Der Flüchtlingsstrom in Deutschland reißt nicht ab. Die Politik, Kommunen, freiwillige Helfer und Polizei sehen sich zunehmend überfordert. Um das Thema "Wo liegen unsere Grenzen" drehte sich dann auch der sonntägliche Talk bei Günther Jauch. Einer der Gäste, Herbert Grönemeyer, fiel durch einen bizarren Auftritt auf. Im Nachhinein gibt es dafür reichlich Kritik.

Flüchtlingsdebatte: Musiker wirft CSU "verbale Brandstiftung" vor.

Herbert Grönemeyer war am Sonntag zur Talkrunde von Günther Jauch "Flüchtlingsrepublik Deutschland – Wo liegen unsere Grenzen" eingeladen. Dabei fiel der Sänger vor allem durch seine Gereiztheit und eine heiß diskutierte Forderung auf. Horst Seehofer warf er zudem "verbale Brandstiftung" vor. Der CSU-Chef fische im rechten Lager. Dann brachte Grönemeyer einen Vorschlag in die Runde: Reiche sollen stärker besteuert werden, um die Integration zu finanzieren. "Man kann sich auch überlegen, ob man nicht den Besserverdienern in Deutschland etwas ans Geld geht", sagte der 59-Jährige. Zeitlich begrenzt sollte diese Steuer sein. Otto-Normalverdiener würden sich dann mit den Flüchtlingskosten nicht allein gelassen fühlen.

Während Grönemeyer in der Sendung noch leisen Beifall für seinen Vorstoß erntete, steht der Sänger am Tag danach in der Presse und den Sozialen Netzwerken in der Kritik. "Typische Unart von Prominenten, in populistischen, niveaulosen Pfützen zu fischen und sich schnellen und leichten Beifall abzuholen", urteilt "Der Tagesspiegel".

Grönemeyer in der Rolle des "bad guy"

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (F.A.Z.) bescheinigt Grönemeyer die Rolle des "bad guy" überzeugend an sich gerissen zu haben. "Schlecht gelaunt und aggressiv, um keine Parole verlegen, zeigt er anschaulich, wie man die Debatte über ein wahrlich nicht unbedeutendes Thema in hochfahrendem Habitus versaubeuteln kann. Das macht ihm so schnell keiner nach." Die "F.A.Z. bilanziert schließlich: "Gibt es noch ein paar mehr solcher Auftritte Marke Grönemeyer in deutschen Talkshows voller abgehobener Verachtung für alle, die an Angela Merkels 'Wir schaffen das' die Frage anschließen 'Wie schaffen wir das?', dürfte die Fünf-Prozent-Hürde für die AfD bei den kommenden Wahlen kein Problem sein."

Dass Grönemeyer in der Vergangenheit des Öfteren den Ruf nach einer stärkeren Besteuerung von Reichen bedient hat und selbst im Ausland lebt, stößt in der Presse und den sozialen Medien bitter auf. Die "Welt" meint, Grönemeyers Forderung scheint beliebig. "Dass Grönemeyer in all den Jahren dieser politischen Forderungen in London lebte, macht die offenbar beliebige Forderung nach einer Steuererhöhung in Deutschland nicht glaubwürdiger." "Aber", schließt die "Welt" mit einer rhetorischen Frage, "interessiert Glaubwürdigkeit?".

"Der Tagesspiegel" schreibt dazu: "Es wäre interessant zu erfahren, ob Grönemeyer mehr in England oder Deutschland lebt und wo er dementsprechend überhaupt besteuert wird."

Auf Twitter ist Grönemeyer ebenso in der Kritik. "Wasser predigen und Wein saufen", kommentiert Julian R Willers. Die Chefredakteurin der "Bild am Sonntag", Marion Horn, twittert: "Will Groenemeyer so viel Aufmerksamkeit wie Schweiger? Geht nach hinten los." User Tobias Weisserth meint: "Grönemeyer. Wahlheimat London. Fordert flüchtlingspolitische Sondersteuer für Reiche in Deutschland. Einfach klassisch." Als "falschen Fuffziger" bezeichnet Iron Puma den 59-Jährigen.