Nach mehr als drei Jahrzehnten geht die "Lindenstraße" zu Ende. Die letzte Folge der beliebten Serie ist längst abgedreht, am 29. März läuft sie im TV. Willi Herren, der jahrelang Teil des Casts war, stimmt das traurig.

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Viele Jahre lang spielte Willi Herren in der ARD-Serie "Lindenstraße" Olli Klatt. Für die letzte Folge stand er nun als Geist noch einmal vor der Kamera. Im Interview mit der Agentur "spot on news" hat er nun erzählt, wie die letzten Drehtage waren und was er am meisten vermissen wird.

Die "Lindenstraße" feiert ihren Abschied. Finden Sie das Aus gerechtfertigt?

Willi Herren: Die "Lindenstraße" ist eine Serie mit großer Tradition und Geschichte. Sie hat viele Menschen durch ihre Kindheit gebracht und ist sich treu geblieben. Mit der "Lindenstraße" geht eine der letzten deutschen großen Volksserien, und natürlich ist das sehr schade. Aber die Mechanismen der Branche greifen auch in Bezug auf die "Lindenstraße". Vielleicht ist es ja noch nicht das finale Aus, es gibt ja noch die Möglichkeit, vielleicht online weiterzulaufen. Vielleicht gibt es da noch Verhandlungen, aber ich weiß es selber nicht. Natürlich würde mich das freuen. Es ist ein sehr trauriger Abschied, ein Abschied der ganz großen Sorte. Ich meine, wann verabschiedet sich mal so eine tolle Serie aus dem TV?

Wie haben Sie auf die Nachricht über das Aus reagiert?

Ich hatte wirklich Tränen in den Augen, weil die "Lindenstraße" auch mich persönlich durch mein ganzes Leben begleitet hat. Als Teenager habe ich dort angefangen und bin mit der "Lindenstraße" erwachsen geworden. Ich habe sehr viele Freunde dadurch kennengelernt, die mich ein Leben lang begleitet haben. Natürlich war das für mich ein sehr trauriger Fakt, aber umso schöner war es für mich, noch einmal auftreten zu können. Vor allem, nachdem Olli Klatt, meine Rolle, ja so lange weg vom Fenster war und jetzt nochmal dabei zu sein, ist natürlich toll.

"Sehr emotionales" Comeback für Herren

Wie war es für Sie, zum Abschluss noch einmal in Ihre Rolle Olli Klatt zu schlüpfen? Wie war das Comeback als Geist für Sie?

Sehr emotional. Nochmal ans Set zu kommen und als Schauspieler dabei zu sein, das war für mich wirklich ein emotionaler Abschied. Es war schön, gemeinsam mit allen - vor allem mit Mutter Beimer, meiner geliebten Marie-Luise Marjan - vor der Kamera zu stehen. Es war ein ganz tolles Gefühl. Wir hatten sehr viel Spaß und ich konnte noch einmal vernünftig Abschied nehmen. Wäre das nicht gewesen, wäre für mich, glaube ich, eine Welt zusammengebrochen. Da möchte ich auch noch einmal der ganzen Produktion und den Leuten, die das umgesetzt haben, danken, dass sie da an mich gedacht haben und ich mich so von der "Lindenstraße" verabschieden konnte.

Sie hatten nach Ihrer "Lindenstraße"-Zeit bereits mehrere Gastauftritte. Wieso hat Sie die Rolle nie losgelassen?

Die Rolle gehört zu meinem Leben. Nur durch die Rolle bin ich jetzt da, wo ich bin. Ich wäre niemals Party-Sänger geworden, ich wäre niemals Schauspieler geworden. Diese ganzen tollen Erfahrungen, die man als Mensch in der Öffentlichkeit machen kann, hätte ich niemals machen können, wenn nicht die "Lindenstraße" gewesen wäre. Ich habe direkt zugesagt, ohne irgendwelche Gagen-Verhandlungen zu machen. Ich sagte, dass ich dabei sein werde und dabei sein will, weil das für mich einfach eine große Herzensangelegenheit war. Deshalb hat mich das auch nie losgelassen. Wenn die "Lindenstraße" gerufen hat, war ich immer da. Ich habe allen Beteiligten so viel zu verdanken und die haben auch so viel mit mir durchgemacht, dass es für mich einfach eine Sache der Ehre war.

Was hat Ihnen an der Bösewicht-Rolle Olli Klatt am meisten Spaß gemacht und was war die größte Herausforderung?

Olli Klatt hat mich immer so ein bisschen durch mein Leben begleitet. Klar, ich war in jungen Jahren auch ein Rabauke wie Olli Klatt. Natürlich nicht in dem Ausmaß. Mit Olli musste ich über mich hinauswachsen und viele Sachen umsetzen, die gar nicht meinem Typ entsprochen haben. Zum Beispiel war die ganze Nazi-Geschichte mit Olli Klatt sehr schwierig und hart für mich. Damals bin ich dann durch die Straßen gegangen und es war noch nicht so aufgeklärt, dass das Fiktion ist. Viele Leute haben das ernst genommen und ich wurde oft angefeindet. Das war eine sehr harte Zeit. Die Rolle des Olli Klatt, als derartiger Bösewicht, den es so damals eigentlich im Fernsehen nicht gab, hat vielen Leuten Angst gemacht. Das war für mich schon eine Mega-Herausforderung.

