Emmanuel Macron hat mit einer Aussage zu Philippe Pétain für Aufsehen gesorgt. Der französische Staatspräsident hatte den Nazi-Kollaborateur als "großen Soldaten" bezeichnet.

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Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat den Nazi-Kollaborateur Philippe Pétain als "großen Soldaten" des Ersten Weltkriegs bezeichnet und damit Empörung hervorgerufen.

Unter deutscher Besatzung habe Pétain zwar "unheilvolle Entscheidungen getroffen", betonte Macron am Mittwoch im ostfranzösischen Charleville-Mézières.

Dies ändere aber nichts an seinen Verdiensten für Frankreich. Der jüdische Dachverband Crif zeigte sich "schockiert" über Macrons Äußerungen. Der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon nannte Pétain "einen Verräter und einen Antisemiten".

Pétain verantwortlich für Deportation von französischen Juden

Der französische Staatschef verteidigte eine Ehrung für Pétain und sieben weitere Kommandeure des Ersten Weltkriegs am Samstag im Pariser Invalidendom als "legitim".

Die Zeremonie findet im Rahmen der umfangreichen Gedenkfeiern zum Waffenstillstand vor hundert Jahren statt, zu denen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Frankreich erwartet wird.

"Ich erkenne die Rolle an, die unsere Marschälle und unsere Armee gespielt haben", sagte Macron. "Wir verdanken ihr den Sieg."

Der 1856 geborene General Pétain wurde lange als "Held von Verdun" gefeiert, weil er die Stadt 1916 in einer monatelangen Schlacht gegen die Deutschen verteidigte.

Nach dem deutschen Einmarsch in Frankreich 1940 wurde er dann Kopf des sogenannten Vichy-Regimes im unbesetzten Teil des Landes, das bis 1944 mit den Nazis kollaborierte. Pétain war maßgeblich für die Deportation der französischen Juden mit verantwortlich.

Scharfe Kritik an Macron

Der jüdische Dachverband Crif erinnerte Macron an Pétains Verurteilung wegen Hochverrats nach Kriegsende 1945.

"Die einzige Sache, die wir von Pétain in Erinnerung behalten, ist dass er im Namen des französischen Volkes der nationalen Unwürdigkeit schuldig gesprochen wurde", erklärte Verbands-Präsident Francis Kalifat. Damit sei auch die Aberkennung verschiedener Rechte und seines Rangs in der Armee verbunden.

Der Linkspolitiker und frühere Präsidentschaftskandidat Mélenchon schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter: Pétains "Verbrechen und sein Verrat verjähren nicht". Er warf Macron vor, die französische Geschichte wie ein "Spielzeug" zu behandeln.

Der Historiker Nicolas Offenstadt nannte die Würdigung Pétains im Sender BFM-TV unangebracht. Pétain sei mit dem "schlimmsten Regime der französischen Geschichte verbunden", das für Deportationen und Unterdrückung verantwortlich gewesen sei, betonte er.

"Ich weiß nicht, wie man die Figur Pétains heute öffentlich in den Vordergrund stellen kann, ohne an die Kollaboration und an das Vichy-Regime zu denken."

Macron selbst hatte mit Blick auf das Vichy-Regime gesagt: "Ich verschleiere kein Kapitel der Geschichte." Die politische und menschliche Wirklichkeit sei aber "manchmal komplexer als man glauben mag".

Pétain war 1945 wegen Hochverrats zunächst zum Tode verurteilt worden, dies wurde jedoch in eine lebenslange Gefängnisstrafe umgewandelt. Er starb 1951 mit 95 Jahren in Haft. (afp/dpa)

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