Die "Doomsday Clock" stellt jedes Jahr fest, wie dicht wir an dem Weltuntergang stehen. Hinter der unheimlichen Uhr stecken keine Spinner, sondern renommierte Nuklearforscher und Nobelpreisträger. Aktuell ist es drei Minuten vor zwölf.

Die "Doomsday Clock" ist eine Uhr, die symbolisch anzeigt, wie weit die Menschheit noch vom Weltuntergang entfernt ist. Daher kommt auch ihr Name: Doomsday bedeutet übersetzt Weltuntergang, oder auch der Tag des Jüngsten Gerichts.

Hinter der Uhr stecken nicht etwa verrückte Sektenmitglieder, sondern die Elite internationaler Nuklearwissenschaftler.

Einmal im Jahr, jeweils im Januar, geben die Wissenschaftler die aktuelle Uhrzeit bekannt – immer in Abhängigkeit der aktuellen Weltlage. Die Idee der Uhr spielt auf die Metapher "Es ist fünf vor zwölf" an.

Weltuntergangsuhr warnt Menschheit

Die "Doomsday Clock" begann 1947 zu ticken. Erfunden wurde sie an der Universität Chicago von Forschern, die am Manhattan Project beteiligt gewesen waren und folglich die Atombombe für die USA im Zweiten Weltkrieg mitentwickelt hatten.

Nach dem Krieg und den verheerenden Atombombenabwürfen von Hiroshima und Nagasaki wollten sie die Supermächte und die Menschheit vor den Gefahren der nuklearen Aufrüstung warnen. Die USA waren nicht mehr länger die einzige Nuklearmacht, die Sowjetunion hatte aufgerüstet und ebenfalls Atomwaffen zur Verfügung.

Die "Doomsday Clock" war auch auf dem Titelbild der ersten Ausgabe des Fachmagazins "Bulletin of the Atomic Scientists" zu sehen. Dieses Heft geben die Atomwissenschaftler heraus, es erscheint alle zwei Monate. Ein Thema darin ist die Gefahr von Atomwaffen.

An der Bestimmung der korrekten Uhrzeit sind aber neben dem Aufsichtsrat des Bulletins weitere renommierte Experten beteiligt - insgesamt 17 Nobelpreisträger.

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Seit 1947 rücken die Zeiger der Uhr mal vor, mal zurück. Obwohl sie eigentlich "nur" die Gefahr durch Atomwaffen symbolisch darstellen sollen, fließt seit 2007 zusätzlich der fortschreitende Klimawandel als Bedrohung mit in die Berechnung ein.

Auch Cyberkriege und Bioattacken werden berücksichtigt. Welche eindeutigen Kriterien die Wissenschaftler ansetzen, bleibt allerdings offen.

Manche Kritiker haben den Atomwissenschaftlern mangelnde Genauigkeit vorgeworfen. Sie finden, dass man gerade die Gefahr eines Nuklearkriegs nicht mit Wahrscheinlichkeiten ausdrücken könne.

Aber die Uhr soll ohnehin nicht statistische Erwartungen darstellen, sondern will ein Symbol und ein Mahnmal für globale Bedrohungen sein.

1947 startete die Weltuntergangsuhr bei sieben Minuten vor Zwölf. Die Zeiger wurden seitdem 21-mal vor- und zurückgedreht, sie pendeln zwischen 11:43 Uhr und 11:58 Uhr.

2016 ist es, wie schon 2015, drei Minuten vor Zwölf. Das war nur dreimal seit 1947 der Fall: 1949, als die Sowjets ihren ersten Test mit Kernwaffen machten und 1984 während des Wettrüstens im Kalten Krieg.

Fortschritte und Rückschritte

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Nach Meinung der Wissenschaftler ist die Menschheit aktuell also nicht weit von der Apokalypse entfernt – ähnlich wie in den 1980er-Jahren, mitten im Kalten Krieg.

Die Begründung des Komitee für die Einschätzung: Die internationale Gemeinschaft habe 2015 zwar Fortschritte gemacht, aber auch Rückschritte. Die Wissenschaftler nannten als Beispiel die dauernden Spannungen zwischen den USA und Russland.

Dies sei eine Eiszeit ähnlich der des Kalten Krieges. Positiv fanden die Forscher das Atomabkommen mit dem Iran und die Ergebnisse der Klimakonferenz von Paris. Sie fordern in ihren Bulletins immer wieder die Politik auf, verantwortlich zu handeln.

Zwei Minuten vor Zwölf war es von 1953 bis 1960

Am nächsten dran am Weltuntergang war die Menschheit laut "Doomsday Clock" in den Jahren zwischen 1953 und 1960. Damals war es zwei Minuten vor zwölf.

Die Amerikaner wollten eine Wasserstoffbombe bauen, die noch viel zerstörerischer ist als eine Atombombe. Im Oktober 1952 hatten sie bei einem Test eine ganze Pazifikinsel weggefegt.

Die Sowjets reagierten mit dem Test einer eigenen Wasserstoffbombe. In den folgenden Jahren schritt die weltweite Aufrüstung mit Kernwaffen schnell voran.

Eine bedrohliche Lage, und dennoch war die Gefahr eines Atomkrieges während der Kubakrise im Oktober 1962 noch viel höher. Die Sowjets hatten Mittelstreckenraketen auf Kuba stationiert, als Reaktion auf eine Stationierung amerikanischer Raketen in der Türkei.

Die USA fühlten sich bedrängt und drohten mit dem Einsatz von Atomwaffen. Doch im Janaur 1963 stand die "Doomsday Clock" auf 23:48, vergleichsweise weit entfernt von der vollen Stunde.

Der Grund: Die Kubakrise war nach 13 Tagen ausgestanden und glimpflich verlaufen.

Die entspannteste Zeit seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs war laut Weltuntergangsuhr die Periode nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion: Von 1991 bis 1995 standen die Zeiger auf 17 vor zwölf.

Die "Doomsday Clock" wurde übrigens oft besungen und beschrieben: Stephen King erwähnte sie in einer Kurzgeschichte und einem Roman, angespielt wurde auf die Uhr in Songs von Iron Maiden ("2 Minutes to midnight"), Depeche Mode ("Two minute warning"), Smashing Pumpkins ("Doomsday Clock") oder Udo Jürgens ("Fünf vor Zwölf").

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