Das Verhältnis zwischen Wladimir Putin und Barack Obama ist kein herzliches. In der Vergangenheit gerieten die Präsidenten immer wieder aneinander. Zwei Jahre lang gingen sich beide aus dem Weg, Putin wurde vom Westen geradezu isoliert. Nun kam es in New York zum Treffen. Der Kreml-Chef ist zurück auf dem internationalen Parkett, ein persönlicher Triumph für Putin, meint die deutsche Presse. Doch am Ende ist alles beim Alten.

US-Präsident und Kremlchef reden miteinander. Uneins sind sie dennoch.

Kaum ein Treffen zwischen Spitzenpolitikern erzeugt solch einen Wirbel wie das der Präsidenten der zwei größten Weltmächte. Denn wenn Barack Obama auf Wladimir Putin trifft, sind verbale Scharmützel an der Tagesordnung. Vor allem wenn es darum geht, weltpolitisches Geschehen zu beeinflussen und eigene Interessen zu wahren – wie in Syrien. Zum letzten formellen Treffen kam es im Juni 2013 beim G8-Gipfel in Nordirland. Im selben Jahr sagte Obama einen Termin wegen des Streits um NSA-Enthüller Edward Snowden ab. Nur am Rand diverser Gipfeltreffen oder der D-Day-Feier in der Normandie lief man sich noch über dem Weg.

Frostige Atmosphäre

Mit Spannung wurde also das Aufeinandertreffen des russischen und des amerikanischen Präsidenten am ersten Tag der 70. UN-Generaldebatte erwartet. Jede Geste, jeder Gesichtsausdruck, jede Berührung der beiden Gegenspieler wurde beäugt, um am Ende festzustellen: Alles ist beim Alten.

"Nach außen hin verlief der Auftakt des Treffens von Barack Obama und Wladimir Putin exakt so, wie es den Erwartungen geschuldet war: 'Steinerne Mienen' bei beiden Präsidenten vermeldeten Augenzeugen zum Auftakt, und einen eher flüchtigen Händedruck beim kurzen Fototermin (...)", beschreibt "Welt.de" die Begegnung. "Zwischen Obama und Putin klirren die Gläser wie Säbel".

Das Verhältnis der Nato zu Russland ist schwer belastet. Daran ist aber nicht allein Russlands Präsident Wladimir Putin schuld. Im Interview erklärt Ex-Nato-General Harald Kujat, was hinter dem Säbelrasseln Russlands und den Manövern der Nato steckt und wieso es derzeit ausgeschlossen ist, die Ukraine in das Bündnis aufzunehmen.

"Beste Freunde werden diese beiden Männer nicht mehr: Zwar haben US-Präsident Obama und Russlands Staatschef Putin in New York miteinander geredet – doch die Atmosphäre war frostig", schreibt "Spiegel Online". Sie seien sich in "herzlicher Abneigung verbunden, die sie auch kräftig pflegen", stellt auch Stefan Niemann, ARD-Fernsehkorrespondent in den USA, fest. Es sei einmal mehr deutlich geworden, dass im Denken, Argumentieren und politischen Handeln Welten zwischen diesen beiden Männern liegen. Dass Obama Putin den "roten Teppich ausgerollt" hat, hat nichts gelöst, merkt die "Westdeutsche Zeitung" an. Putin "brachte sich lediglich wieder zurück ins Gespräch. Und hat damit sein Ziel erreicht" – wieder mit den USA auf Augenhöhe und gleichberechtigter Partner zu sein.

Für Putin sei der Auftritt in New York "ein persönlicher Triumph – und eine Bestätigung, dass er in der Syrien-Frage am längeren Hebel zu sitzen scheint", urteilt die "Freie Presse". "Das mag man gut oder schlecht finden. Strategische Interessen wurden noch nie mit der Messlatte der Moral bewertet."

"Putins Sieg"

Die "Rheinpfalz" glaubt, dass Putin vor allem beim heimischen Publikum punkten wird. "Und allein der Umstand, dass US-Präsident Obama dazu bereit war, den noch im Juni vom G-7-Gipfel in Elmau ausgeschlossenen Kremlchef in New York zu treffen, ist ein Sieg für Putin."

Die Amerikaner sehen das mit gemischten Gefühlen. Vielen sei unwohl dabei, Putin wieder aufs internationale politische Parkett zu lassen. Denn: "Man hat feststellen müssen, dass der Mann geschickt seine Strippen zieht und seine Interessen zum Teil brutal durchzieht wie auf der Krim und in der Ukraine", sagt ARD-Korrespondent Niemann. Allerdings läge es in beider Interesse, im Syrien-Konflikt in keinen Stellvertreter-Konflikt hineingezogen zu werden. Denkbar sei, dass sich Russland und die USA darauf einigen, zumindest Kommunikationskanäle zu öffnen.