Mit dem TV-Film "Der Metzger und der Tote im Haifischbecken" startet eine Reihe von Verfilmungen der beliebten österreichischen Krimireihe von Autor Thomas Raab. Die kauzige Titelfigur wird von "Kaiser" Robert Palfrader gespielt. Kann Hobbydetektiv Willibald Metzger auch im Wohnzimmerkino überzeugen?

Es fängt ein bisschen an wie in einem Western: Ein Fremder kommt in die Stadt, um dort einen Job zu erledigen. Der schräge Vogel, der am Rand dieses einsamen Ortes lebt, wirkt schon abweisend genug. Der Fremde gerät in einen Familienkrieg ungeahnten Ausmaßes, während der örtliche Bestatter einiges zu tun kriegt. In dieser generationenübergreifenden Geschichte haben einige Leute Leichen im Keller – zumindest übertragen gesprochen: Die echten Leichen finden sich allerdings im Haifischbecken eines Hotels.

Kauziger Romanheld

Der Fremde ist der etwas kauzige Restaurator Willibald Adrian Metzger, der Freunden österreichischer Krimiliteratur schon aus der bislang sechsteiligen Buchreihe des Wiener Schriftstellers Thomas Raab bekannt ist. Auch wenn die ersten Momente tatsächlich wie ein Western anmuten – nicht nur wegen dem Aufbau der Geschichte, sondern auch wegen der weiten Landschaftsbilder – kehrt doch bald der spleenige Witz ein, der schon die Raab-Bücher auszeichnete. Das liegt in der Filmversion aber auch am Hauptdarsteller: Hobbydetektiv Metzger wird nämlich von Robert Palfrader gespielt, der mit seiner Satire-Talkshow "Wir sind Kaiser" und der Kleinstadt-Spöttelei "Braunschlag" ironisch-bissige Seitenhiebe auf seine österreichische Heimat austeilte und hier ebenso gerne frotzelt.

Verstoßene Enkel und geheime Rachegelüste

Der Fall, den Metzger in dieser ersten Folge lösen muss, trägt allerdings nur bedingt absurde Züge: Der Leiche im Haifischbecken folgt bald eine zweite, nämlich die des Hausmeisters, während Metzger anderswo einen abgetrennten Finger mit Ehering daran findet und ab sofort die Augen offenhält, wem denn ein solches Körperteil fehlen könnte. Er gerät dabei in ein Familiendrama erster Klasse: Verstoßene Enkel, uneheliche Kinder, geheime Rachegelüste und sogar sexuelle Übergriffe kommen ans Tageslicht. Unterstützung erfährt Metzger durch seine alte Schulkameradin Danjela Djurkovic, die er hier – in Abweichung von der Romanvorlage – zufällig am See trifft. Von ihrer Erscheinung ist er so benebelt, dass er gleich einen Sturzflug mit dem Fahrrad hinlegt.

Es sind viele Elemente, die hier balanciert werden: Da ist einerseits der Kriminalfall, der nach schwarzhumorigem Beginn weitaus ernster wird und sich als böse Tragödie entpuppt. Gleichsam bewegt sich die Geschichte von der entspannt-charmanten Schnüffelei aus Neugierde hin zu einem spannenden, intensiven Finale, in dem unser Held in ernster Lebensgefahr schwebt. Ganz nebenher wird das Provinzielle sanft aufs Korn genommen, wenn zum Beispiel ein örtlicher Polizist sich mit einem Radargerät neben einem riesigen Papphirsch aufstellt, ein Bierchen trinkt und lieber einen alten Traktorfahrer im Auge behält, als dem Metzger zu helfen.

Guter Metzger mit leichten Schwächen

Dass alle diese Teile zusammen funktionieren und sich Witz und Ernst in guter Balance halten, ist nicht nur Regisseur Andreas Herzog zuzuschreiben, sondern auch der Robert Palfrader: Er spielt den Eigenbrötler mit Zurückhaltung, legt nicht zu viel Gewicht auf manch bissigen Spruch, kostet den Witz manchmal nur mit einem Blick aus und schafft damit eine absolut glaubwürdige, sympathische Figur. Herzog inszeniert in originellen Bildern, die teils auch kinotauglich wären, zeigt ein gutes Gespür für das Tempo der sich entfaltenden Geschichte und weiß, wann er die Spannung anziehen muss.
Nicht ganz so gelungen ist die Beziehung zwischen Metzger und Djurkovic – und das liegt keinesfalls an der Ungarin Dorka Gryllus, die die alte Flamme des Restaurators spielt.

Vielmehr ist die Begegnung zwischen den beiden zu gezwungen, die Entscheidung zur Zusammenarbeit beim Detektivspiel zu aufgesetzt: Es besteht kein wirklicher Grund, warum sich Danjela immer wieder bei Metzger melden sollte, oder warum sie sich so sehr anstrengt, den komischen Kauz immer wieder aus der Reserve zu locken. Es ist vielmehr Filmkonvention, dass die weibliche Hauptfigur ein sofortiges Interesse am Helden der Geschichte findet, anstatt ihrer eigenen Wege zu gehen. Immerhin: Wenn man die Konstruktion ihres ständigen Kontakts eine Filmhälfte lang geschluckt hat, beginnen die beiden, ein charmantes Gespann abzugeben, das vielleicht erst im zweiten Film so richtig Chemie entwickeln kann.

Diese zweite Verfilmung wird den Kriminalkundschafter übrigens in eine Welt locken, die weit skurriler sein kann als die der entlegenen Haifischbecken: In "Der Metzger geht fremd" gerät der Titelheld auf seinem eigenes Klassentreffen in eine Mordgeschichte hinein. Vorerst bleibt aber die erste Folge, die sich ungeachtet der genannten Schwäche als absolut lohnenswerte, sympathisch-witzige und überraschend spannende Krimikost zeigt. "Der Metzger und der Tote im Haifischbecken", am Donnerstag, den 12.2. um 20.15 Uhr auf ARD und ORF, macht Lust auf mehr.