Am Samstagmorgen hat die Auszählung des Mitgliederentscheids über den SPD-Partei-Vorsitz begonnen. Sechs gemischte Doppel stehen zur Wahl. Einen klaren Favoriten gab es bis zuletzt nicht. Ein Bewerber mahnt schon einmal alle, das Resultat in jedem Fall anzuerkennen.

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In der Zentrale der SPD läuft die Auszählung des Mitgliederentscheids über den künftigen SPD-Vorsitz seit Samstagmorgen auf Hochtouren. Im obersten Stockwerk des Willy-Brandt-Hauses in Berlin übernahm am Mittag eine zweite Schicht von Helfern das Sortieren und Zählen der Wahlbriefe.

Außerdem musste das Ergebnis der Online-Abstimmung ausgelesen werden. Am Abend sollen die Gewinner verkündet werden.

Insgesamt 250 Freiwillige aus ganz Deutschland sind im Einsatz. Gewählt werden die Nachfolger der zurückgetretenen Parteichefin Andrea Nahles. Fest steht bereits, dass die älteste Partei Deutschlands künftig von einer Doppelspitze geführt wird. Zur Wahl standen sechs Kandidatenduos.

Pistorius mahnt seine Partei zur Geschlossenheit

Generalsekretär Lars Klingbeil sprach von einem "spannenden Tag". Die Beteiligung der Mitglieder an der Chefsuche habe Überzeugungskraft gekostet, dann aber viele in der Partei mobilisiert, sagte Klingbeil der Deutschen Presse-Agentur (DPA).

"Es war richtig, dass wir mutig waren und diesen neuen Weg eingeschlagen haben, weil wir endlich mit den Ritualen der Vergangenheit brechen", so Klingbeil.

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius mahnte seine Partei zur Geschlossenheit. Entscheidend sei am Ende, dass sich alle hinter dem Ergebnis versammelten, auch wenn die Wahlbeteiligung nicht so irre hoch sei, sagte Pistorius der DPA in Erfurt. "Das Ergebnis muss stehen."

Es dürfe dann weder kleingeredet noch relativiert werden. Die Beteiligung hatte zur Halbzeit vor einer Woche erst bei 28,9 Prozent der rund 430.000 Mitglieder gelegen.

Landtagswahlen in Thüringen der Partei untergeordnet

Pistorius, der sich mit der sächsischen Integrationsministerin Petra Köpping um die Parteiführung bewirbt, unterstützte am Samstag gemeinsam mit drei weiteren Kandidaten-Duos die SPD Thüringen beim Straßenwahlkampf. In Thüringen wird am Sonntag ein neuer Landtag gewählt.

Die dringlichste Aufgabe eines neuen SPD-Führungsduos sei es, der Partei wieder Geschlossenheit und Selbstvertrauen zurückzugeben, sagte Pistorius. "Wir müssen dringend dafür sorgen, dass die verschiedenen Gliederungen und Flügel der Partei wieder zusammenfinden."

Wer hat künftig das Sagen bei der SPD?

Als erste hatten die nordrhein-westfälische Landtagsabgeordnete Christina Kampmann und Europa-Staatsminister Michael Roth ihren Hut in den Ring geworfen. Als Favoriten der Parteilinken gelten der frühere NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans und die Bundestagsabgeordnete Saskia Esken.

Ebenfalls chancenreich sind Finanzminister Olaf Scholz und die Brandenburgerin Klara Geywitz. Als Außenseiter dagegen gelten die Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach und Nina Scheer sowie Parteivize Ralf Stegner mit der Vorsitzenden der SPD-Grundwertekommission Gesine Schwan.

Mützenich sieht Scholz' Duo in der Favoritenrolle auf Partei-Vorsitz

Bundestagsfraktionschef Rolf Mützenich ließ erkennen, dass er Scholz' Duo in einer Favoritenrolle sieht. "Ich bin ganz zuversichtlich, dass Olaf Scholz ein gutes Ergebnis bekommen wird und die Stichwahlerreicht", sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Zugleich warb er für die Fortsetzung der großen Koalition - eine Position, mit der von den Bewerbern am ehesten Scholz verbunden wird.

Es wird damit gerechnet, dass kein Team im ersten Wahlgang mehr als 50 Prozent bekommt und eine Stichwahl nötig wird. Diese würde in der zweiten Novemberhälfte stattfinden. Das Ergebnis des Mitgliederentscheids muss von einem Parteitag Anfang Dezember bestätigt werden.  © dpa

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