Klassiker gewinnen konnte.

Welche anderen Momente des Hahnenkammrennens haben Eindruck auf Sie gemacht?

Hinterseer: Das ist schwer zu sagen, weil ich seit meinem vierten Lebensjahr eigentlich fast jedes Hahnenkammrennen miterlebt habe. Außer zu der Zeit als ich in Amerika als Profi im Skisport unterwegs war (Hinterseer beendete mit nur 24 Jahren seine Weltcupkarriere und startete bei den Profiskiläufen der U.S. Pro-Ski Tour, Anm. d. Red.). Ansonsten habe ich jedes Rennen miterlebt. Da gab es viele grandiose Siege, aber auch viele Stürze und tolle Persönlichkeiten sowie jede Menge beeindruckende Fahrten. Da kann und will ich jetzt gar nichts hervorheben. Für mich fährt jeder Rennläufer sensationell herunter, weil der Hügel so schwer ist.

Nach Kitzbühel ziehen immer mehr wohlhabende Menschen. Viele Einheimische können es sich schwer leisten, weiterhin dort zu leben. Beschäftigt Sie das?

Das war eigentlich immer schon so. Seit es den Tourismus in Kitzbühel gibt, kommen Leute, die Häuser oder Wohnungen kaufen und seither sind die Grundstückpreise hinaufgegangen. Viele Leute leben gut damit, viele können es sich aber nicht mehr leisten. Aber das ist nicht nur in Kitzbühel so, sondern auch in Innsbruck oder anderen beliebten Orten.

In Kitzbühel werden diesmal extra viele Hollywoodstars erwartet. Wie erleben Sie den Rummel?

Ich bin da eigentlich nie so wirklich mit dabei. Nur bei der "Audi Night" und am Samstag bei der Feier im VIP-Zelt. Sonst bin ich als Skibegeisterter lieber bei den Rennen dabei und treffe Freunde aus meiner aktiven Zeit als Skifahrer, die es zum Hahnenkammrennen nach Kitzbühel zieht.

Es gab letzte Woche Kritik von Marcel Hirscher am Slalom in Wengen. Die Strecke sei sehr flach, die Tore seien sehr weit gesteckt gewesen. Wie haben Sie das empfunden?

Hinterseer: Zur Kritik vom Marcel will ich mich gar nicht äußern. Tatsache ist, dass die Schneeverhältnisse in Wengen nicht gut gewesen sind. Der Slalom war dennoch glaube ich für die Zuschauer sehr interessant. Vor allem spektakulär, weil es mit ziemlichem Tempo dahingegangen ist. Oben war es flach, aber unten dafür wieder relativ steil. Man muss mit der Situation umgehen können. Henrik Kristoffersen hat das super gemacht.

Ihre nächste Tour als Schlagersänger beginnt bald.

Ja, ab Februar geht die Tournee los und wir haben 33 Konzerte in sechs Ländern. Das ist natürlich eine tolle Sache und ich freue mich schon wahnsinnig drauf- ich stecke mitten in diesen Vorbereitungen. Dann wird es wieder Fernsehauftritte geben und es sieht für das gesamte Jahr ganz gut aus.

Müssen Sie sich auch körperlich auf die Tournee vorbereiten?

Ich gehe gerne laufen, um mich konditionell vorzubereiten. Man muss gut in Form sein, denn vor uns liegt ein ziemlich anstrengendes Programm. Die Hallen sind alle unterschiedlich und es gibt nicht selten Zugluft. Ich hoffe, dass mein Team und ich gesund bleiben und wir für alle Konzerte in Top-Form sind!