Jedes Jahr stellen wir im Frühjahr und im Herbst die Uhren um. Immer noch, obwohl die Zeitumstellung umstritten ist und die EU sie bereits vor Jahren abschaffen wollte. Wie ist der aktuelle Stand?

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In der Nacht von 25. auf den 26. März 2023 werden wieder die Uhren umgestellt und zwar von 2.00 Uhr auf 3.00 Uhr, also eine Stunde vor. Während der Sommerzeit muss man morgens früher aufstehen, abends ist es dafür länger hell. Im Herbst werden die Uhren dann wieder zurück gestellt, von 3.00 Uhr auf 2.00 Uhr. Das entspricht der Normalzeit. Die Nacht ist dann länger, morgens wird es aber früher hell.

Eingeführt wurde die Zeitumstellung, also das Vorstellen der Uhrzeit im Frühjahr, in Deutschland im Jahr 1980. In der EU einheitlich geregelt wurde sie erst Mitte der 90er-Jahre. Hintergundgedanke war damals, das Tageslicht länger nutzen zu können und durch die längere Helligkeit in den Sommermonaten Energie zu sparen. Da man im Frühjahr und Herbst dann aber gleichzeitig morgens früher heizt, ging der Energieverbrauch nicht merklich zurück und der Sinn der Zeitumstellung wird deshalb seit Jahren in Frage gestellt.

Zeitumstellung seit Jahren umstritten

Da der Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit häufig als gesundheitlich belastend empfunden wird, wünschen sich viele Menschen, dass die Zeitumstellung abgeschafft wird. 2018 wurde deshalb innerhalb der EU eine Online-Befragung durchgeführt, um genauer herauszufinden, wie die EU-Bevölkerung tatsächlich zu einer Abschaffung der Zeitumstellung steht.

Etwa 80 Prozent der 4,6 Millionen Teilnehmenden stimmten damals für die Abschaffung der Zeitumstellung, etwa drei Millionen davon kamen aus Deutschland. Die Umfrage zeigt damit auch, dass das Thema vor allem der deutschen Bevölkerung wichtig ist. Die EU-Mitgliedsstaaten tagten daraufhin mehrmals zu Fragen der Zeitumstellung, beschlossen sogar eine Abschaffung der Zeitumstellung, konnten sich aber nicht in allen Punkten auf eine Lösung einigen.

Warum wurde die Abschaffung der Zeitumstellung verschoben?

Auch wenn die Abschaffung der Zeitumstellung 2018 vom EU-Parlament beschlossen wurde, brachten die Verhandlungen der EU-Mitgliedstaaten kein abschließendes Ergebnis. Vor allem eine Frage sorgte für Unstimmigkeiten, auch heute ist sie immer wieder Anlass für Diskussionen: Welche Zeit soll nach der Abschaffung der Zeitumstellung dauerhaft gelten, die sognannte Sommer- oder Normalzeit?

Die einen befürworten die dauerhafte Sommerzeit, andere wiederum plädieren für die dauerhafte sogenannte Winterzeit. Je nach geographischer Lage der Länder innerhalb der EU haben jeweils die Sommer- oder die Normal- beziehungsweise Winterzeit nämlich unterschiedliche Vor- und Nachteile. Auch gesellschaftliche und gesundheitliche Aspekte spielen eine Rolle.

Unbedingt vermieden werden sollen verschiedene Zeitinseln innerhalb der EU. Das würde nämlich zu Problemen für Grenzpendler, für den Binnenmarkt und für den Bahn-, Zug- und Flugverkehr innerhalb der EU führen.

Eine gemeinsame Position zu finden ist also nicht so einfach. Zudem sind unvorhergesehene wichtige Ereignisse der letzten Jahre, wie die Corona-Pandemie und der Ukraine-Krieg, auf den Tagesordnungen an erste Stelle gerückt und die Abstimmungen zur Festlegung einer dauerhaften Zeit in der EU in den Hintergrund geraten und wurden seitdem auch nicht weiter verhandelt.

