Volksmusiker, Schlagersänger und Rockstar: Am 13. Dezember wird Heino 75 Jahre alt. Im Interview mit unserem Portal spricht der Kultsänger über Freundschaft im Musikgeschäft, seine Abneigung gegenüber Aftershow-Partys und warum er seinen Geburtstag im Krankenhaus verbringen wird.

Heino, Sie sind bekannt als Schlager- und Volksmusiksänger und seit Kurzem auch als Rocker. Wie wäre es demnächst mit einer Hip-Hop-Scheibe?

Heino: Ein reines Hip-Hop-Album kann ich mir nicht vorstellen. Wenn die Hip-Hop-Titel schon mit großem Erfolg draußen sind, dann schon. Die Idee meines Rockalbums "Mit freundlichen Grüßen" war, dass ich etwas für junge Leute machen wollte - mit Mitgliedern aus der jungen Szene. Ich bin davon ausgegangen, dass dies eines Tages auch die Volkslieder der jungen Generation sind. Das ist mir ganz gut bekommen.

Sie haben ja bereits mit Mitgliedern der jungen Szene zusammengearbeitet. Ich denke da an den Wacken-Auftritt mit Rammstein. Mit welchen jungen Künstlern könnten Sie sich noch vorstellen, zu arbeiten?

Ich kenne die jungen Künstler zu wenig, um sagen zu können, mit welchen ich zusammenarbeiten möchte. Ich möchte einfach Titel bringen, die bekannt und beliebt sind bei jungen Leuten, ohne dass ich mich an Interpreten orientiere. Ich habe mich auch bei meinem letzten Album nicht an Interpreten, sondern an Titel gehalten. Rammstein hat sich zum Beispiel bei mir gemeldet. Es hat mir sehr viel bedeutet mit jungen Leuten in Wacken auf der Bühne zu stehen. Die Rammstein-Jungs waren so professionell, so tolerant und respektvoll mir gegenüber. Ich glaube, wir hatten alle Spaß. Ich gehe davon aus, dass das nicht der letzte Auftritt war, den ich mit Rammstein hatte.

Sie werden 75 Jahre alt und sind auch schon lange im Musikgeschäft. Waren Sie trotzdem überrascht, dass "Mit freundlichen Grüßen" die Nummer eins in den Album-Charts eroberte?

Ich war natürlich sehr überrascht, dass ich so einen Erfolg habe. Ich wusste aber durch meine volkstümlichen Auftritte, dass ich immer mehr junge Leute in meinem Publikum habe. Genau für sie wollte ich auch einmal singen. Es ist ganz verständlich, dass ich – wenn ich 20 oder 25 bin – keine Lust habe, "Hoch auf dem gelben Wagen" oder "Ännchen von Tharau" anzuhören. Als junger Mensch hat man andere musikalische Gefühle.

"Früher waren Aftershow-Partys wesentlich angenehmer"

Gehen Sie eigentlich nach Ihren Auftritten noch auf Aftershow-Partys?

Nein, zu Aftershows bin ich sehr, sehr selten hingegangen. Im Fernsehen werden immer Aftershows gemacht. Die sind aber nicht mehr so wie früher. Das Fernsehen hat trotz der Fernseh- und Rundfunkgebühren bekanntlich immer sehr wenig Geld. Früher waren die Aftershow-Partys wesentlich angenehmer und schöner. Deswegen gehe ich auch da nicht mehr hin.

Inwiefern waren die Aftershow-Partys früher schöner?

Ach ja, früher war es alles ein bisschen wertvoller gemacht und gestaltet. Jeder Interpret hatte seinen Tisch, der war schön gedeckt. Man bekam ein schönes Buffet, man bekam zu Trinken. Man kannte sich untereinander besser. Heute weiß man ja nicht, wer wer ist. Früher erkannte man das schon an der Kleidung. Früher war alles ein bisschen harmonischer. Ich muss Ihnen auch ehrlich sagen: Ich bin kein Aftershow-Party-Fan, der anschließend noch die große Sause machen will. Das habe ich alles hinter mir.

Mit wem sind Sie früher gerne beisammen gesessen und wen würden Sie als Freund aus dem Musikgeschäft bezeichnen?

Es gibt wenige Freunde. Man kann höchstens sagen, es gibt nette Kollegen. Einen Freund sucht man nicht im Kollegenkreis, sondern im privaten Kreis.

Sie haben also niemanden im Kollegenkreis, den Sie oft und gerne sehen?

Ach nein, ich wüsste jetzt nicht wen. Ich müsste ja dann alle nennen. Im Grunde genommen bin ich mit vielen gerne zusammen, aber die zähle ich nicht als meine Freunde.

Am 13. Dezember werden Sie 75. Sie haben aber nicht vor, in Rente zu gehen. Was sind Ihre nächsten Pläne?

Ich schau jetzt erst einmal, dass die Hannelore (Heinos Frau, Anm. der Redaktion) schnell wieder genesen wird. Silvester bin ich in Berlin und singe am Brandenburger Tor. Ich hoffe, dass die Hannelore dabei ist. Dann bin ich in Namibia, weil ich da zwei Rockkonzerte gebe. Wenn ich zurück bin, mache ich noch ein paar Kirchentourneen, singe Schubert, Bach, Mozart und Tschaikowski. Und dann geht es schon nahtlos weiter mit Rockkonzerten. Ich habe sehr viel Arbeit und kann mich nicht beklagen.

"Ich bewaffne mich mit Schampus und Blumen"

Ihre Frau hatte ja eine Hüft-OP. Wie geht es ihr?

Sie ist wegen der Operation noch im Krankenhaus. Das dauert seine Zeit. Sie muss noch zehn Tage bleiben. Es ist aber alles bestens verlaufen, wir sind sehr zufrieden.

Nachdem Ihre Frau im Krankenhaus ist: Wie feiern Sie eigentlich Ihren Geburtstag?

Ich bin morgen im Krankenhaus bei meiner Frau, bewaffne mich mit einer Flasche Schampus und mit Blumen und dann wird ein bisschen gefeiert mit Freunden.

Sie sind bereits seit 1979 verheiratet. Was ist das für ein Gefühl, seine Frau im Krankenhaus zu sehen?

Das ist eine sehr traurige Angelegenheit, aber es musste sein. Ich weiß ja, dass sie dort gut aufgehoben ist und ich weiß auch, dass alles gut wird.

Was wünschen Sie sich zum Geburtstag?

Ich wünsche mir, dass die Hannelore schnellstens wieder gesund wird, damit wir wieder reisen können.

Hoffentlich geht Ihr Wunsch in Erfüllung. Heino, vielen Dank für das Gespräch.

Heino heißt mit bürgerlichem Namen Heinz Georg Kramm. Er wurde in den 60er Jahren mit volkstümlicher Musik zum Star. Zu seinen größten Hits zählen "Blau blüht der Enzian" und "Schwarzbraun ist die Haselnuss". Zuletzt sorgte er Aufsehen mit dem Album "Mit freundlichen Grüßen", auf dem er Cover-Versionen von Liedern der Ärzte und den Fantastischen Vier singt, sowie mit einem gemeinsamen Auftritt mit Rammstein.