Natürlich ist das Coronavirus keine schöne Sache. Von den zahlreichen Erkrankten und Toten einmal abgesehen, ist die Epidemie für viele Menschen wie auch für die Wirtschaft ein schwerer Schlag. Nichtsdestotrotz gibt es auch positive Aspekte von COVID-19 - insbesondere für unsere Umwelt.

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Zugebenermaßen: Es klingt ein wenig paradox, sich in einer solchen Krise auf die Umwelt zu besinnen. Doch weltweit geschehen gerade Dinge, die auch ein wenig Hoffnung machen. So zeigen Satellitenbilder der NASA, dass die Luftverschmutzung in China seit Beginn der Quarantänemaßnahmen deutlich zurückgegangen ist.

Die Daten des ESA-Satelliten Sentinel-5P belegen, dass sich die Konzentrationen von Stickstoffdioxid (NOx) - einem schädlichen Gas, das von Kraftfahrzeugen, Kraftwerken und Industrieanlagen ausgestoßen wird - in der Atmosphäre über China deutlich reduziert hat.

Coronavirus: Deutlicher Rückgang der Luftverschmutzung in China

Nach Angaben von NASA-Wissenschaftlern war die Verringerung der NOx-Verschmutzung zunächst in der Nähe von Wuhan zu erkennen, sie breitete sich jedoch schließlich im ganzen Land aus.

"Dies ist das erste Mal, dass ich für ein bestimmtes Ereignis einen so dramatischen Rückgang über ein so weites Gebiet sehe", sagte Fei Liu, ein Luftqualitätsforscher am Goddard Space Flight Center der NASA. Das letzte Mal habe es einen solchen Rückgang während der Weltwirtschaftskrise gegeben, die im Jahr 2008 begann. Die Effekte traten allerdings deutlich langsamer ein.

Auch dem Copernicus Atmosphere Monitoring Service (CAMS) zufolge gibt es 20 bis 30 Prozent weniger Feinstaub über China. Seit im Land jedoch die Zahl der Neuerkrankungen zurückgeht und China nach und nach die Beschränkungen für das öffentliche Leben aufhebt, lassen diese Effekte bereits nach. Das bedeutet, dass seit Anfang März auch wieder die NOx-Konzentrationen ansteigen.

Auch in New York und Italien sinken die Emissionen

Doch nicht nur in China sind die Emissionen spürbar zurückgegangen. Auch in anderen Ländern ist ein Rückgang der Luftverschmutzung erkennbar. So treten dort, wo die Corona-Epidemie gerade auf ihren Höhepunkt zusteuert, ebenfalls positive Effekte für die Umwelt auf.

Gegenüber der BBC sagten Wissenschaftler aus New York, dass sich das Kohlenmonoxid, das hauptsächlich aus Autos stammt, im Vergleich zum letzten Jahr um fast 50 Prozent reduziert hat. Ebenfalls stark zurückgegangen seien die Emissionen des Treibhausgases CO2.

Einen Zusammenhang zwischen Umweltverschmutzung und den Isolationsmaßnahmen durch COVID-19 lässt sich auch in Italien erkennen. Vor allem in Norditalien zeigen die Bilder des Copernicus Sentinel-5P Satelliten der ESA im Zeitraum zwischen Januar und März 2020 einen deutlichen Rückgang von Stickstoffemissionen.

Dazu Claus Zehner, ESA Mission Manager für Sentinel-5P: "Wir sehen in den von Sentinel-5P gemessenen Zeitreihen der Stickstoffdioxid-Emissionen, dass sich die Luftqualität in Norditalien aufgrund der reduzierten Verkehrsaktivität und der verringerten industriellen Aktivitäten verbessert hat."

Die Natur erobert sich ihren Lebensraum zurück

Und noch etwas Bemerkenswertes passiert dort, wo das Coronavirus das Leben zum Stillstand gebracht hat. Das einst trübe Wasser in Venedigs Kanälen ist auf einmal wieder klar, seit die vielen Touristen ausbleiben. Erstmals seit Jahrzehnten kann man an einigen Stellen sogar wieder bis auf den Grund sehen. Auch kleine Fische sind plötzlich wieder sichtbar, ebenso wie Schwäne, die in den Kanälen von Venedig schwimmen.

Laut Venedigs Stadtverwaltung liegt dies jedoch nicht an einer verbesserten Wasserqualität. "Das Wasser sieht jetzt klarer aus, weil es weniger Verkehr auf den Kanälen gibt, so dass die Sedimente auf dem Grund liegen bleiben und nicht aufgewirbelt werden", stellte ein Sprecher des Bürgermeisters gegenüber CNN klar.

Nichtsdestotrotz gibt es weitere positive Aspekte: Nachdem der Schiffverkehr stillgelegt wurde, sind in den italienischen Städten Triest und Cagliari wieder Delfine im Hafen zu sehen. Das letzte Mal wurden die Meeresbewohner hier vor 60 Jahren gesichtet.

Auch in Spanien passiert zurzeit außergewöhnliches. So wurden kürzlich in Barcelona Wildschweine im Zentrum der Stadt gesichtet. Normalerweise leben die Tiere in den Hügeln der Serra, also in eher ländlichen Gebieten.

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Verwendete Quellen:

  • Earthobservatory.nasa.gov: Airborne Nitrogen Dioxide Plummets Over China
  • BBC.com: Coronavirus: Air pollution and CO2 fall rapidly as virus spreads
  • Mdr.de: China: Weniger Luftverschmutzungen wegen Corona
  • CNN travel: Venice's canal water looks clearer as coronavirus keeps visitors away
  • N-tv.de: Delfine kehren in Italiens Häfen zurück
  • N-tv.de: Wildschweine tummeln sich in Barcelona
  • Claus Zehner, ESA Mission Manager für Sentinel-5P
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