Immer mehr Menschen fallen auf Falschnachrichten herein. Dabei gibt es ein paar einfache Tricks, mit denen man Fake News auf die Schliche kommen kann. Eine Expertin klärt auf.

Flüchtlinge dürfen in deutschen Supermärkten auf Staatskosten klauen, US-Präsident Obama wurde gar nicht in den USA geboren, die Grünen-Politikerin Renate Künast sagt, einem jungen Flüchtling müsse geholfen werden, obwohl er getötet habe. Diese Nachrichten sind frei erfunden. Trotzdem wurden sie nach ihrer Veröffentlichung von unzähligen Internetnutzern geteilt und geglaubt. Tausendfach.

Das Phänomen der sogenannten Fake News nimmt zu. In der Hochphase des US-Wahlkampfs wurden mehr Menschen durch Fake News über Facebook erreicht als durch echte Nachrichten. Wie beeinflussen solche Meldungen die öffentliche Meinung? Wie können wir uns dagegen schützen? Und wie ist ein sauber recherchierter Artikel konkret von fragwürdigen Inhalten zu unterscheiden?

Expertin: Die Quellen überprüfen

Die politische Lüge ist so alt wie die Politik selbst. Schon in Dramen von Shakespeare oder Schiller traten Mächtige auf, die sich um die Fakten nicht scherten. "Ich traue keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe." Ein Zitat, das lange dem früheren Britischen Premierminister Winston Churchill zugeschrieben wurde. Vermutlich wurde es ihm von der Propagandaabteilung der Nazis untergejubelt.

In den letzten Monaten hat sich der Begriff Fake News für Falschmeldungen im Internet etabliert. Fake News werden von Privatleuten, Bloggern, Journalisten, Agenturen, Parteien und selbst von Politikern wie dem kommenden US-Präsidenten Donald Trump erstellt und verbreitet.

Aber mit ein paar einfachen Hinweisen ist es oft gar nicht so schwer, Falschmeldungen auf die Schliche zu kommen, sagt die Medienforscherin Nele Heise von der Universität Hamburg. "Zunächst sollte man sich die Quelle genau anschauen – ist sie vertrauenswürdig und seriös? Kann ich erkennen, wo die Information überhaupt her kommt? Wer teilt den Inhalt und ist er vielleicht Teil von Stimmungsmache?", erläutert Heise im Gespräch mit unserer Redaktion.

Bei Zweifeln könne es manchmal schon helfen, in den Kommentaren unter einem Beitrag nachzuschauen, ob es Hinweise auf eine Fälschung gibt. So sei immerhin ein Teil der Fake News leicht zu entlarven.

"Bevor Nachrichten voreilig geteilt werden, sollten die Nutzer in jedem Fall auf den Link klicken und den Text genau durchlesen. Manchmal lesen die Leute leider nur die Überschrift oder nehmen eine Satireseite wie `Der Postillon` als seriöse Nachrichtenquelle wahr", bemängelt die Medienforscherin. Auch mit der sogenannten umgekehrten Bilder- und Videosuche oder dem Checken der Wetterbedingungen können Falschmeldungen enttarnt werden.

Mangelnde Medienkompetenz

Allerdings setzt der kritische Umgang mit Fake News eine entsprechende Medienkompetenz voraus. Eine aktuelle Studie aus den USA kam zu einem besorgniserregenden Ergebnis. 80 Prozent der 12- und 13-Jährigen kann nicht zwischen Nachrichten und Werbung im Internet unterscheiden. Eine weitere Untersuchung, die 2017 erscheint, zeigt ähnliche Ergebnisse für Akademiker mit Doktortitel.

Die Schwierigkeit im Umgang mit den Fake News ist, dass sie praktisch überall zu finden sind: Auf Blogs, Facebook, Youtube, Twitter, Suchmaschinen. "Die Kanäle zur Veröffentlichung von Inhalten waren früher begrenzt. Heute ist es sehr leicht geworden, Falschinformationen zu erstellen und massenhaft zu verbreiten", erklärt Medienforscherin Heise. "Das ist ein Problem." Ihr Einfluss auf die öffentliche Meinung scheint zuzunehmen.

Auch Sam Wineburg von der Universität Stanford warnt im Gespräch mit "Zeit Online" vor der Entwicklung. "Die Pressefreiheit wurde auf den kleinen Mann ausgedehnt. Zu jeder politischen Angelegenheit entstehen Websites, die vorgeben, unabhängig zu sein, aber eigentlich Interessen vertreten. Das ist gefährlich", sagt der Erziehungswissenschaftler.

Propaganda durch USA und Russland

Allerdings muss der Unterschied zwischen jenen Fake News, über die sich nun viele Menschen empören, und den herkömmlichen Nachrichten der klassischen Medien oder Nachrichtenagenturen gar nicht so groß sein. Die Behauptung der Bush-Regierung, es gebe Massenvernichtungswaffen im Irak - die offizielle Begründung des Krieges der USA gegen Saddam Hussein im Jahr 2003 - wurde auch hierzulande von fast allen Zeitungen abgeschrieben. Später stellten sich die angeblichen Fakten als Lüge heraus. Die New York Times druckte eine öffentliche Entschuldigung für ihre fehlerhafte Berichterstattung ab.

Tom Curley, Chef der amerikanischen Nachrichtenagentur AP, kritisierte 2009 in einem Vortrag vor Journalisten den Druck des US-Verteidigungsministeriums auf seine Berichterstatter im Irak oder Afghanistan. Das US-Militär beschäftigte damals laut AP eine Propagandaabteilung mit über 27.000 Personen zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung - durch PR, Werbung und Rekrutierung. Bekanntlich setzt auch Russland Falschinformationen gezielt ein, um die Öffentlichkeit zu manipulieren, z.B. über die Auslandskanäle des Staatssenders "Russia Today".
"Die Menschen sollten immer kritisch mit den Quellen umgehen – und wenn man Zweifel an der Echtheit hat, sollte man eine Meldung besser nicht weiterverbreiten", empfiehlt Medienforscherin Nele Heise. Nur: Eine hundertprozentige Sicherheit, um gegen Fake News gefeit zu sein, gibt es nicht. Egal durch welche Kanäle und von welcher Seite aus sie verbreitet werden.