Neue Details im Fall Sebastian Edathy: Die Staatsanwaltschaft Hannover hat im Zuge der Razzien in seinen Wohnungen und Büros mehrere Computer beschlagnahmt. Die Ermittler stellten dabei laut einem Medienbericht fest, dass aus manchen Rechnern die Festplatten entfernt wurden. Andere sollen manipuliert worden sein - offenbar um Spuren zu verwischen.

Die Kinderporno-Vorwürfe gegen Sebastian Edathy verdichten sich. Aus Ermittlerkreisen heißt es, dass manche sichergestellte Speichermedien aus dem Besitz des langjährigen Bundestagsabgeordneten entweder manipuliert, gelöscht oder ganz entfernt wurden. Das berichtet die "Bild" unter Berufung auf Fahnder der Staatsanwaltschaft Hannover. Die Computer seien vor der Durchsuchung bearbeitet worden. Ein Indiz dafür, dass offenbar versucht wurde, Spuren zu verwischen, so die Zeitung.

Die Staatsanwaltschaft Hannover äußert sich derzeit nicht dazu, ob die Razzien wegen des Verdachts des Besitzes von Kinderpornographie vorgenommen wurden. Laut einem Bericht der "Welt" sei Edathy aber wegen des Erwerbs von sogenannten "Posing-Videos" einer kanadischen Firma ins Visier der Ermittler geraten. Die Firma war 2013 im Zuge einer großen Ermittlung der kanadischen Behörden mit dem Codenamen "Spade" aufgeflogen. Edathy soll die Videos zum Teil über einen Internet-Server des Bundestags bestellt und mit seiner Kreditkarte bezahlt haben.

"Posing-Videos" ein minderschwerer Fall?

"Posing-Videos" sind Aufnahmen, bei denen nackte oder leicht bekleidete Kinder und Jugendliche gefilmt werden. Sexuelle Handlungen sollen darauf nicht zu sehen sein. Bei diesen "Posing-Videos", die Edathy bestellt haben soll, handle es sich um einen "minderschweren Fall". Das berichtet der "NDR" unter Berufung auf Ermittlerkreise.

Der Besitz solcher Aufnahmen ist in Deutschland nicht strafbar. Dadurch verstärke sich aber der Verdacht, dass der Beschuldigte auch härtere Kinderpornographie besitze, berichtet der "NDR". Deswegen leite eine Staatsanwaltschaft in der Regel eine Ermittlung ein. Damit werde geprüft, ob sich der Verdacht bestätigt oder nicht.

Edathy befindet sich nach Angaben aus SPD-Kreisen derzeit in Dänemark. Er wehrt sich gegen den Vorwurf, Kinderpornographie zu besitzen. Sebastian Edathy kritisiert das Vorgehen der Staatsanwaltschaft Hannover scharf. "Die Durchsuchungen waren nicht nur unverhältnismäßig, sondern stehen im Widerspruch zu rechtsstaatlichen Grundsätzen", sagte er "Spiegel online". "Ich hoffe, dass die Staatsanwaltschaft demnächst einräumt, dass die Vorwürfe gegenstandslos sind."