Der ehemalige Sprecher der "Tagesschau", Wilhelm Wieben, ist tot. Er starb am Donnerstag im Alter von 84 Jahren in Hamburg.

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Die "Tagesschau" vermeldet einen herben Verlust: Wilhelm Wieben, der 25 Jahre lang als Sprecher der ARD-Nachrichtensendung einem Millionenpublikum bekannt war, ist im Alter von 84 Jahren verstorben.

Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) bestätigte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur eine entsprechende Nachfrage.

Wieben: Erster Einsatz in der 20:00-Uhr-"Tagesschau" am 5. Mai 1974

1966 arbeitete Wieben erstmals für die Redaktion der "Tagesschau", 1973 folgte sein erster Einsatz als Nachrichtensprecher.

Die 20:00-Uhr-Ausgabe der Sendung las der am 2. Juni 1935 in Hennstedt in Schleswig-Holstein geborene Wieben zum ersten Mal am 5. Mai 1974, seinen letzten Einsatz hatte er dort am 24. Juni 1998.

Sein Abschiedssatz an die Zuschauer lautete damals wenig spektakulär: "Wir melden uns wieder um 22:30 Uhr mit den Tagesthemen."

Inge Meysel outete Wilhelm Wieben

Nach seiner letzten "Tagesschau" blieb Wieben konsequent: "Es war für mich eine wunderschöne Berufszeit. Aber wenn es vorbei ist, ist es vorbei", sagte er einmal. Da hatten ihn Musiker wie Falco ("Jeanny"), Udo Lindenberg ("Mein Ding") und die Band Fettes Brot ("Können diese Augen lügen") bereits in Songs verewigt.

Für Schlagzeilen um ihn sorgte Schauspielerin Inge Meysel (1910-2004), als sie 1995 in einem Stern-Interview öffentlich seine Homosexualität ansprach: "Eigentlich habe ich nur schwule Freunde. Ich verreise zum Beispiel gerne mit Wilhelm Wieben", sagte Meysel.

Die Reaktionen danach seien einhellig positiv gewesen, erzählte Wieben später und erklärte: "Inzwischen habe ich eigentlich kein Verständnis dafür, wenn jemand aus seiner Homosexualität ein Geheimnis macht."

Wieben war Fernsehmoderator, Schauspieler und Autor

Seine Karriere begann Wieben mit einer Schauspielausbildung an der Max-Reinhardt-Schule für Schauspiel in Berlin. Es folgten einige kleinere Rollen am Theater.

Als Rundfunksprecher arbeitete Wieben zunächst beim Sender Freies Berlin. Nach seinem Wechsel zu Radio Bremen kam er in dieser Funktion häufiger zum Einsatz.

1963 folgte sein erster Auftritt im Fernsehen als Ansager. Am 25. September 1965 sagte er zum Beispiel auch die Premierensendung des "Beat-Club" an.

Zuletzt schrieb Wieben vor allem Bücher auf Plattdeutsch, was er als seine Muttersprache bezeichnete. Hochdeutsch habe er erst später in der Schule gelernt.

Mit Material der dpa
Teaserbild: © imago images/Sven Simon