Diese Auswirkungen hat die Zeitumstellung auf die Gesundheit

Kritiker der Zeitumstellung stört vor allem, dass sie den Biorhythmus des Menschen durcheinander bringt. Der menschliche Körper funktioniert nämlich nach einer inneren Uhr, er passt danach seinen Schlaf-Wach-Rhythmus an. Bei Sonnen- und Tageslicht schüttet der Körper Cortisol aus, das uns wach werden lässt; wird es dunkel, produziert er das Hormon Melatonin und wir werden müde.

Die Zeitumstellung stellt diesen Ablauf auf den Kopf und kann den Organismus belasten. Vor allem nach der Umstellung im Frühjahr, bei der dem Körper eine Stunde genommen wird, leiden viele Menschen unter Müdigkeit, Schlafstörungen und Konzentrationsproblemen. Diese können einige Tage bis Wochen anhalten und sogar zu depressiven Verstimmungen führen. Auch die Zahl der Verkehrsunfälle steigt nach der Zeitumstellung im Frühjahr messbar an.

Da Kinder und Jugendliche ihre innere Uhr schlechter abrupt umstellen können als Erwachsene, haben sie vermehrt mit gesundheitlichen Problemen nach der Zeitumstellung zu kämpfen.

Dauerhafte Sommer- oder Normalzeit – was ist besser?

Die Meinungen dazu, ob eine dauerhafte Sommer- oder eine dauerhafte Normalzeit eingeführt werden soll, gehen auseinander, auch in Deutschland. Die Bundesregierung tendiert zu einer dauerhaften Sommerzeit, da viele Menschen die längere Helligkeit im Sommer schätzen und für Aktivitäten nutzen.

Für die sogenannte Winterzeit sprechen sich viele Ärztinnen und Ärzte, sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus. Sie hat zwar eine frühere Dunkelheit im Winter zur Folge, entspricht aber der Normalzeit und der inneren Uhr des Menschen. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin rät deshalb, die Normalzeit dauerhaft beizubehalten, sie bestimmt vorwiegend den Schlaf-Wach-Rhythmus.

Bei Normalzeit bekommt der Körper an mehr Tagen im Jahr morgens Sonnenlicht ab und wird leichter wach. Würde man die Zeit dagegen dauerhaft eine Stunde vor, also auf Sommerzeit stellen, kann dadurch verursachter Schlafmangel zu gesundheitlichen und gesellschaftlichen Problemen wie Konzentrationsschwierigkeiten, Leistungseinbußen und mehr Unfällen führen, sagen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Schülerinnen und Schüler würden unter dem frühen Aufstehen besonders leiden und müssten sehr wahrscheinlich Leistungseinbußen und gesundheitliche Einschränkungen in Kauf nehmen. Der Lehrerverband spricht sich deshalb ebenfalls für eine dauerhafte Normalzeit aus.

Bei dauerhafter Sommerzeit wäre es abends länger hell, aber morgens, je nach EU-Land bis in den Vormittag hinein dunkel, was wiederum mehr Unfälle im morgendlichen Berufsverkehr und depressive Verstimmungen vieler Menschen zur Folge haben könnte.

Wie geht es weiter mit der Zeitumstellung?

Um die jeweiligen Auswirkungen früherer Dunkelheit am Abend oder eines späten Sonnenaufgangs am Morgen für die Bevölkerungen der einzelnen Ländern besser beurteilen zu können und eine für alle Länder angemessene Entscheidung treffen zu können, sollte eine europaweite Folgenabschätzung durchgeführt werden. Doch auch diese Idee wurde verworfen und es kam zu keinen weiteren Verhandlungen. Das Thema Zeitumstellung steht aktuell nicht mehr auf der Tagesordnung der EU und wird sich vermutlich noch einige Jahre hinziehen.

Verwendete Quellen:

  • br.de: Zeitumstellung 2023: Wann beginnt die Sommerzeit?
  • Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) zur Beibehaltung / Abschaffung der Sommerzeit
  • AOK: Was die Zeitumstellung für die Gesundheit bedeutet
  • mdr.de: Zeitumstellung: Daran scheitert die Abschaffung in der EU
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