• Eine Ausschreibung von Habecks Wirtschaftsministerium macht die Runde: Für insgesamt 350.000 Euro ist er auf der Suche nach einem fotografischen Begleiter. Finanziert wird der Job aus Steuergeldern.
  • Hammer-Job, überbezahlt oder faire Sache? Ein Profi-Fotograf schätzt die Ausschreibung ein.
Eine Analyse
Dieser Text enthält eine Einordnung aktueller Ereignisse, in die neben Daten und Fakten auch die Einschätzungen von Marie Illner sowie ggf. von Expertinnen oder Experten einfließen. Informieren Sie sich über die verschiedenen journalistischen Textarten.

Das klingt nach einem verlockenden Job-Angebot: Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz unter Robert Habeck (Grüne) hat einen Fotoauftrag in Höhe von 350.000 Euro zu vergeben. Ein eigener Fotograf soll den 53-Jährigen auf Schritt und Tritt verfolgen, "sowohl bei Auslandsreisen, Inlandsreisen, aber auch bei Terminen in Berlin".

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Die Rahmenvereinbarung, die mit Steuergeldern finanziert wird, soll eine Laufzeit von bis zu vier Jahren haben. Neben der fotografischen Begleitung des Ministers gehören auch die Bereitstellung der Bilder, Bildbearbeitung und Auftragsfotografie für die Öffentlichkeitsarbeit des Ministeriums zur Vereinbarung.

Mehr als 7.000 Euro im Monat

"Damit wird dem Auftrag an die Bundesregierung nachgekommen, die Bürgerinnen und Bürger transparent über ihre Arbeit und Termine zu informieren", teilt das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) auf Anfrage unserer Redaktion mit. Persönliche oder Partei-Interessen des Grünen-Politikers stellt man damit in Abrede.

Die Ausschreibung orientiere sich an den üblichen Konditionen und der Rahmenvereinbarung des Bundespresseamtes, heißt es weiter. Ein Budget von 350.000 Euro würde ein Jahreseinkommen von knapp 90.000 Euro bedeuten, beziehungsweise ein monatliches Einkommen von über 7.000 Euro brutto.

Hohes Maß an Flexibilität nötig

Profi-Fotograf Bastian Haumann, der seit 15 Jahren journalistisch arbeitet, bezweifelt aber, ob es sich um einen Traum-Job handelt. "Der Job ist nicht familienfreundlich, wohl mit einem Umzug in die Hauptstadt verbunden und definitiv stressig", sagt er. Eine Auswertung aus dem Jahr 2019 zeigte, dass die Grünen Bundestagsabgeordneten beim Reisen mit dem Flieger vorne mit dabei sind. Pro Kopf flogen die Grünen-Abgeordneten 126-mal innerhalb von zwei Jahren.

Der Terminkalender des Ministers dürfte besonders voll sein. Wie auf der Website von Robert Habeck zu lesen ist, war er allein während seiner Wahlkampftour täglich in einer anderen Großstadt, tingelte von Bremerhaven und Lüneburg bis nach Regensburg, Dresden und Köln.

"Der Job hat natürlich auch eine gewisse Verantwortung - man ist eben 'staatsmännisch' unterwegs. Und er erfordert ein sehr hohes Maß an Flexibilität", sagt Haumann. Für überzogen hält er das Budget des Ministeriums nicht. "Dokumentarische Fotografie in einem solchen Rahmen erfordert Erfahrung", erinnert er. Es gehe bei weitem nicht nur darum, einfach einen Auslöser zu drücken.

Fotograf: "Gut, aber durchaus fair bezahlt"

Außerdem müsse man die technische Ausrüstung besitzen. "In der Ausschreibung wird zwar sinngemäß von einem "minimalen technischen Aufwand" gesprochen, die Ausrüstung, die nötig ist, entspricht aber locker dem Preis eines soliden Kleinwagens", ist sich Haumann sicher. Nach oben seien dem keine Grenzen gesetzt. "Der Job kommt der Arbeit für Bildagenturen recht nah. Er ist gut, aber durchaus fair bezahlt", meint Haumann.

Wie hoch das monatliche Gehalt am Ende ausfällt, ist zudem noch gar nicht ausgemacht. "Rahmenauftragsvolumen sind mit Puffern versehene Obergrenzen und werden in der Regel nicht ausgeschöpft", betont Ministeriums-Sprecherin Nina Marie Güttler. Vergleichszahlen von diesem Jahr würden das zeigen. "Für die Ministerbegleitung wurden bislang 26.500 Euro Fotografenkosten verwendet für das Jahr 2022", informiert sie. Auch andere Ressorts hätten eigene Fotorahmenverträge.

Wie andere Ressorts knipsen lassen

Güttler erinnert außerdem: "Eine vergleichbare Rahmenvereinbarung gab es auch unter den Vorgängerregierungen im BMWi, konkret unter dem damaligen Vizekanzler Gabriel für den Zeitraum 2015 bis 2018." Es handele sich zudem um eine Ausschreibung für einen Dienstleistungsvertrag, nicht um eine Anstellung.

Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, unterhält das Bundespresseamt des Kanzlers vier feste Fotografen und bucht bei Bedarf weitere dazu. Das Entwicklungsministerium gibt sein Budget mit 390.000 Euro für vier Jahre an, es werde aber "meist nicht ausgeschöpft". Das Gesundheitsministerium bucht nur "bei Bedarf" Fotografen, anders das Verteidigungsministerium: Hier gibt es zahlreiche Fotografen. Mit nur 20.865 Euro beziffert das Bauministerium von Klara Geywitz ihre Fotoverträge für August 2022 bis Ende 2023.

Über den Experten:
Bastian Haumann ist ausgebildeter Fotograf und arbeitet seit 2007 als freier Fotograf und Journalist. Zu seinen Auftraggebern zählen die Westdeutsche Allgemeine Zeitung und die Westfalenpost.

Verwendete Quellen

  • Bild.de: 400 000 Euro für Habeck-Fotograf (kostenpflichtiger Inhalt)
  • Rahmenvereinbarung über fotografische Begleitung des Ministers/der Ministerin und Auftragsfotografie für das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz
  • Robert Habecks Wahlkampftour – die Termine im Überblick
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