Was haben ein Kissen in China, eine Eiswaffel in Indien und ein Buch in Deutschland gemeinsam? Zwei Wörter: Adolf Hitler. Der Diktator gilt nicht nur in China als beliebte Lifestyle-Marke. Auch in Indien, Deutschland und den USA brummen die Kassen, wenn Produkte mit Nazi-Note angeboten werden. Eine Weltreise durch den Kuriositätenladen.

Hierzulande neben Fußball höchstens als Werbegesicht für eine bekannte Chips-Marke bekannt, taucht Bastian Schweinsteiger in China neuerdings als Nazi-Puppe auf. Grund dafür ist der chinesische Spielzeughersteller "DiD Corp", der seine 30 Zentimeter große Puppe "Bastian" in Nazi-Uniform kleidet und für 108 Euro verkauf. Nicht nur in China, auch über französische, niederländische und amerikanische Shops.

Die starke Ähnlichkeit mit Bastian Schweinsteiger sei dabei rein zufällig, sagte ein Mitarbeiter der Firma aus Hongkong gegenüber der "Bild"-Zeitung. Auch der Schauspieler Thomas Kretschmann, der im Tom-Cruise-Film "Operation Walküre" den Nazi Otto Ernst Renner spielt, taucht im Sortiment der chinesischen Firma auf. Als Wehrmachtsoldat mit Spielzeugwaffen und Kleidungsstücken zum Wechseln. Nicht nur Spielzeuge im Nazi-Stil sind in China beliebt. Trotz allgegenwärtiger Zensur und streng überwachtem Internet, schaffen es Nazi-Produkte immer wieder auf den chinesischen Markt.

Kissen, Poster und Gläser mit Hitler-Foto

In einem gigantischen Online-Shop, der hier aufgrund dieses Sortiments nicht namentlich erwähnt werden muss, lassen sich mühelos Kissen, Poster und Gläser mit Hitler-Foto aus Übersee erwerben. Wem das nicht genügt, der kann sich auch als Hitler verkleiden, mit passender Maske. Das größte virtuelle Kaufhaus gehört zum Internetriesen Alibaba und macht nach Angaben der Zeitung "Die Welt" mehr Umsatz als Ebay und Amazon zusammen.

Auch in kleineren chinesischen Designläden stolpern Touristen immer wieder über satirische Nazi-Pop-Art: Handyhülle, Flaschenöffner, Magneten und Portemonnaies mit Hitlerporträt. Im Fantasy Utopia Studio bekommen Kunden lauter skurrile und äußerst makabre Gegenstände vor Augen geführt. Darunter ein Mousepad, auf dem Hitler in Küchenschürze im Stil des Colonel Sanders abgebildet wird, Werbe-Ikone von "Kentucky Fried Chicken".

Widerliches Wortspiel zum Holocaust

Neben Hitler als "KFC"-Onkel stehen die Worte "Hitler Fried Citizens", ein widerliches Wortspiel zum Holocaust. Was die Waffenfaszination der Volksrepublik angeht, scheinen die Nationalsozialisten besonders verehrt zu werden. An zahlreichen Kiosken des Landes werden Militärzeitschriften verkauft, darunter auch das "Blitz"-Magazin. Wer das Heft durchblättert, dem fallen sofort zahlreiche deutsche Parolen ins Auge, die Hitlers Kriegsführung aufs Äußerste verherrlichen. Das Kriegsmagazin nähert sich der 70. Auflage.

Auch im Nachbarland Indien gilt Hitler als Lifestyle-Marke. Dabei reihen sich andere Diktatoren wie Mao Zedong oder Josef Stalin gleichermaßen ein. Erst vor kurzem entdeckte ein Fotograf den Namen und eine Foto Hitlers bei einem Straßenhändler in Delhi. Der Inder verkauft Eis. Auf seinem Eiswagen ein Karton mit der Aufschrift "Hitler Eis-Cream". Während in Europa das "Hitler-Eis" im wahrsten Sinne des Wortes als geschmacklos empfunden werden dürfte, scheint sich in Indien kaum jemand darüber Gedanken zu machen. Nach Recherchen der Zeitung "Die Welt" werde Hitler in indischen Schulbüchern unter anderem als historisches Vorbild und brillanter Stratege dargestellt.

