Der Widerstand gegen die Wahl von Donald Trump zum 45. US-Präsidenten reißt nicht ab. Nun hat sich eine kleine Gruppe von Wahlmännern und Wahlfrauen aus dem sogenannten "Electoral College" formiert, um den Einzug des 70-Jährigen ins Weiße Haus noch zu verhindern.

"Yes, we can!", sagt sinngemäß eine kleine Gruppe von Wahlmännern und Wahlfrauen aus dem sogenannten Electoral College, die sich als "Hamilton Electors" bezeichnet. Für sie ist der republikanische Kandidat trotz seines Sieges gegen Hillary Clinton charakterlich nicht geeignet, der 45. US-Präsident zu werden.

Was sind die Ziele der Hamilton Electors? Was treibt sie an? Und mit welcher Begründung wagen sie den Widerstand gegen Trump?

Kompliziertes Wahlsystem

Um das Vorgehen der Hamilton Electors zu verstehen, hilft ein kurzer Blick auf das Wahlsystem in den USA. Der Präsident wird nicht direkt vom Volk gewählt, sondern durch Wahlleute im Electoral College.

Jeder Bundesstaat entsendet - je nach seiner Bevölkerungszahl - eine bestimmt Anzahl von Wahlleuten in das Gremium. Im großen Kalifornien sind es 55, in kleineren Staaten wie Rhode Island nur vier.

Gewinnt ein Kandidat die Mehrheit der Stimmen in einem Bundesstaat, so sollten nach dem "The winner takes it all"-Prinzip alle Wahlmänner aus diesem Staat im Electoral College für ihn stimmen.

Insgesamt 538 Wahlleute entscheiden über das nächste Staatsoberhaupt. Präsident wird, wer die Mehrheit von 270 Stimmen bekommt. Bisher war es üblich, dass sich die Wahlmänner streng an das Wahlergebnis ihres Staates gehalten haben. In einigen Bundesstaaten werden sogar Geldbußen für Abweichler erhoben.

In der US-Geschichte gab es nur eine Handvoll Ausnahmen: 1912 kam es das letzte Mal vor, dass sich mehr als ein Wahlmann nicht an das Votum seines Staates hielt. Der Grund war der Tod des Vize-Präsidentschaftskandidaten James S. Sherman.

"Ein Lügner und Betrüger"

2016 könnte die Zahl der Abweichler einen neuen Höchststand erreichen. Schon sieben Wahlleute haben abgekündigt, am 19. Dezember gegen das Votum ihres Bundesstaates zu stimmen - aus Protest gegen Donald Trump.

Art Sisneros (40) aus dem konservativen Bundesstaat Texas erklärte seinen Rücktritt aus dem Electoral College, weil er Trump aus religiösen Gründen für ungeeignet hält.

"Er ist niemand, der gerecht oder weise regieren würde. Seine Bilanz zeigt, dass er ein Mann der Begierde und der Selbstbedienung ist. Ein Lügner und Betrüger sollte nicht dieses Amt übernehmen", sagte Sisneros der englischen Tageszeitung "Guardian".

Andere Rebellen wollen bei der Abstimmung für einen gemäßigten republikanischen Kandidaten stimmen, etwa Mitt Romney oder John Kasich.

Rebellen beziehen sich auf Gründerväter

Ihr Selbstverständnis beziehen die Hamilton Electors aus den "Federalist Papers", Erklärtexten zur US-Verfassung aus den Jahren 1787 und 1788.

Alexander Hamilton, einer der Gründerväter der USA, schrieb in einem der Schriftstücke, dass das "Electoral College eine moralische Stärke erfordert, dass das Amt des Präsidenten niemals in die Hände eines Mannes fällt, der dafür nicht die erforderlichen Qualifikationen besitzt".
Die Hamilton Electors glauben, es sei ihre moralische Pflicht, einen Kandidaten wie Donald Trump als Gefahr für die Nation vom Weißen Haus fernzuhalten.

"Ich hoffe, dass mein Willen, mein Land vor meine Partei zu stellen, zeigen wird, dass meine Generation sich um alle Amerikaner sorgt", sagte die 19-Jährige Levi Guerra aus dem Bundesstaat Washington State dem "Guardian".

Sie will auf dem Wahlzettel einen moderaten Republikaner eintragen, obwohl ihr Staat mehrheitlich für Clinton votiert hat. Der Grund: Damit sollen andere Republikaner aus dem Electoral College motiviert werden, ebenfalls Trump die Stimme zu verweigern.

Die Chancen dafür stehen aber eher schlecht. Die aus Demokraten bestehende Gruppe ist einfach zu klein. Für die Schätzung einer der "Verschwörrer", wonach es 50 bis 100 potenzielle Rebellen geben soll, gibt es keine Belege.

Der Texaner Art Sisneros ist bisher der einzige Republikaner, der sich offen gegen Trump ausgesprochen hat. Der Milliardär hat nach dem vorläufigen Endergebnis - in drei Staaten wird nachgezählt - 306 Wahlleute auf seiner Seite, Hillary Clinton nur 232.

Es deutet also vieles darauf hin, dass Trump im Januar tatsächlich als 45. Präsident vereidigt wird.