Marie Curie hat in einer Zeit gelebt, in der es nicht selbstverständlich war, dass Frauen in der Wissenschaft erfolgreich waren. Fünf Fakten über Marie Curie, die am 7. November vor 150 Jahren geboren wurde.

Marie Curie war nicht nur wie zur damaligen Zeit üblich Ehefrau und Mutter, sie war in vielem eine Vorreiterin und hat dazu beigetragen, Frauen den Weg in die Forschung zu eben.

1. Marie Curie war die erste Frau in Frankreich, die einen Doktortitel in Physik bekam.

Dass Bildung wichtig ist, bekam die 1867 in Warschau als Maria Sklodowska geborene spätere Nobelpreisträgerin schon im Elternhaus mit. Mutter und Vater waren beide Schulleiter, Maria machte ein sehr gutes Abitur.

Da Mädchen in Polen nicht studieren durften, arbeitete sie jedoch zunächst als Hauslehrerin, bevor sie mit Mitte 20 nach Paris ging und die Gelegenheit bekam, an der berühmten Pariser Hochschule Sorbonne Physik zu studieren.

An der naturwissenschaftlichen Fakultät war sie eine von 23 Studentinnen, bei 1.825 Studierenden insgesamt, wie Susan Quinn in ihrer Marie-Curie-Biographie schreibt.

Sklodowska machte Abschlüsse in Physik und Mathematik und forschte gemeinsam mit Pierre Curie, den sie 1895 heiratete und seitdem Marie Curie hieß, an radioaktiven Materialien. Ihre Doktorarbeit, 1903 eingereicht, trug den Titel "Recherches sur les substances radioactives" (auf Deutsch: Forschung über radioaktive Substanzen).

Darin beschreibt sie, wie sie und ihr Mann ein neues Element entdeckten, das sie Polonium nannten, und ein weiteres, das sie Radium nannten. Nach dem Tod ihres Mannes, der 1906 bei einem Verkehrsunfall starb, wurde Marie Curie sein Physik-Lehrstuhl übertragen.

Sie war damit die erste Frau, die an der Sorbonne einen Lehrstuhl innehatte.

2. Marie Curie ist bis heute die einzige Frau, die zwei Nobelpreise bekommen hat.

Der Kreis der Mehrfach-Nobelpreisträger ist ohnehin klein, Marie Curie ist die einzige Frau unter ihnen. 1903 bekam sie gemeinsam mit ihrem Mann Pierre sowie ihrem Physiker-Kollegen Henri Becquerel den Nobelpreis für Physik.

Becquerel hatte 1896 - ein Jahr, nachdem Wilhelm Conrad Röntgen seine "X-Strahlen" entdeckt hatte - herausgefunden, dass bestimmte Kristalle eine fotografische Platte schwärzen können.

Diese Erkenntnis war die Grundlage für Curies weitere Nachforschungen. Acht Jahre später, 1911, erhielt Marie Curie dann auch noch den Nobelpreis für Chemie - für ihre Entdeckung von Polonium und die Entdeckung und Isolierung von Radium.

Ihre Tochter Irène ist übrigens ebenfalls Nobelpreisträgerin. Sie bekam den Nobelpreis für Chemie 1935 gemeinsam mit ihrem Mann ebenfalls für Radioaktivitätsforschung.

3. Marie Curie hatte ihr Labor lange Zeit in einem alten Schuppen.

Der Schuppen wurde Marie Curie und ihrem Mann von einem Schuldirektor zur Verfügung gestellt. Dort arbeiteten die beiden daran, die neuen Elemente Radium und Polonium genauer zu erforschen.

Vor allem wollten sie diese isolieren und ihre Masse bestimmen - eine körperlich anstrengende Arbeit, wie Marie Curie laut einer Kurz-Biografie auf der offiziellen Nobelpreis-Webseite schrieb.

"Manchmal verbrachte ich einen ganzen Tag damit, eine kochende Masse mit einer schweren Eisenstange umzurühren, die fast so groß war wie ich selbst. Am Ende des Tages war ich todmüde."

Schließlich gelang es ihr, aus mehreren Tonnen Rohmaterial ein Zehntelgramm Radiumchlorid zu isolieren und seine Masse zu bestimmen. Ihre Ergebnisse flossen in ihre Doktorarbeit ein.

