Die Geschichte Japans ist eine ganz besondere. In nur 40 Jahren schaffte es das Land vom Mittelalter in die Moderne. Der Umschwung begann mit einem amerikanischen Kapitän und drei schwarzen Schiffen.

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Der amerikanische Kapitän Matthew Perry betritt im Jahr 1853 eine Welt, die aus der Zeit gefallen zu sein schien. Die Menschen trugen traditionelle Kleider, sie verehrten ihre Samurai und lebten wie im Mittelalter.

Perry landete mit seinen drei "Schwarzen Schiffen" vor Japans Küste. Im Auftrag der Vereinigten Staaten wollte er das Land endlich für ausländischen Handel öffnen.

Das Shogunat in Edo, dem heutigen Tokyo, hatte es 250 Jahre lang geschafft, sich fast vollkommen von der Außenwelt zu isolieren.

Seit dem Jahr 1634 verfügten nur die Holländer über einen kleinen Handelsstützpunkt in der Nähe von Nagasaki. Mit dem Ende der Tenno-Herrschaft, also der japanischen Kaiserzeit, verfiel das Land in eine selbstgewählte Isolation.

Die Macht der Shogune

Ab 1600 regierten die Shogune das Land, so bezeichnete man die obersten Kriegsherren. Der Shogun Tokugawa Ieyasu und sein Nachfolger konnten in langen blutigen Schlachten die japanischen Stämme einen und den Kaiser, auch Tenno genannt, in die Bedeutungslosigkeit verbannen.

Doch während sich Europa zur Kolonialmacht ausbreitete und große Teile der Erde in Anspruch nahm, verharrte das Reich der aufgehenden Sonne in einem Jahrhunderte dauernden Dornröschenschlaf.

Die Samurai und eine Kastengesellschaft

Das ganze Land besaßen 266 Großfürsten, die Daimyo genannt wurden. Ihnen gehörte praktisch alles in ihrem Territorium. Ein System der Leibeigenschaft und Stände verhinderten eine technische Entwicklung des Landes.

Bauern lebten in sklavenähnlichen Zuständen und waren meist bitterarm.

Die sagenumwobenen Samurai, auch Bushi genannt, gehörten zum ersten Stand. Man kann sie mit europäischen Rittern vergleichen, wobei die Samurai kein eigenes Land besaßen, sondern ein jährliches Gehalt bekamen.

Zwischen den einzelnen Samurai gab es große Unterschiede. Sie konnten verarmt oder sehr reich und einflussreich sein.

Als ausgebildete Krieger genossen sie höchstes Ansehen in der Gesellschaft und stiegen während des Shogunats zur regierenden Kaste auf. Ihr Erkennungszeichen war das Daisho, die beiden berühmten Samurai-Schwerter.

Übrigens: Sogar ein Europäer schaffte es trotz Isolation einmal zum Samurai.

Der Engländer William Adams strandete nach einem Schiffbruch mit seiner Mannschaft im Jahr 1600 in Japan. Nach zahlreichen Konflikten und Intrigen am damaligen Hof wurde er sogar zum Samurai ernannt. Verlassen durfte er das Land allerdings nie wieder.

Die Rebellion gegen den Westen

Ein von Hand koloriertes Foto eines Japaners aus dem Jahr 1869 des italienisch-britischen Fotografen Felice Beato.

Die Zeit der Samurai näherte sich Mitte des 19. Jahrhunderts ihrem Ende. Der westliche Einfluss von amerikanischer und europäischer Seite war zu groß, die Technik zu überlegen.

Nachdem Commodore Perry drohte die Edo zu bombardieren, ließen sich die Japaner auf Gespräche ein. Ein US-Konsulat öffnete seine Pforten, der Handel mit den USA begann.

Kurz darauf drängten auch die Europäer ins Land, dessen Bevölkerung zunehmend mehr von westlicher Technik begeistert war.

Nicht alle waren zufrieden. In zahlreichen Aufständen rebellierten die Anhänger der alten Ordnung gegen die neuen Fremden. Mit ihren Rüstungen und im direkten Nahkampf mit dem Schwert versuchten sie, die Eindringlinge zurückzudrängen.

Es blieb ohne Erfolg. Die Amerikaner hatten bereits im Jahr 1861 mit der Gatling-Gun das erste Schnellfeuer-Geschütz erfunden. Es war ein Kampf von 400 Gewehrschüssen pro Geschütz in der Minute gegen Schwertkämpfer auf Pferden.

Handkoloriertes Foto von Samurai in Rüstung und mit Schwertern aus dem Jahr 1869.

Die Restauration des Kaisers

Im Jahr 1868 ging das Shogunat unter. Nachdem es die Einmischung der westlichen Mächte nicht verhindern konnte, verlor es auch unter den Daimyo immer mehr an Bedeutung.

Schließlich erneuerte Kaiser Mutsuhito wieder die Macht des Tenno und regierte ab 1868 als Kaiser Meiji. Er benannte die Hauptstadt Edo in das bis heute gültige Tokyo um.

Bis zu seinem Tod 1912 erneuerte er das Land nach westlichem Vorbild und industrialisierte es in einer nie zuvor dagewesenen Schnelligkeit. Im Jahr 1889 bekam Japan dann eine Verfassung.

Japan gewann so schnell an Macht, dass es selbst koloniale Ambitionen hegte. 1894 erklärte es dem Kaiserreich China den Krieg und gewann diesen ein Jahr später. China musste Taiwan, die Mandschurei und Liaodong an Japan abtreten.

1904 provozierte Japan mit dem Angriff auf den Hafen von Port Arthur in Russland einen Krieg gegen das Zarenreich.

Es gewann auch diesen Krieg und feierte damit den ersten Sieg einer asiatischen Macht über eine europäische Großmacht seit Jahrhunderten.

Die Bevölkerung verdoppelte sich von 1867 bis 1912. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs lebten mehr als 50 Millionen Menschen in Japan.

Fast 100 Jahre nach der Öffnung Japans gelangte die Flagge eines der Schiffe von Commodore Perry erneut nach Japan. 1945 flogen sie die Amerikaner von Annapolis nach Tokyo - für die Zeremonie der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg.

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