Schon heute will Melis Sekmen als Gast an der Sitzung der CDU/CSU-Abgeordneten teilnehmen. Erst gestern hatte sie ihren Austritt bei den Grünen erklärt. Der Unionsspitze dürfte der Wechsel in den aktuellen Auseinandersetzungen sehr gelegen kommen.

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Die bisherige Grünen-Bundestagsabgeordnete Melis Sekmen wird schon an diesem Dienstag in der Sitzung der Unionsfraktion im Bundestag erwartet. Die 30-Jährige aus Mannheim werde als Gast an den routinemäßigen Beratungen der CDU/CSU-Abgeordneten teilnehmen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Fraktionskreisen in Berlin. Sekmen hatte gestern ihren Austritt bei den Grünen und aus der Grünen-Bundestagsfraktion erklärt - mitten in den politischen Auseinandersetzungen zwischen Union und Grünen vor den wichtigen Landtagswahlen im Herbst.

"Meine Entscheidung ist das Ergebnis eines langen Prozesses", erklärte Sekmen am Montagabend der dpa und bestätigte damit einen entsprechenden Bericht des Nachrichtenportals "Table Media". Sie sprach von einem "Schritt nach vorne" und ergänzte: "Meine Vorstellung darüber, wie und in welchem Stil Politik gemacht wird, hat sich weiterentwickelt."

Sekmen hat türkische Wurzeln - ihr Vater war als Jugendlicher nach Deutschland gekommen. Sie ist in Mannheim geboren und sitzt seit 2021 im Bundestag.

Unionsfraktionschef Friedrich Merz (CDU) sagte der dpa, die Fraktion freue sich, Sekmen bald als neues Mitglied begrüßen zu können. Die Abgeordnete werde in den nächsten Tagen eine Mitgliedschaft im CDU-Kreisverband Mannheim anstreben. "Mit ihrer Familiengeschichte und ihren Themen verbindet Frau Sekmen vieles, wofür auch die CDU steht. Wir machen Politik für die fleißigen Menschen in unserem Land."

Zuletzt wechselte 1996 eine Grünen-Abgeordnete zur Union

Dass Abgeordnete die Fraktion wechseln, kommt selten vor. Die Unionsfraktion konnte zuletzt Ende 1996 einen Zugang aus einer anderen Fraktion verbuchen. Damals wechselte die frühere DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld ebenfalls von den Grünen zur Union. Ende vergangenen Jahres trat Lengsfeld, die von 1990 bis 2005 im Bundestag saß, aus der CDU aus. Nach dem Ausscheiden der CSU-Abgeordneten Andreas Scheuer und Stefan Müller im April und Mai hatte die CDU/CSU-Fraktion zuletzt 195 Abgeordnete.

Sekmen erklärte: "Wir brauchen eine Debattenkultur, in der Menschen ihre Meinung und ihre Sorgen sagen können, ohne in Schubladen gesteckt zu werden." Sie fügte hinzu: "Diese Stimmen müssen aus einer starken Mitte und nicht aus den extremen Rändern der Politik kommen." Menschen über ihr Tun, ihr Wirken und nicht über ihre Herkunft zu definieren, dafür stehe für sie das neue Grundsatzprogramm der CDU.

Melis Sekmen war seit 2011 Grünen-Mitglied

Im Bundestag war Sekmen bis zuletzt Obfrau der Grünen im Wirtschaftsausschuss und seit 2022 Vorsitzende des Parlamentskreises "Gründungen & Start-ups". Seit 2011 war die Abgeordnete Grünen-Mitglied, von 2011 bis 2014 war Sekmen Sprecherin der Grünen Jugend in ihrer Heimatstadt. 2014 wurde sie in den Mannheimer Gemeinderat gewählt, von 2019 bis 2022 war sie dort Fraktionsvorsitzende.

Die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Bundestagsfraktion, Irene Mihalic, äußerte ihr Bedauern über Sekmens Wechsel zur Union. "Wir bedauern den Austritt von Melis Sekmen sehr, aber wir respektieren selbstverständlich ihre Entscheidung", sagte sie dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). "Innerhalb der Fraktion werden wir nun beraten, wie wir organisatorisch damit umgehen."

Der baden-württembergische CDU-Vorsitzende Manuel Hagel erklärte, er habe Sekmen "als absolute Power-Frau kennengelernt. Ihre Vita erzählt eine total authentische und erfolgreiche Aufsteigergeschichte", wie sie gut zum Land passe. "Gemeinsam geht es uns darum, dies für möglichst viele andere Menschen hier bei uns zu ermöglichen", fügte er hinzu. "Bei allem, was Melis anpackt, ist es ihr egal, woher jemand kommt, wie jemand heißt oder was Papa oder Mama verdienen – es kommt darauf an, wohin jemand will." Ihr Herz schlage für die Start-ups in Deutschland, die Abgeordnete "ackert für gute Rahmenbedingungen für Innovation und Schaffenskraft". (dpa/vit)

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