Heinz-Christian Strache ist mit Abstand der dienstälteste Parteichef und regiert nun in Österreich neben Kanzler Kurz. Dabei hatte der Sohn eines Aussteigers schon mit einigen Affären in seiner Laufbahn zu kämpfen.

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Heinz-Christian Strache hat bei der Nationalratswahl sein Ziel erreicht und ist aus der Opposition in die österreichische Regierung aufsteigen. Der nicht zuletzt aufgrund seiner Kontakte ins tiefe rechte Eck umstrittene FPÖ-Chef hat schon viele Hürden in seinem Leben überwunden - angefangen in seiner Kindheit.

Der neue Vizekanzler Strache wurde am 12. Juni 1969 in Wien als Sohn einer Drogistin geboren. Seine Mutter zog ihn praktisch alleine im Wiener Stadtteil Erdberg im 3. Bezirk auf.

Sein Vater, Heinz-Roland Strache, brach sein Welthandels-Studium ab und ließ seine Familie zurück, um als "Aussteiger", Reiseleiter und Schriftsteller die Welt zu bereisen.

Ausgebildeter Zahntechniker

Strache verbrachte seine Volks- und Hauptschulzeit im Internat. Danach absolvierte er eine vierjährige Lehrausbildung zum Zahntechniker. Nach der Lehre leistete er seinen achtmonatigen Präsenzdienst beim Bundesheer und machte im Anschluss eine Kaderausbildung zum Unteroffizier der Miliz.

Anschließend erwarb er eine Studienberechtigung und begann mit dem Studium der Geschichte und Philosophie an der Universität Wien. Ohne das Studium abzuschließen, machte sich Strache selbständig und gründete 1993 das zahntechnische Unternehmen "Dental Labor“, das bis 1998 bestand.

Von 2000 bis 2002 war er als Prokurist bei der "Care Partners Werbeberatungs GmbH" tätig und bis 2004 auch deren Gesellschafter.

Kontakte zu Rechtsextremisten

Mit 15 Jahren wurde Strache Mitglied der schlagenden und deutschnationalen Schülerverbindung "Wiener pennale Burschenschaft Vandalia", bei der er mit einigen Rechtsextremisten in Verbindung kam.

Er verliebte sich in die Tochter des rechtsextremen Politikers Norbert Burger und verbrachte die nächsten sieben Jahre mit ihr.

Fotos bringen Strache in Bedrängnis

Heinz-Christian Strache hatte auch Kontakte zu der neonazistischen Wiking-Jugend und nahm 1989 an einem Treffen teil, wie er vor zehn Jahren im Zuge der "Fotoaffäre" zugab. Die Tageszeitung "Österreich" hatte ein Foto veröffentlicht, auf dem Strache im Kreise der Wiking-Jugend zu sehen gewesen sein soll.

Strache betonte allerdings, nicht Mitglied bei der in Deutschland seit 1994 verbotenen Organisation gewesen zu sein und seit 1990 nichts mehr mit ihr zu tun gehabt zu haben.

Weitere Fotos zeigten ihn mit einer "Soft-gun" im "Army-Shop-Gewand", wie Strache damals eingestand. Es habe sich dabei um Spielzeug gehandelt, betonte er: "Das schaut kriegerisch aus, weil es optisch einer echten Waffe gleicht."

Die Fotos waren am selben Wochenende in Kärnten entstanden wie ein Bild, auf dem Strache angeblich nur "Paintball" spielte und nicht, wie ihm vorgeworfen worden war, an einer Wehrsportübung teilnahm. Er veröffentlichte die Bilder im Jahr 2007 selbst.

Einzug bei der FPÖ

1990 nahm er an einer Veranstaltung der rechtsextremen Deutschen Volksunion in Passau teil, bei der die deutsche Polizei ihm einen Schreckschussrevolver abnahm. Das tat seiner politischen Karriere allerdings keinen Abbruch.

Der Zahnarzt und FPÖ- Bezirksobmann in Wien Landstraße, Herbert Güntner, den er beruflich kannte, holte Strache zur FPÖ.

1991 wurde er im Alter von nur 21 Jahren jüngster Bezirksrat Wiens. 1994 löste er seinen politischen Ziehvater Güntner ab, 1996 zog Strache in den Landtag und den Landesparteivorstand ein.

2004 folgte Strache Hilmar Kabas als Parteichef der Wiener Freiheitlichen nach und wurde Mitglied im Bundesparteivorstand.

Nachfolger von Jörg Haider

Nachdem der verstorbene Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider die FPÖ spaltete und das BZÖ gründete, wurde Strache schließlich FPÖ-Bundesparteiobmann.

2010 erreichte Strache bei der Wiener Wahl mit der FPÖ 25,7 Prozent und wurde damit zweitstärkste Kraft in Wien.

Strache bedient klassische Themen des Rechtspopulismus, er betont Patriotismus, positioniert sich gegen die EU und warnt vor "Islamisierung".

Zum zweiten Mal verheiratet

1999 heiratete er Daniela Plachutta, die Tochter des Wiener Gastronomen Ewald Plachutta, mit der er zwei Kinder bekam: Heidi, 16 Jahre, und Tristan, 14 Jahre. Das Paar ließ sich 2006 scheiden.

Am 7. Oktober 2016 heiratete er das damals 27 Jahre alte Model Philippa Beck. Die nunmehrige Philippa Strache bezeichnet ihren Gatten als "tollen Partner" und "perfekten Ehemann" Ihr Spitzname für ihn lautet "kleines Monster", umgekehrt nennt Strache seine Frau "meine Königin". Sie nennt sich selbst den Rückhalt ihres Mannes.

Die Politik ist für Strache eine Leidenschaft und seine Bestimmung: Er sieht hier auch seine Zukunft.

Für internationales Aufsehen sorgt derzeit der Wahlkampfauftakt der Tiroler FPÖ. Im Internet kursiert ein Video, in dem Vizekanzler Heinz-Christian, flankiert von zwei Trommlern, auf die Bühne marschiert. "Unheimlich" finden es viele, von "faschistischer Ästhetik" ist in den Medien die Rede.