In einem versteckten Kloster in Tibet hüten weise Mönche mit übersinnlichen Kräften die spirituellen Schätze der Menschheit. Von dort aus wollen sie die Welt zur rechten Zeit friedlich erneuern. Der geheimnisvolle Ort wird Shangri-La genannt. Handelt es sich um eine Legende oder um echte Erinnerungen an ein untergegangenes Königreich?

Hinter schneebedeckten Bergen des Himalaya, 4.500 Meter über dem Meeresspiegel, in einer wüstenhaften Gegend in Tibet soll ein phantastischer Ort liegen: Shangri-La. Für Menschen aus westlichen Kulturkreisen ist es ein Sehnsuchtsort – nichts anderes als ein Paradies auf Erden erwarten sie dort.

Buddhisten kennen den Ort unter dem Namen Shambhala. Er steht für ein untergegangenes Königreich in Zentralasien. Dort sollen weise Mönche das spirituelle Erbe der Welt gesichert und an ihre Anhänger weitergegeben haben. Oder womöglich leben sie und ihre Nachkommen dort immer noch im Verborgenen?

Das Zentrum friedlicher Macht

Der Legende nach ist Shambhala ein tief verborgenes Paradies und das geistige Zentrum der Erde. Es wird erst wieder zugänglich, wenn die Menschheit dafür bereit ist – und einige wenige die geistige Reife besitzen, die Lehre zu verstehen und zu bewahren.

Es heißt, dass Shambhala eine Kolonie ist, in der ein geheimes Direktorium lebt, deren Mitglieder übersinnliche Kräfte haben und das Weltgeschehen heimlich mitbestimmen. Sie könnten sogar eine Art Weltregierung bilden, die im Hintergrund die Geschehnisse der Welt lenkt.

Auch Buddha, Zarathustra, Lao-Tse und Jesus sollen die Meister im Himalaya einst besucht haben. Überlieferungen zufolge wird hier die geistige Erneuerung der Menschheit vorbereitet. Noch im 21. Jahrhundert soll von dort aus das neue Ideal eines friedfertigen Menschen in die ganze Welt verbreitet werden.

Im Tibetischen Totenbuch findet man dazu folgende Worte: "Als schweigende Wachposten schauen sie mit göttlichem Mitleid von ihren Bollwerken auf die Welt bis zum Ende des dunklen Zeitalters – bis der Tag des Erwachens über alle Nationen hereinbricht." Es gibt aber auch ein westliches Buch, das den Begriff Shangri-La maßgeblich geprägt hat: "Verlorener Horizont" von James Hilton.

Menschen lieben das fiktive Shangri-La

Der Roman von 1933 fußt auf dem buddhistischen Mythos um Shambhala. Inspirieren ließ sich Hilton von Berichten eines Abenteurers, der im National Geographic über seine Reisen durch Tibet schrieb.

In der Familie häufen sich Attentate, Flugzeugabstürze und Unfälle.

Hilton war fasziniert von der Idee eines geheimen und kaum zugänglichen Klosters, in dem leidenschaftslose, friedliche Übermenschen leben und irdisches Wissen und Kultur verteidigen. Im Buch retten die dort lebenden Mönche nach einer Flugzeugnotlandung vier Amerikaner und bringen sie in ihr bisher unentdecktes Paradies: Shangri-La.

Hiltons Geschichte war ein Bestseller und prägte das westliche Bild von Tibet. Verstärkt wurde das noch durch die Romanverfilmung namens "In den Fesseln von Shangri-La" – ebenfalls ein weltweiter Publikumserfolg. Der Mythos Shangri-La zog fortan tausende Menschen in seinen Bann. Darunter auch Nazis wie Heinrich Himmler, der mehrere Expeditionen auf die Suche nach dem Paradies sandte.

Expedition zum realen Shangri-La

Vor allem begaben sich aber lange Zeit Abenteurer, Wanderer, westliche Sinnsucher, Pilger sowie Natur- und Kulturinteressierte in die weite Stille Tibets und auf die Suche nach Shangri-La. 2001 entdeckte China das wirtschaftliche Potenzial im mystischen Namen.

Die Volksrepublik recherchierte, nahm den Roman von 1933 auseinander, legte einen Landkreis in einer chinesischen Provinz als wahrhaftiges Shangri-La fest und verlieh ihm eben diesen Namen offiziell. Damit wurde zwar der Tourismus angekurbelt, aber kein ewig verschollener, magischer Ort entdeckt.

Das wollte der Globetrotter und Tibet-Spezialist Bruno Baumann übernehmen. Er suchte woanders – eine riskante Reise führte ihn 2004 in größtenteils unerforschtes Gebiet in Tibet. Am Ende stieß er auf eine archäologische Sensation: Unerforschte Ruinen des sagenumwobenen Silberpalastes vom Garudatal. Legenden zufolge soll er die prachtvolle Königsresidenz und damit das Zentrum des Shang-Shung-Reiches ab 1.500 vor Christus gewesen sein.

Um 650 nach Christus ging diese reiche Kultur im Religionskampf unter. In Vergessenheit geraten ist sie allerdings nicht. Aller Wahrscheinlichkeit nach sind die Erinnerungen an dieses verlorene Paradies die Geburt des buddhistischen Mythos Shambhala – und damit auch für das westliche Pendant Shangri-La.

Tief unter der Erde lagern hier in einem riesigen Archiv Milliarden von Daten. Doch warum betreiben die Mormonen einen so großen Aufwand?