Am Wochenende verbreitete sich in sozialen Netzwerken die Behauptung, in Euskirchen hätten Geflüchtete aus der Ukraine einen Russisch sprechenden 16-jährigen Jugendlichen verprügelt und dieser sei daraufhin gestorben. Doch die Polizei spricht von einem "Fake".

Im Netz kursierte das Video einer Frau. Auf Russisch erzählt sie, ein 16-Jähriger sei in Euskirchen von einer Gruppe geflüchteter Ukrainer verprügelt worden und anschließend im Krankenhaus gestorben. "Den Jungen kenne ich nicht, ich habe es von einer Freundin gehört", sagt sie. Wer die Frau ist, bleibt unklar. Das Video verbreitet sich zusammen mit einem Text, unter anderem im Telegram-Kanal "Neues aus Russland". Dort heißt es: "Der Junge hat sich 'schuldig' gemacht, Russisch zu sprechen."

Auf Twitter reagierten das Bundesinnenministerium (BMI) und die zuständige Polizei Bonn auf die Behauptung, die sich am Sonntag rasant im Netz verbreitete. Die Polizei Bonn stellte klar, es lägen "keinerlei Informationen über einen solchen gewalttätigen Übergriff oder gar Todesfall vor". Der Staatsschutz habe Ermittlungen aufgenommen. Experten gingen derzeit davon aus, dass es sich um ein absichtliches Fake-Video handele, das "Hass schüren soll". Auch das BMI erklärte: "Ein solcher Vorfall ist uns nicht bekannt."

Ursprünglich hatte die Frau das Video auf TikTok veröffentlicht, am Montag lud sie dort ein zweites Video hoch. Darin entschuldigte sie sich dafür, eine Falschinformation verbreitet zu haben. Ihre Behauptung habe sich als unwahr herausgestellt.

Auf dem Telegram-Kanal "Neues aus Russland" wurde bereits mehrfach Desinformation und Irreführendes rund um den Krieg in der Ukraine verbreitet, wie CORRECTIV.Faktencheck recherchierte – zum Beispiel im Zusammenhang mit der Bombardierung eines Kindergartens im ukrainischen Luhansk oder zu angeblichem Organhandel in der Ukraine.

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