Der langjährige SPD-Chef schmettert die Kritik an seiner Entscheidung ab, seine Laufbahn in der Wirtschaft fortzusetzen. Er sieht keine Interessenkonflikte und fragt , welche Jobs Politiker nach dem Ausscheiden aus dem Amt überhaupt annehmen dürfen.

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Der ehemalige SPD-Chef Sigmar Gabriel hat seinen Wechsel in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank verteidigt. "Ich finde es schlimm, dass sofort der Generalverdacht entsteht, man würde sozusagen seine Seele verkaufen, wenn man nach dem Ende seiner politischen Laufbahn eine Aufgabe in der Wirtschaft wahrnimmt. Ich jedenfalls werde auch in Zukunft nicht anders denken und handeln als vorher", sagte Gabriel der "Bild am Sonntag".

Er warf die Frage auf, was Politiker eigentlich nach ihrer Laufbahn für Jobs annehmen dürfen: "Sie sollen keine vorzeitigen Pensionen beziehen, sie sollen nicht zu Lobbyisten werden und eigentlich sollen sie auch nicht in die Wirtschaft gehen. Was denn dann?"

Sigmar Gabriel zur Kritik: "Dafür fehlt mir jegliches Verständnis"

Gabriel betonte, dass er "nie in einem politischen Amt für die Deutsche Bank zuständig" gewesen sei. Außerdem habe er ein Gesetz im Bundestag eingebracht, nach dem sich Regierungsmitglieder 18 Monate lang nach ihrem Amt jede Tätigkeit genehmigen lassen müssen.

"Wenn wir alle diese Regeln einhalten und dann immer noch dafür kritisiert werden, dass wir nicht auf der faulen Haut liegen und Pensionen beziehen, dann fehlt mir dafür jedes Verständnis", sagte Gabriel.

Die Deutsche Bank hatte Gabriel für einen Sitz in ihrem Kontrollgremium nominiert. Er muss sich bei der nächsten Hauptversammlung am 20. Mai den Aktionären zur Wahl stellen.

Deutsche-Bank-Chef überbringt Gabriel die Botschaft am Telefon

Nach Gabriels Darstellung hat Aufsichtsratschef Paul Achleitner ihn Ende vergangenen Jahres angesprochen. Dann habe es Gespräche im Aufsichtsrat und mit wichtigen Anteilseignern gegeben. Vor einer Woche habe ihm Achleitner dann per Telefon mitgeteilt, dass es Zustimmung für ihn gebe.

Der 60-Jährige war unter anderem von Dezember 2013 bis März 2018 Vizekanzler; insgesamt neun Jahre lang gehörte er dem Kabinett von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an, zunächst als Umweltminister, dann als Wirtschafts- und zuletzt als Außenminister.

Von 2009 bis 2017 war er Chef der SPD. Derzeit ist Gabriel Vorsitzender des Vereins Atlantik-Brücke; sein Bundestagsmandat hatte er im November vorzeitig niedergelegt. (hub/dpa/afp)



  © dpa

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