Es hat viel geregnet im Februar und in Teilen Deutschlands nochmals im Juni. Doch die Böden waren in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg nicht so trocken wie aktuell. Gründe dafür sind steigende Temperaturen, längere Hitzeperioden und zu wenig Regen über lange Zeiträume - mit ernsten Folgen für die Wälder und Ernten.

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16,4 Grad Celsius waren es im deutschlandweiten Mittel seit 1. Juni, dem meteorologischen Sommeranfang. Das sei nur 0,1 Grad wärmer als im langjährigen Durchschnitt, sagt Uwe Kirsche vom Deutschen Wetterdienst (DWD) im Gespräch mit unserer Redaktion. "Auch wenn wir bisher nicht davon ausgehen, dass dieser Sommer im Schnitt heißer wird als die letzten Sommer, kann es bis Ende August trotzdem Hitzeperioden geben", so der Sprecher. Und in solchen heißen Phasen können die über Jahre schon ausgetrockneten Böden nicht mit ausreichend Wasser versorgt werden.

Böden in Deutschland bereits stark ausgetrocknet

Während es im Süden Deutschlands in den Alpen viel regnet, gibt es in anderen Gebirgsregionen wie zum Beispiel östlich des Oberrheingrabens und Harzes grundsätzlich weniger Niederschlag. Denn Tiefdruckgebiete, die in der Regel vom Westen her nach Deutschland strömen, werden an solchen Gebirgen aufgehalten und regnen sich dort ab. Östlich der Erhebungen fehlt es dann entsprechend an Regen.

In den vergangenen Jahren ist es aber zusätzlich wärmer geworden und es gab insgesamt weniger Niederschlag. Das Erdreich ist entsprechend ausgetrocknet. "Solche Dürre-Zustände wie jetzt haben wir mindestens seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gehabt", sagt Dr. Andreas Marx vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig (UFZ) unserer Redaktion.

Trockenheit: Dürre teilt Deutschland

2018 war in Sachen Dürre ein Extremjahr - bundesweit. Weite Teile des Landes haben sich noch nicht davon erholt. In diesem Jahr ist Deutschland zweigeteilt, vor allem der Norden leidet unter der Trockenheit.

Bäume aktuell stärker betroffen als Ackerpflanzen

Aber es sei doch so schön grün, wenn man aus dem Fenster schaue, die Pflanzen auf den Äckern sähen gut aus, würden die Leute sich denken, sagt Marx. Das sei zwar richtig, seien aber nur kurzzeitige Effekte.

"Wenn es wie im Juni zwei Wochen ordentlich geregnet hat, wirken Gräser und Pflanzen, die nur ein Jahr leben, in Ordnung", das mache es schwierig, die Öffentlichkeit für das Problem der ausgetrockneten Böden zu sensibilisieren, sagt der Klimaforscher. An den Bäumen sehe man die Schäden aufgrund der Trockenheit dagegen am ehesten.

Bäume in Wäldern, die tiefer wurzeln, seien noch stärker betroffen als Ackerpflanzen. Denn kurze Regenperioden versorgten nur die oberen Bodenschichten mit Feuchtigkeit, sagt der Forscher vom UFZ. Die Schäden in Waldgebieten sind entsprechend massiv.

So war laut Marx 2019 nur jeder fünfte Baum in Deutschland noch komplett unversehrt. Das bedeutet 80 Prozent aller Bäume in Deutschland waren vergangenes Jahr dagegen schon nicht mehr gesund.

Sind die Waldböden erst einmal ausgetrocknet, nehmen sie Regenwasser noch schlechter auf, als wenn sie durchfeuchtet sind. Regenwasser fließt häufiger einfach ab, ohne bis an das Wurzelwerk zu sickern.

Ausgetrocknete Bäume sind anfälliger für Schädlinge

Und Bäume, die nicht ausreichend Wasser bekommen, sind anfälliger für Schädlinge. Diese beginnen sich immer früher im Jahr zu vermehren, weil die Winter zunehmend milder werden.

Bäume werden durch die rasant steigende Zahl von Schädlingen wie zum Beispiel dem Borkenkäfer geschädigt oder sterben häufiger ganz ab. Der Lebensraum von Tieren verkleinert sich und auch für uns Menschen hat das Konsequenzen: Wälder speichern weniger CO2 und produzieren weniger Sauerstoff.

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Insbesondere seit Februar 2018 ist es durchgängig wärmer als im Vergleich zu den Jahren seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881. Und auch die Hitzeperioden werden länger.

"Wir bräuchten über Wochen überdurchschnittlich viel Regen"

Deshalb trocknen die Böden immer weiter aus, auch Bodenschichten bis in 25 Zentimeter Tiefe seien laut Klimaforscher Marx betroffen. Dadurch könne es bei den sogenannten Getreiden wie Winterweizen, -gerste oder -roggen zu Ernteausfällen kommen.

"Wir bräuchten über Wochen und in den trockensten Gebieten über Monate überdurchschnittlich viel Regen", sagt Marx, damit sich Böden auch bis in tiefere Schichten wieder durchfeuchten könnten. Auf eine genaue Niederschlagsmenge möchte sich Marx nicht festlegen. Zu unterschiedlich seien die Bodenbeschaffenheiten und klimatischen Bedingungen in ganz Deutschland.

Der DWD erwartet für die kommenden Sommermonate durchschnittliche Niederschlagsmengen. Folglich müssen wir uns darauf einstellen, dass wir auch dieses Jahr wie schon 2018 und 2019 einen Dürresommer erleben.

Quellen:

  • Uwe Kirsche, Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher beim Deutschen Wetterdienst
  • Dr. Andreas Marx, Wissenschaftlicher Koordinator Anpassung der Helmholtz Klimainitiative, Leiter Mitteldeutsches Klimabüro am UFZ