Diese zwei "Lindenstraße"-Szenen sind Herren hängen geblieben

Welche "Lindenstraße"-Szene Ihrer Rolle werden Sie am meisten in Erinnerung behalten?

Am meisten in Erinnerung behalten werde ich definitiv zwei Sachen. Einmal die Szene mit Franz Rampelmann, der Olaf Kling gespielt hat. Da hatten wir eine ausschweifende Partynacht. Ich war damals bei der Bundeswehr und wir hantierten mit einer Handgranate rum, die dann losgegangen ist. Das war eine sehr, sehr harte Geschichte. Dann die zahlreichen Auftritte und Dreharbeiten mit Else Kling, Annemarie Wendl. Das waren immer krasse Szenen. Auch mit Mutter Beimer und Erich Schiller, Bill Mockridge, als ich die beiden erpresst habe. Das war auch eine krasse Zeit. Es gibt also viele Szenen, die mir in Erinnerung bleiben werden.

Mit wem haben Sie sich am Set am besten verstanden und warum?

Ich habe mich mit vielen Leuten gut verstanden. Mit Marie-Luise Marjan, die wie eine Ziehmutter für mich war. Auch Annemarie Wendl hat mich immer sehr getadelt und war sehr hart zu mir, aber genau das habe ich auch gebraucht, dass mich jemand so anpackt. Und natürlich hatte ich auch mit Erkan Gündüz viel Spaß und wir waren gut befreundet. Auch mit Franz Rampelmann. Das waren alles sehr, sehr gute Beziehungen, die ich da aufgebaut habe. Aber generell waren bei der "Lindenstraße" viele charakterlich korrekte Menschen. Zuletzt stand ich noch mit Rebecca Siemoneit-Barum bei "Rosins Fettkampf" gemeinsam vor der Kamera, das war auch sehr schön. Auch mit Moritz A. Sachs habe ich viel Spaß gehabt. Durch den bin ich ja eigentlich erst in die Serie gekommen. Also das waren echt alles tolle Menschen.

Würden Sie sich ein weiteres "Lindenstraße"-Format wünschen, vielleicht ein Spin-off oder einen Film?

Ja, natürlich! Alles, was mit der "Lindenstraße" zu tun hat, wäre schön. Ein Film wäre natürlich etwas ganz Spezielles. Ich weiß nicht, ob jemand da draußen dem Ganzen eine Chance gibt. Ich glaube, dass es viele Leute emotional berühren würde, wenn da nochmal was kommt. Sei es ein Spin-off oder vielleicht, wenn es auf Netflix weitergehen würde - man weiß es ja nicht. Aber das wäre definitiv eine ganz tolle Sache.

Herren plant neue Songs

Sie waren nach Ihrer "Lindenstraße"-Zeit vor allem als Sänger tätig. Würde Sie die Schauspielerei noch einmal reizen?

Die Schauspielerei reizt mich nach wie vor und ich bin auch weiterhin in der Schauspielerei tätig. Ich bekomme Rollenangebote, muss aber genau prüfen, ob das zeitlich bei mir passt, weil ich stark eingebunden bin. Ich habe Auftritte im dreistelligen Bereich, daher bin ich wirklich ständig aktiv. Deshalb trete ich momentan mehr als Sänger auf. Dennoch reizt mich die Schauspielerei und ich habe ein paar spannende Projekte auf dem Zettel. Da werde ich auf jeden Fall bald wieder zu sehen sein.

Welche musikalischen Pläne verfolgen Sie?

Ich habe mehrere neue Songs, an denen ich arbeite. Da wird auch bald wieder was Großes rauskommen, worauf ich mich schon sehr freue. Ich darf natürlich noch nichts verraten, aber das werden tolle Sachen sein und ich denke, da wird mir bestimmt wieder ein Hit gelingen.

Sie haben vor kurzem Ihr Liebescomeback mit Ihrer Ehefrau Jasmin bekannt gegeben. Wie geht es Ihnen beiden aktuell?

Aktuell sind wir mega-happy zusammen. Wir versuchen, viel Zeit miteinander zu verbringen, auch wenn das nicht immer leicht ist wegen beruflicher Verpflichtungen. Wir haben wieder zueinander gefunden. Die Auszeit tat uns gut und zeigte, wie sehr wir füreinander bestimmt sind und wie gut wir uns verstehen. Wir gehören einfach zusammen und das haben wir jetzt nochmal durch diese Zeit verinnerlicht. Wir haben unsere Probleme aus der Welt geräumt und schauen in eine glückliche gemeinsame Zukunft. (jom/sob)  © spot on news

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