In den vergangenen Tagen hat das Wetter in Deutschland verrückt gespielt. Erst führten starke Unwetter zu Überschwemmungen im Süden und Südwesten, dann fegte ein Tornado über Hamburg. Müssen wir uns in Deutschland an extreme Wetterphänomene gewöhnen?

Starkregen, Überschwemmungen, Windhosen: Deutschland wird seit rund zwei Wochen von extremen Wetterphänomenen beherrscht. Derzeit löst sich Tief Friederike wieder auf, zuvor hatte Tief Elvira die Republik im Griff. Mehr als zehn Tote sind zu beklagen, die Schäden gehen in die Milliarden.

Vor allem Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg und Nordrhein-Westfahlen waren betroffen. "Eine so lang anhaltende Unwetterserie habe ich noch nicht erlebt", erklärt Denis Möller vom Portal wetteronline.de im Gespräch mit unserer Redaktion. "Das hat es in dieser Form seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben", ergänzt der Diplom-Geograph und Meteorologe.

Wird Deutschland auch künftig mehr und mehr von extremem Wetter heimgesucht? Werden Tornados wie in Hamburg an der Tagesordnung sein? Oder sind es doch nur temporäre Erscheinungen?


Potenzial für Starkregen und Gewitter steigt

Sicher ist: Durch den Klimawandel stieg die Jahresdurchschnittstemperatur in den vergangenen 100 Jahren um rund ein Grad - und der Trend wird sich weiter fortsetzen. Die Zahl der heißen Tage pro Jahr mit mindestens 30 Grad Celsius wird zunehmen, Perioden mit Starkregen und längeren Trockenphasen könnten Prognosen zufolge ebenfalls häufiger vorkommen.

Aktuelle Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD)

Die Winter werden nasser, die Sommer trockener. "Durch ein wärmeres Klima steigt einerseits das Potenzial für Starkregen und Gewitter", erklärt Klimaexperte Möller. Es könne aber auch zu mehr Dürren kommen.


Ob extreme Wetterphänomene, unter denen Teile des Landes derzeit leiden, aber tatsächlich häufiger vorkommen, sei "schwer vorherzusagen", betont Möller. So waren seit 2003 in Deutschland jeweils 40 bis 60 Tornados pro Jahr beobachtet worden.

"Aber niemand weiß, wie viele es vor 50 oder 100 Jahren waren." Vor 2003 wurden so gut wie keine Tornados oder Windhosen durch Privatpersonen aufgenommen.

Durch die Verbreitung digitaler Aufnahmegeräte und Photohandys hat die Dokumentation solcher Stürme - auch in den Medien - enorm zugenommen. Seriöse Rückschlüsse über einen allgemeinen Trend zu extremen Wetterphänomenen seien daher "nicht möglich", so Möller.

Großwetterlagen halten länger an

Die Ursache für die aktuelle, äußerst lange Unwetterserie in Deutschland war eine extrem festgefahrene Großwetterlage. "Die gleiche Gewitterluft drehte sich zwei Wochen lang über Mitteleuropa im Kreis", erklärt Meteorologe Möller und betont: "Der Trend geht eher zu solchen länger andauernden Großwetterlagen."

Ein Grund ist die Verschiebung der Hauptwindsysteme und Klimazonen in Richtung der Pole.

So geht der Deutsche Wetterdienst (DWD) davon aus, dass die mit viel Niederschlag verbundenen zentralen Tiefs über Mitteleuropa immer häufiger auftreten werden. Von 1951 bis 2011 hat diese Wetterlage bereits um 20 Prozent pro Jahr zugenommen. Tendenz steigend.

Für Denis Möller geht daraus aber keine allgemeine Vorhersage für die Zukunft hervor. Es sei durchaus möglich, dass sich diese Entwicklung wieder umkehre. Das Klima sei sehr komplex und von vielen unvorhersehbaren Faktoren abhängig.

"Das Klima verändert sich zwar derzeit", erklärt der Meteorologe, "aber ein Trend zu extremen Wetterphänomenen lässt sich daraus noch nicht ableiten."

Den Menschen, die in Bayern oder Hamburg unter den katastrophalen Folgen der Unwetter leiden, wird diese Feststellung kein Trost sein.