Brust, Bizeps, Po. Oder mit anderen Worten: "Love Island" ist wieder da. Auf Teneriffa suchen seit Montag wieder Singles nach was, immer man auch in RTLZWEI-Datingshows so sucht. Doch diesmal muss der Sender nicht nur Trash-TV-Fans zufriedenstellen, sondern auch Fingerspitzengefühl beweisen.

Christian Vock.
Eine Kritik
Diese Kritik stellt die Sicht des Autors dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

Pünktlich zum Frühlingsanfang schickt RTLZWEI wieder paar- und paarungsbereite Singles auf die Insel, damit man sich kennen und lieben, mindestens aber für Anschlussformate wie "Das Sommerhaus der Stars" qualifizieren möge.

Immerhin hat uns die Show bereits so illustre Trash-TV-Persönlichkeiten wie Elena Miras, Chethrin Schulze oder Mike Heiter beschert. Man soll sich nicht zu früh freuen, aber Staffel sieben startet diesbezüglich verheißungsvoll. Der Start der neuen Staffel im Überblick.

Die Moderation:

Wie schon im vergangenen Jahr hat sich RTLZWEI Sylvie Meis geschnappt oder umgekehrt. Meis’ Moderation ist wie ein Brotmesser: Sie macht, was sie soll. Kein Schnickschnack. Meis steht da, begrüßt die Kandidaten und erklärt ihnen die Regeln und das sogar fünfmal hintereinander bis alle auf dem gleichen Stand sind.

Nicht so gelungen sind hingegen die Off-Kommentare von Simon Beeck. Man kann es ihm gar nicht so recht verübeln, dass er mit seinen Sprüchen dem Ganzen eine ironische Note geben möchte, denn man will als Zuschauer den Spuk ja selbst gar nicht ernst nehmen. Das Problem: Die Show selbst nimmt sich ernst und so hakt es einfach zwischen dem, was man sieht und dem, was man hört.

Die Regeln:

"Dieses Mal ist alles anders", lügt Meis die Kandidatinnen an. Denn natürlich ist diesmal nicht alles anders. Es geht auch in Staffel sieben wieder darum, dass Menschen auf begrenztem Raum aufeinander treffen und dort unter Zuhilfenahme von Alkohol, ihren Körpern und Gesprächen am Rande des Erträglichen irgendetwas aus der Show für sich mitnehmen. Das kann natürlich ein Partner sein, aber auch eine Freundschaft, die Siegprämie, Instagram-Reichweite oder eine Trash-TV-Anschlussverwendung.

Also alles beim Alten. Was Meis meint, ist, dass die Regeln ein bisschen geändert wurden. So wohnen Männlein und Weiblein nicht mehr in einem Haus zusammen, die Herren übernachten stattdessen im "Brotel", wo sie alles haben, was Männer offenbar brauchen: "Fitness, Deeptalk und Proteinshakes", wie es bei RTLZWEI heißt.

Auch der Auftakt ist anders: "Heute Abend gibt es keine Paarungszeremonie. Heute Abend gibt es keine Couples, heute Abend gibt es keine geteilten Betten", erklärt die Meis, als sei das etwas Schlechtes. Was die Meis meint, ist, dass die Damen aus den fünf Herren nur drei für die abendliche "Singleparty" aussuchen dürfen, die anderen zwei gehen erstmal im Brotel in Isolation.

Die Kandidaten:

Auf den ersten Blick hat die Show die Kandidaten, die sie braucht, bekommen. Zum Beispiel Leonie. Die 27-Jährige gibt gerne viel Geld für Klamotten aus und weiß, was ihr bei einem Mann gefällt: "Das Wichtigste bei einem Typen ist, dass er gut aussieht, aber nicht weiß, dass er gut aussieht." Sie sucht also offenbar einen gut aussehender Idioten.

Nico ist im Direktvertrieb bei einem Telekommunikationsanbieter tätig und kann deshalb offenbar auf reichlich Erfahrung bei Flirtsprüchen für die Haustür zurückgreifen: "Sie haben ja die Baustelle draußen gesehen, wir verlegen das Internet neu. Kann ich bei Ihnen vielleicht auch mal nach der Dose gucken?", präsentiert Nico hier eines seiner Premiumprodukte. Erstaunlich, dass er laut Selbstauskunft in seiner saarländischen Heimat trotzdem "die Kapazitäten erschöpft" hat.

Ja, hier darf man gerne einmal mit einem kräftigen "Uff" ausatmen, aber vielleicht findet Nico ja freie Kapazitäten bei Lara. Die 27-jährige Hamburgerin nennt sich selbst zwar tollpatschig und ein kleines Sensibelchen, hat sich aber Gedanken über ihre Handlungsoptionen in der Show gemacht. Mit einem "Sex in der Villa ist kein Tabu" erklärt Lara, dass sie grundsätzlich bereit wäre, ihren Teil zur Knutsch-und-knatter-Show beizutragen.

Die Show:

"Es ist richtig schön pink", findet Lara, als sie die "Love Island"-Villa betritt. An diesem Satz stimmt zwar im Grunde nur das mit dem "pink", aber Liebhaber von "Love Island" können sich trotzdem nach Folge eins freuen, denn offenbar hat die Produktionsfirma bei den Kandidatinnen und Kandidaten erst einmal alles richtig gemacht.

Denn wenn das stimmt, was uns der Schnitt da so präsentiert, dürfen sich Trash-TV-Fans wieder auf drei Wochen Niveau-Diät freuen. Als etwa Nico bei den Damen Werbung in eigener Sache machen soll, um auf die "Single-Party" zu dürfen, weiß der Direktvertriebler erst einmal nicht, was er sagen soll, haut dann aber einfach mal einen raus: "Ich kann euch allen den Handyvertrag billiger machen!"

Es könnte also intellektuell alles so einfach sein, wird es aber wahrscheinlich nicht. Denn mit Jess ist eine Kandidatin dabei, die früher einmal ein Junge war und nun ausgerechnet ein Auge auf Adriano geworfen hat. Ausgerechnet, weil der ihr im Gespräch über Dating-Apps erzählt: "Da passieren schon komische Sachen." Als Adriano dann mal eine dieser "komischen Sachen" näher ausführen soll, erzählt er von einem Date, bei dem sich herausstellte: "Sie war einfach nur transgender."

Wenig später plagen Jess dann ein schlechtes Gewissen und auch Frust: "Es ist scheiße und es ist ermüdend, mich immer wieder aufs Neue zu outen." Da geht auch Off-Sprecher Beeck kurz die Ironie flöten. Mal sehen, wie "Love Island" in den kommenden Folgen den Spagat zwischen Trash-TV und Sensibilität hinbekommt.

"Love Island – Heiße Flirts & wahre Liebe" läuft bis zum 8. April immer sonntags bis freitags um 22.15 Uhr bei RTLZWEI oder bei RTL+ im Stream