Das Gremium, das sie bewertete, nannten sie den "bedeutendsten wissenschaftlichen Beitrag, der je in einer Doktorarbeit gemacht wurde".

Der Schuppen habe ein undichtes Glasdach gehabt, das ihn im Sommer in ein Treibhaus verwandelt habe und im Winter wenig Schutz gegen die Kälte geboten habe, schrieb Curie.

Wenn sie nicht draußen arbeiten konnten, wurden etwaige schädliche Gase durch die Fenster ins Freie gelassen. Es gab kaum Möbel und keine Möglichkeit, die Materialien zu lagern, mit denen sie forschten. Also wurden sie auf Tische und Regalbretter gelegt.

Die schwach leuchtenden Silhouetten der Glasbehälter zu sehen, in denen sie steckten, habe ihr immer Freude bereitet, schrieb Curie.

Der Schuppen wurde mittlerweile zu einem Museum umgebaut. Zum Schutz der Besucher wurde das radioaktive Material entfernt. Doch die Tür zu ihrem Büro ist noch das Original. Die Türklinke weist noch immer ein hohes Maß an Radioaktivität auf. Das kommt daher, dass Marie Curie oft in ihr Büro gegangen ist, nachdem sie mit radioaktivem Material gearbeitet hat. Diese Radioaktivität ist mit der Zeit auf die Türklinke übergegangen. Heute ist das Level an Aktivität jedoch ungefährlich.

4. Marie Curie half im Ersten Weltkrieg verwundeten Soldaten an der Front.

Im Ersten Weltkrieg half Marie Curie dabei, Lazarette und Lastwagen mit Röntgenapparaten und anderem medizinischen Gerät auszurüsten. Damit konnten Soldaten an der Front untersucht und behandelt werden.

Zum Beispiel wurden so Metallsplitter im Körper lokalisiert. Am 1. November 1914, schreibt Susan Quinn in ihrer Marie-Curie-Biographie, fuhr Curie zum ersten Mal nach Creil, in ein Lazarett etwa 30 Kilometer hinter der Frontlinie.

Zwei Jahre später machte sie den Führerschein, um selbst fahren zu können. Auch ihre 18-jährige Tochter Irène fuhr bisweilen mit.

Nach dem Krieg engagierte sich Marie Curie dann im Völkerbund, einer aus den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs entstandenen, internationalen Organisation, die den Frieden sichern sollte.

Von 1922 bis 1934 war Curie Vizepräsidentin der internationalen Kommission für geistige Zusammenarbeit.

5. Marie Curie wurde schließlich Opfer ihrer Forschung.

Mit 66 Jahren starb Marie Curie - wohl auch an den Folgen ihrer lebenslangen Beschäftigung mit radioaktiven Stoffen. Ihre Tochter Ève schrieb in ihrer Biographie über die Mutter, dass diese an einer aplastischen Anämie gestorben sei, die eine Vorstufe zu Leukämie sein kann.

Marie und Pierre waren schon wenige Jahre nach Beginn ihrer Forschung immer wieder krank: Beide hatten Entzündungen an den Fingern, litten unter Erschöpfung und Müdigkeit, führten dies aber überwiegend auf die viele Arbeit zurück.

In der Kurz-Biographie auf der Nobelpreis-Webseite ist die Rede davon, dass Pierre Curies Beine oftmals so sehr zitterten, dass er sich kaum aufrecht halten konnten und dass er Schmerzen hatte.

Beide führten ihren Zustand aber offenbar nicht auf ihre Arbeit mit den radioaktiven Substanzen zurück.

Die Notizbücher, in denen Marie und Pierre Curie von 1897 bis 1900 ihre Arbeit dokumentierten, können in der Bibliothèque Nationale in Paris angesehen werden. Sie gäben ebenfalls noch Strahlung ab, so dass jeder Besucher unterschreiben müssen, dass er sie sich auf eigene Gefahr ansehe, heißt es bei nobelprize.org.

Am internationalen Weltfrauentag möchten wir an die einzigartigen Leistungen einiger Pionierinnen erinnern. Sie mussten meist ungleich höhere Hürden als ihre männlichen Kollegen überwinden, um Großes zu schaffen.