Seit vergangenen Mittwoch steht fest: Edeka darf die Supermärkte von Kaiser's Tengelmann nicht übernehmen. Ein etwaiger Deal hätte den Wettbewerb in vielen Regionen zu stark eingeschränkt, so die Begründung des Kartellamtes. Tatsächlich beherrschen derzeit gerade einmal fünf Akteure den Markt.

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So leicht will sich Edeka das "Nein" vom Bundeskartellamt nicht gefallen lassen. Nachdem dieses am Mittwoch eine Fusion des Supermarktgiganten und der Kette Kaiser's Tengelmann untersagt hatte, bereitet Edeka nun einen Antrag an Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) vor. Er könnte das Veto der Wettbewerbshüter überstimmen.

Wer gehört eigentlich zu wem?

In kaum einem anderen Land ist der Konkurrenzkampf unter den Supermärkten so hart wie in Deutschland. Während im Jahr 1999 noch acht große Handelsketten über einen Marktanteil von 70 Prozent verfügten, beherrschen heutzutage laut einer Studie des Kartellamtes lediglich fünf große Akteure mit einem Anteil von 90 Prozent den Markt.

Die Edeka-Gruppe

Die Edeka-Gruppe ist die unangefochtene Nummer eins unter den Lebensmittelhändlern. Mit 51,85 Milliarden Umsatz verbuchte sie 2014 abermals ein Plus von zwei Prozent.
Damit ist der Konzern laut Angaben des Kartellamtes besonders stark am Markt platziert. In einer Auswertung vom vergangenen Jahr erklärten die Wettbewerbshüter, der Konzern habe im Verhältnis zu seinen jeweiligen nächsten Wettbewerbern eine etwa doppelt so hohe Gesamtverkaufsfläche sowie eine doppelt so hohe Standortdichte. Gemessen am Umsatz, den Beschaffungsanteilen bei Herstellermarken, der Verkaufsfläche und der Standortzahl sei Edeka der mit Abstand führende Anbieter in Deutschland.

Zur Edeka-Gruppe gehören neben den gleichnamigen Supermärkten unter anderem die Discounter Netto und Plus sowie Marktkauf.

Nachdem Tengelmann Anfang Oktober vergangenen Jahres erklärt hatte, sich nicht länger gegen die großen Konkurrenten behaupten zu können, plante Edeka zudem die Übernahme aller 451 Kaiser's-Tengelmann-Supermärkte. Als das Kartellamt jedoch aus wettbewerbsrechtlichen Gründen massive Bedenken gegen die Pläne des größten deutschen Lebensmittelhändlers erhob und mit einem Verbot der Fusion drohte, hatten Edeka und Tengelmann angeboten, knapp ein Viertel der Supermärkte an andere Interessenten abzugeben – offensichtlich ohne Erfolg.

Dabei kennt sich der Konzern mit Übernahmen aus. 2005 übernahm Edeka die deutsche Spar mit rund 2100 Einzelhändlern. Dabei wurde auch das Tochterunternehmen Netto Marken-Discount und eine Beteiligung von 25 Prozent an der deutschen Tochter der Netto-Gruppe erworben. Diese Übernahme brachte Edeka erstmalig den Rang des größten deutschen Lebensmitteleinzelhändlers ein, den es bis heute nicht mehr verlassen hat.

2008 gab das Bundeskartellamt außerdem bekannt, dass Edeka den Discounter Plus von Tengelmann übernehmen dürfe und somit größtenteils auf sein Netto-Marken-Discount-Konzept umstellen kann. Allerdings nur unter strengen Auflagen: Tengelmann musste zuvor 378 der insgesamt 2900 Plus-Märkte verkaufen und durfte sich selbst nur mit 20 statt der angestrebten 30 Prozent an den Märkten beteiligen. Auch untersagte das Bundeskartellamt die geplante Zusammenarbeit von Tengelmann und Edeka im Wareneinkauf.

Rewe-Gruppe

Die Supermarktkette Rewe bringt es in Deutschland mit knapp 38 Milliarden Umsatz auf den zweiten Platz der größten Lebensmittelhändler. Zur Unternehmensgruppe gehören unter anderem der Discounter Penny sowie Nahkauf und Perfetto.

Zur Übernahmehistorie zählen der Kauf der Extra-Märkte, die ursprünglich zur Metro-Group gehörten und heute unter dem Markennamen Rewe laufen. 2009 kaufte das Unternehmen außerdem 39 süddeutsche Sky-Märkte der coop eG sowie ein Zentrallager, dazu kamen 2010 60 Tengelmann-Filialen. Die Übernahmen wurden seitens der Bundeskartellbehörde ohne Auflagen oder Bedingungen zugelassen.

Die Schwarz-Gruppe

Auch die Schwarz-Gruppe freute sich 2014 über einen Umsatzanstieg. Der Konzern, zu dem Lidl und Kaufland zählen, machte Schätzungen zufolge einen Umsatz von 34 Milliarden Euro - 2,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Metro-Gruppe

Real, Metro und Galeria Kaufhof – das sind die großen Namen der Metro Gruppe. Schätzungen des Marktforschers Trade Dimensions zufolge bringt es der Konzern auf 29,7 Milliarden Euro Umsatz und kann sich damit auf dem vierten Rang behaupten. Im Jahr 2006 kaufte der Konzern die 85 deutschen Niederlassungen des Wal-Mart-Konzerns auf, die heute als Real-Märkte geführt werden.

Aldi

Aldi kommt 2014 auf einen geschätzten Gesamtumsatz von 27,5 Milliarden Euro – und das ganz ohne Fusionen. Anteilig tragen Aldi Süd 15,5 Milliarden Euro und Aldi Nord 12 Milliarden Euro bei.

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