Er war der erste Mann auf dem Cover der Vogue und der älteste Kandidat im Dschungelcamp. Der große österreichische Schauspieler Helmut Berger hat nichts ausgelassen im Leben. Am 29. Mai feiert der Paradeexzentriker seinen 70. Geburtstag.

Seine Darstellung des Märchenkönigs Ludwig II. zwischen Genie und Wahnsinn gilt als Helmut Bergers Glanzstück. Doch es war seine Titelrolle in der Oscar-Wilde-Verfilmung "Das Bildnis des Dorian Grey" von 1970, die zum tragischen Spiegelbild für das Leben des Österreichers werden sollte. Die Jugend und Makellosigkeit des von der Vogue einst zum "schönsten Mann der Welt" gekürten Schauspielers wird in Filmen und Bildbänden auf ewig erhalten bleiben, während der gealterte Helmut Berger vor allem durch alkoholisierte Pöbelauftritte im Fernsehen auf sich aufmerksam machte.

Dabei begann das Leben des am 29. Mai 1944 als Helmut Steinberger geborenen Schauspielers ganz unspektakulär im beschaulichen Bad Ischl. Der Sohn eines Hotelier-Ehepaars besuchte auf Wunsch der Eltern zunächst die Hotelfachschule, zog aber schon mit 18 Jahren nach London, um sich dort den Traum von der Schauspielerei zu erfüllen.

Aristokratischer Playboy im Maßanzug

1964 traf der inzwischen als Model und Statist arbeitende Berger in Italien seinen späteren Lebensgefährten, den Regisseur Luchino Visconti, der ihm seine erste Filmrolle gab. Seinen internationalen Durchbruch hatte Berger schließlich 1969 mit Viscontis "Die Verdammten". Es folgten zahlreiche Rollen in mehrfach preisgekrönten Filmen, die Berger endgültig zum Weltstar machten. An der Seite von Visconti wurde Berger zur narzisstischen Stilikone: Er inszenierte sich als aristokratischer Playboy im italienischen Maßanzug.

Die 1970er-Jahre waren Bergers Glanzzeit. Er war der Star des europäischen Films und der Liebling des internationalen Jetsets. Angeblich war er mit allen im Bett: Liz Taylor, Bianca und Mick Jagger, Rudolf Nurejew und Ursula Andress.

Selbstmordversuch mit Tabletten scheitert

Der Tod Viscontis 1976 stürzt Berger in eine tiefe Krise. Am ersten Todestag seines Geliebten versucht er, sich Schlaftabletten das Leben zu nehmen, wird jedoch von einer Haushälterin gerade noch rechtzeitig gefunden. In seiner 1998 erschienenen Autobiografie "Ich", von der Berger sich inzwischen distanziert, bezeichnet der Schauspieler sich als "Viscontis Witwe". Viscontis Testament, in dem Berger als Erbe genannt worden sein soll, blieb jedoch auf mysteriöse Weise unauffindbar.

Zu seinen anhaltenden Problemen mit Drogen und Alkohol kam das international schwindende Interesse an europäischen Filmen. Die glanzvollen Rollen blieben aus, Berger spielte fortan vor allem in B-Movies und Fernsehfilmen. Auch in Videos von Madonna und der Hamburger Band Blumfeld trat der einst erfolgreichste österreichische Schauspieler auf.

Intermezzo im Dschungelcamp

Abseits der Kinoleinwand sorgte Helmut Berger vor allem mit betrunkenen Talkshow-Auftritten, bei denen er Gäste betatschte und beschimpfte, und einem Kurzaufenthalt in RTLs Dschungelcamp für Aufsehen. 2008 zog er zurück nach Österreich und lebt seitdem nach eigenen Angaben von 450 Euro Pension in der Wohnung seiner inzwischen verstorbenen Mutter.

Trotz aller Eskapaden hat Berger der Schauspielerei jedoch nie völlig den Rücken gekehrt. Gerade erst glänzte er bei den Filmfestspielen in Cannes in der Rolle des alternden Modezars Saint Laurent im gleichnamigen Film von Bertrand Bonello. Hier zeigt Berger noch einmal die authentische Zerrissenheit, mit der er einst schon 1972 als wahnsinniger Märchenkönig Ludwig II. brillierte.

Pünktlich zu seinem runden Geburtstag ist das österreichische Enfant Terrible angeblich frisch verliebt in "Botox-Boy"Florian Wess. Gerade scheint sich also wieder alles zum Guten zu wenden im von Höhen und Tiefen geprägten Leben des Helmut Berger.