Die SPD hat zwei Spitzenjobs zu vergeben: Mit dem Rückzug von Andrea Nahles werden das Amt des Parteivorsitzenden und das Amt des Fraktionschefs frei. Mehrere Namen werden gehandelt - wobei einige bereits abgewunken haben.

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Nach dem Rücktritt von Partei- und Fraktionschefin Andrea Nahles sucht die SPD nach neuen Führungskräften. Manuela Schwesig, Malu Dreyer und Thorsten Schäfer-Gümbel werden den Parteivorsitz vorübergehend übernehmen - haben aber alle drei klargemacht, dass sie langfristig nicht zur Verfügung stehen.

Wer also könnte die Partei langfristig führen? Und den Fraktionsvorsitz übernehmen?

Simone Lange

Simone Lange.

Dass Simone Lange von Andrea Nahles als Parteichefin nie viel hielt, ist kein Geheimnis. Schließlich hatte sich die Oberbürgermeisterin von Flensburg im vergangenen Jahr gegen Nahles zur Wahl gestellt - und auf dem Bundesparteitag im April überraschend starke 27,6 Prozent geholt.

Eine erneute Kandidatur schloss Lange nicht aus. In der SPD müsse nun Platz gemacht werden für neue, frische Gesichter, sagte sie. Lange ist 42 Jahre alt. Sie gilt als Vertreterin des linken Parteiflügels und ist eine dezidierte GroKo-Gegnerin.

Hubertus Heil

Hubertus Heil.

Ambitionen auf den Posten an der SPD-Spitze werden auch Bundesarbeitsminister Hubertus Heil nachgesagt. Der 46-Jährige hat sich aber noch nicht ins Spiel gebracht.

Er gilt als Mann der ruhigen Töne, als einer, der vermitteln kann und daher so manchem als Hoffnungsträger. Allerdings dürfe es der SPD schwerfallen, den Wechsel an der Parteispitze mit einem GroKo-Minister wie Heil als Neuanfang zu verkaufen.

Rolf Mützenich

Rolf Mützenich.

Der Kölner SPD-Abgeordnete und Fraktionsvize Rolf Mützenich wird kommissarisch die Führung der Fraktion zu übernehmen. "Ich habe das schon häufiger als Vertretung für Andrea Nahles getan", sagte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger".

Mützenich sitzt seit 2002 für die SPD im Deutschen Bundestag und war lange ihr außenpolitischer Sprecher. Seit Ende 2013 ist er stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Der 59-Jährige hat also viel Erfahrung und genießt in der Fraktion breites Ansehen, ist bislang aber nur für den Übergang im Gespräch.

Achim Post

Achim Post.

Der Chef der einflussreichen NRW-Landesgruppe ist derzeit Nahles' Stellvertreter an der Fraktionsspitze. Seit Tagen wird spekuliert, dass er nun aufrücken könnte. Dass er auch den Parteivorsitz übernimmt, gilt hingegen als unwahrscheinlich.

Der 60-jährige Soziologe, der aus Minden in Ostwestfalen stammt, gilt als ausgleichend, ist im Unterschied zu Nahles ein eher ruhiger Typ. Als Experte für Europa, Haushalt und Finanzen hat ein breites Portfolio.

Gegen Post spricht sein Alter. Ein Generationswechsel ist mit ihm schwer möglich.

Martin Schulz

Martin Schulz.

Eigentlich hat Martin Schulz in der vergangenen Woche eine klare Ansage gemacht: "Ich werde nicht für den Fraktionsvorsitz kandidieren", schrieb er in einer E-Mail an die SPD-Abgeordneten.

Von der Liste gestrichen haben ihn dennoch nicht alle. Denn Schulz hat Kapazitäten - seit er als Kanzlerkandidat gescheitert und als Parteichef zurückgetreten ist, ist der 63-Jährige einfacher Abgeordneter. Und dass er nicht gegen Nahles antreten will, muss ja nicht heißen, dass er eine Kandidatur grundsätzlich ausschließt.

Matthias Miersch

Matthias Miersch.

Ähnlich wie bei Martin Schulz liegen die Dinge bei Matthias Miersch (50). Bei einem Treffen linker SPD-Abgeordneter am Dienstag soll Miersch gesagt haben, dass er nicht gegen Nahles antreten wolle. So hat es das Redaktionsnetzwerk Deutschland unter Berufung auf Teilnehmer berichtet. Ob er nach Nahles' freiwilligem Rücktritt Interesse an ihren Ämtern anmelden wird, ist offen.

Miersch ist Bundestagsabgeordnete aus Hannover und Sprecher der Parlamentarischen Linken in der SPD-Bundestagsfraktion.

Diese SPD-Politiker haben abgewunken

Manuela Schwesig: Viele Beobachter hatten der Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern gute Chancen auf den Posten als Parteichefin ausgerechnet. Doch Schwesig ließ am Montag wissen, ihr Platz sei in Mecklenburg-Vorpommern.

Malu Dreyer: Auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin will lieber auf ihrem jetzigen Posten bleiben. Damit hatten viele gerechnet. Nach Berlin, so hatte Dreyer immer wieder gesagt, wolle sie nicht wechseln. Ein Grund dafür dürfte ihre Multiple-Sklerose-Erkrankung sein.

Thorsten Schäfer-Gümbel: Der SPD-Vize und Landeschef der Partei in Hessen hatte bereits im März angekündigt, sich im Herbst von beiden Ämtern zurückziehen zu wollen.

Olaf Scholz: Er will Bundesfinanzminister bleiben. Andrea Nahles' Ämter zusätzlich zu übernehmen, sei zeitlich nicht zu schaffen, sagte der stellvertretende SPD-Vorsitzende am Sonntagabend in der ARD-Sendung "Anne Will".

Stephan Weil: "Ich bin und bleibe furchtbar gerne Ministerpräsident aus Niedersachsen und habe keine anderen Ambitionen", sagte Stephan Weil am Sonntag dem NDR-Regionalmagazin "Hallo Niedersachsen".

Sigmar Gabriel: Der Ex-Parteichef hat erklärt, dass er bei der nächsten Bundestagswahl im Jahr 2021 nicht noch einmal antreten wird. Somit ist er als Nahles-Nachfolger keine Option. (mcf/dpa)

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