Griechenland hält an Reparationszahlungen von Deutschland fest. Laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung haben sich die Forderungen sogar noch erhöht. Indes zeigt Gregor Gysi Verständnis für das Anliegen der Griechen und bietet eine eigene Lösung an. Das dürfte den Griechenland-Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nicht einfacher machen.

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Vor dem Staatsbesuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Griechenland sorgt ein Bericht der "Bild-Zeitung" für Wirbel. Laut einer bislang unter Verschluss gehaltenen Studie einer Kommission des griechischen Parlaments, die der Zeitung vorliegt, werden die Ansprüche des Landes insgesamt mit bis zu 376 Milliarden Euro beziffert. Bislang wurden die Forderungen zwischen 269 und 332 Milliarden Euro veranschlagt.

Kein einfacher Staatsbesuch in Griechenland für Steinmeier

Die neuerlich Erhöhung dürfte den Staatsbesuch von Frank-Walter Steinmeier in Grichenland nicht vereinfachen. Der Bundespräsident wird am Mittwoch gegen 17:00 Uhr seine Reise antreten.

Steinmeier beginnt sein Programm dann am Donnerstagmorgen mit dem Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Chaidari nahe Athen, wo während der deutschen Besatzung viele tausend griechische Juden, Kommunisten und andere Oppositionelle festgehalten wurden. Für viele war Chaidari ein Durchgangslager auf dem Weg nach Auschwitz oder in andere Vernichtungsorte.

Es wird damit gerechnet, dass die umstrittene Forderung nach Reparationszahlungen für die Zeit der Besatzung erneut vorgebracht wird. Das Thema belastet die deutsch-griechischen Beziehungen seit Jahrzehnten.

Deutschland hält Angelegenheit für erledigt

Die Bundesregierung hält das Thema durch ein Abkommen von 1960 für rechtlich erledigt. Bewegung wird nicht erwartet, für die griechische Seite haben die Forderungen auch eine innenpolitische Bedeutung - 2019 wird das Parlament neu gewählt.

Auch die Rückzahlung einer Zwangsanleihe von umgerechnet etwa zehn Milliarden Euro wird immer wieder gefordert. Während des Zweiten Weltkrieges und der deutschen Besatzung starben nach griechischen offiziellen Angaben rund 300.000 Menschen.

Gysi für Rückzahlung des Zwangskredits

In Bezug auf den Kredit äußerte Linken-Politiker Gregor Gysi Verständnis für die finanziellen Forderungen aus Athen. "Mir liegt ein bisschen auf der Seele, dass das damals besetzte Griechenland vom Nazi-Regime zur Zahlung eines Zwangskredits verpflichtet wurde", sagte der Vorsitzende der deutsch-griechischen Parlamentariergruppe im Bundestag den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Meines Erachtens ist die Bundesrepublik für dieses Darlehen immer noch haftbar."

Die entscheidende Frage sei die Höhe der Zinsen, sagte Gysi weiter. "Die Bundesregierung sollte aus rechtlichen, politischen und moralischen Gründen sagen, wir zahlen das Darlehen zurück und bieten Verhandlungen über die Zinsen an." Nach griechischen Angaben würde sich der zu zahlende Betrag auf etwa zehn Milliarden Euro belaufen.

"Ich wäre dem Bundespräsidenten sehr dankbar, wenn er ein Zeichen setzt, dass wir die Spannungen aus der Euro-Krise zwischen beiden Ländern überwinden wollen", erklärte der Linken-Politiker weiter. Gysi begleitet Steinmeier bei dem Staatsbesuch. (mgb/dpa)

Verwendete Quellen:

  • dpa
  • "Bild": Griechen wollen 376 Mrd. Kriegs-Entschädigung von uns
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