Schlagabtausch bei Sandra Maischberger: Der frühere AfD-Chef Bernd Lucke beklagt mangelnde Meinungsfreiheit. Ein Fernsehmoderator wirft Lucke dagegen "unmenschliche Sprache" vor.

Fabian Busch
Eine Kritik
von Fabian Busch, Freier Autor

Lange war er vom Radar der Öffentlichkeit verschwunden. Jetzt ist Bernd Lucke, Mitbegründer der AfD, wieder mitten drin in der öffentlichen Debatte. An der Universität Hamburg wurde der Wirtschaftsprofessor gerade zwei Mal von protestierenden Studenten aus dem Saal gebuht, als er nach seiner Rückkehr an die Uni wieder eine Vorlesung halten wollte. Ist die Meinungsfreiheit in Gefahr, wenn Lucke seinem Beruf nicht mehr nachgehen kann? Diese Frage nimmt sich am Mittwochabend auch Sandra Maischberger in ihrer Talkshow vor. Eine gute Entscheidung, denn der Teil wird der spannendste der Sendung.

In einem Gastbeitrag für die Tageszeitung "Welt" hat Lucke eine "Verunglimpfung von politisch Andersdenkenden" beklagt. Die heftigen Reaktionen an der Uni haben ihn überrascht, sagt Lucke im Studio. Die AfD habe er doch einst als eurokritische Partei "und nicht mit einer migrations- oder islamfeindlichen Intention gegründet".

Maischbergers Woche: Flüchtlinge als "sozialer Bodensatz"

Natürlich dürfe und könne Lucke weiter lehren, sagt der Journalist Georg Restle vom ARD-Magazin Monitor. Er äußert aber auch Verständnis für die Aufregung der Studenten: "Herr Lucke ist der Mann, der die AfD gegründet hat, der einer Partei den Weg geebnet hat, die in diesem Land den Rechtsextremismus hoffähig gemacht hat." Die eigene Rolle rede Lucke zu klein, findet Restle: Flüchtlinge habe der Professor als "sozialen Bodensatz in dieser Republik" und die Demokratie als "entartet" bezeichnet. Lucke wehrt sich gegen die Vorwürfe, will dieses und jenes nicht so gesagt oder nicht so gemeint haben. Journalist Restle aber bleibt dabei: Wer Menschen als Bodensatz bezeichne, benutze eine unmenschliche Sprache.

Auch Lucke beharrt auf seinem Standpunkt: Vor allem wer nach rechts aus dem üblichen "Meinungskorridor" abweiche, werde sofort in eine bestimmte Ecke gestellt. Immerhin lässt sich feststellen: Über dieses Thema darf im Fernsehen kontrovers gestritten werden – zum Beispiel in dieser Sendung. Für die Meinungsfreiheit ist das ein gutes Zeichen. Moderatorin Maischberger vermeidet es zudem gekonnt, sich selbst auf eine Seite zu schlagen.

Auch das gab es: Schlechte Zeugnisse für die Minister

Maischberger widmet sich seit einiger Zeit nicht mehr nur einem Thema. Zeit ist deswegen auch noch für eine große Portion Minister-Kritik. In Berlin will die Große Koalition bald ihre Halbzeitbilanz ziehen. Drei Kommentatoren im Studio verteilen aus diesem Anlass Noten an einige Kabinettsmitglieder. Säßen die noch in der Schule, müssten sie damit wohl um ihre Versetzung bangen.

An Bundesaußenminister Heiko Maas kritisiert die Runde seinen Inszenierungswahn in den sozialen Medien. Ein Politiker dürfe sich natürlich von einer persönlichen Seite zeigen, meint Nikolaus Blome, Politik-Chef der "Bild"-Zeitung. "Aber er muss auch ein bisschen Politik machen, und da habe ich von Heiko Maas noch nicht viel gesehen.

Nicht besser kommt CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer weg. "In der B-Note, also in Stil und Umgang, hat sie von fünf möglichen Fehler sieben gemacht", meint Blome, der aber den Vorstoß der Verteidigungsministerin für eine Schutzzone in Syrien lobt. Ferdos Forudastan, Innenpolitik-Chefin der Süddeutschen Zeitung sieht das anders. Respektlos, dilettantisch, unprofessionell – so findet sie es, dass AKK ihre Syrien-Pläne kaum mit dem Koalitionspartner SPD abgestimmt hat.

Bleibt noch Verkehrsminister Andreas Scheuer. "Ich glaube, alleine für die Sache mit den E-Scootern gehört er eigentlich schon entlassen", sagt Moderator und Comedy-Autor Micky Beisenherz. Angesichts der hohen Geldsumme, die Scheuers gescheiterten Pläne für eine Pkw-Maut gekostet haben, findet auch der Konservative Blome: Wer seinem Unternehmen eine 500-Millionen-Schramme zufüge, der solle über sein Amt nachdenken.

Die Queen und ihr Königreich in Auflösung

Zum Schluss steht noch das unvermeidliche Thema Brexit auf dem Programm. Vielen Zuschauern dürfte das ewige Hin und Her über den EU-Austritt Großbritanniens langsam aber sicher gehörig auf die Nerven gehen. Wer an diesem Abend trotzdem nicht abschaltet, bleibt wahrscheinlich wegen Anthony Glees dran.

Der britische Politikwissenschaftler versteht es, den Brexit mit Selbstironie und Humor zu besprechen. Dass Premierminister Boris Johnson in dieser Woche versucht hat, den Brexit im Eilverfahren durchs Parlament zu peitschen, findet Glees völlig daneben: Die EU und das Vereinigte Königreich – das sei wie eine 40-jährige Ehe, die nicht einfach in 40 Stunden geschieden werden könne. "Ich glaube, dass Boris Johnson selbst nicht weiß, wohin er gehen soll."

Die britische Queen sei zwar eine "ganz feine alte Dame", sagt Glees. Eigentlich hat er aber Mitleid mit ihr: Der Brexit lähmt das Land, die Schotten könnten dem Königreich bald wieder den Rücken kehren wollen – und dann gibt es auch noch Streit in der royalen Familie. "Sie sieht, wenn sie in die Ferne schaut, die Auflösung des Vereinigten Königreichs", glaubt Glees. Der Brite sagt das aber mit so viel Heiterkeit, dass man danach trotzdem beruhigt ins Bett gehen kann.

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