Jüdische Gemeinde entsetzt über Hitler-Restaurant

Nicht zum ersten Mal gibt es in Indien Ärger um den Namen Hitlers. 2012 hatte ein "Hitler-Geschäft" im indischen Bundestaat Gujarat eröffnet, das westliche Herrenkleidung anbot. Über dem Eingang stand in fetten Buchstaben der Name des Diktators mit Hakenkreuz über dem I. Nachdem die Meldung weltweit durch die Medien ging und die jüdische Gemeinde in Indien protestierte, änderten die Ladenbesitzer den Namen. Zuvor hatte bereits ein Restaurantbesitzer in Mumbai sein Geschäft "Hitlers-Kreuz" genannt. Die Namenstafel war ebenfalls mit dem Hakenkreuz versehen, das als Swastika in Indien als traditioneller Glücksbringer gilt.

Der groteske Hitler-Kult ist aber nicht nur in China und Indien verbreitet. Auch in Deutschland hat sich eine seltsame Fixierung auf den Diktator herausgebildet. Ein Beispiel: Der Buch-Bestseller "Er ist wieder da" von Timur Vermes über die Wiederkehr Hitlers im Berlin der Gegenwart. Die Satire verkaufte sich insgesamt über 1,4 Millionen Mal. Auch in England landet der Roman kurzerhand auf Platz 1 der "Times"-Liste. Mittlerweile wurde das Buch in 38 Sprachen übersetzt. Immerhin blickt man hier mit ironischem Unterton auf Adolf Hitler, um einer modernen Gesellschaft auf intelligente Weise den Spiegel vorzuhalten, wie in unserer Kinokritik zu "Er ist wieder da" zu lesen ist.

Teekanne im Hitler-Look

Adolf Hitler ist auch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten keine geschmacklose Unmöglichkeit. Viele Autofahrer stutzten nicht schlecht als sie auf einem Highway nahe Los Angeles eine riesige Anzeigetafel mit einer abgebildeten Teekanne im Hitler-Stil erblickten. Der Krug aus Edelstahl erinnert im Design stark an die Gesichtszüge von Adolf Hitler. Das umstrittene 40-Dollar-Produkt mit dem Namen "Michael Graves Stainless Steel Tea Kettle" stammte von der US-Haushaltskette "J. C. Penny".

Die Empörung der Kunden war so groß, dass der Konzern die "Hitler-Kanne" kurzerhand aus dem Sortiment nahm. "Das sei alles bloß Zufall", so hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme des Unternehmens. "Es tut uns leid, dieses Produkt ist im Moment nicht erhältlich" – entschuldigte sich der Konzern auf der Webseite. Zwar ist das Modell nicht mehr erhältlich, dafür allerdings bei Sammlern heiß begehrt. Denn der Vorfall von vor zwei Jahren löste eine große Auktionswelle im Internet aus. Dort boten Verkäufer den Hitler-Teepott zum Teil für rund 200 Dollar an.

"I Love Hitler"

Vor einigen Jahren sorgte auch der amerikanische Online-Shop Amazon für Aufruhr. Das Unternehmen nahm damals fragwürdige T-Shirts in sein Vertriebsangebot auf. Neben der Aufschrift "BUSH", in der das "S" zu einem Hakenkreuz umgestaltet wurde, konnten Kunden ebenfalls den Aufdruck "I Love Hitler" für rund 30 Dollar erwerben.

Auf der Deutschland-Webseite von Amazon waren die Klamotten nicht zu finden, nach deutschem Recht sind solche Shirts seit 2004 strafbar. Wer heute die Suchbegriffe "Hitler Shirts" bei Amazon Amerika eingibt, findet allerlei Skurriles, darunter auch ein "I Love Hitler Pond"-Shirt – zu deutsch: Ich liebe Hitler Teich. Den befremdlichen Namen trägt tatsächlich ein See im US-Bundestaat Ohio.