Mit der Ernennung von Ursula von der Leyen zur Verteidigungsministerin überraschte Angela Merkel alle Beobachter. Dabei ergibt die Besetzung durchaus Sinn. In ihrem neuen Ressort hat Ursula von der Leyen beste Profilierungschancen - als Kanzlerkandidatin für die Bundestagswahl 2017.

Ursula von der Leyen strebt schon länger nach Höherem. Und Angela Merkel traut ihr vieles zu. Es ist gar nicht lange her, dass die Kanzlerin die Niedersächsin fast zur Bundespräsidentin gemacht hätte. Deutschland wäre ab 2010 beinahe von zwei Frauen in den höchsten Staatsämtern regiert worden, wenn nicht ein anderer Niedersachse namens Christian Wulff Frau Merkel im letzten Augenblick zum Umdenken gezwungen hätte. Für von der Leyen, die in Pressekonferenzen schon als Präsidentin in spe regiert hatte, war die Niederlage bitter. Dass ihr Vertrauensverhältnis zu Angela Merkel darunter nicht gelitten hat, zeigt ihr jüngster Karriereschritt.

Abstellgleis oder Falle?

Denn das Amt der Verteidigungsministerin ist mitnichten ein Abstellgleis oder gar eine Falle, um eine unliebsame Konkurrentin zu entsorgen, wie etliche Medien munkelten. Sicher, von der Leyens beiden Vorgängern war wenig Glück beschieden. Aber Baron Karl Theodor zu Guttenberg verließ das Amt nicht wegen der schwierigen Aufgaben, sondern scheiterte an seiner eigenen Vergangenheit - und an sich selbst.

Wie auch von der Leyens direkter Vorgänger Thomas de Maizière, der in der Affäre um die angebliche Verschwendung von Geldern für längst überflüssige Rüstungsprojekte höchst ungeschickt agierte. Auch in seinem Fall ist der Amtsinhaber über eigene Fehler gestolpert - und nicht über das Amt.

Das medienwirksamste Amt nach Kanzlerin und Außenminister

Wer es klug anstellt, kann sich über das Verteidigungsministerium dagegen profilieren wie in kaum einem anderen Amt. Denn es ist das einzige neben dem der Kanzlerin und des Außenministers, das medial höchst wirksame Dienstreisen inklusive hat. Das wusste auch schon zu Guttenberg, der gerne Kanzler werden wollte. Von ihm sind vor allem Bilder in Erinnerung geblieben, in denen er kernig neben deutschen Soldaten in Afghanistan posiert. Auch er wollte sich in dem Amt außenpolitisch profilieren. Und später einmal als Nachfolger von Merkel antreten.

Von der Leyen glänzt als Macherin

Wie auch Ursula von der Leyen, die mit Guttenberg nicht nur der Adelstitel verbindet. Ebenso wie einst der CSU-Baron hat sie innenpolitisch ihre Möglichkeiten zur Profilierung bereits weitgehend ausgeschöpft. Ob als Familienministerin oder Arbeitsministerin: stets glänzte sie als Macherin. Sie bleibt mit medienwirksamen Projekten wie Bildungsgutscheinen für Hartz IV-Kinder in Erinnerung - auch wenn diese weitgehend wirkungslos blieben. Jetzt gibt Merkel ihr die Chance, auf internationalem Parkett zu glänzen. Und sich, wenn sie es klug anstellt, für ihre Nachfolge in Position zu bringen.

Denn wer die deutschen Soldaten durch Krieg und Frieden führt, dem trauen die Deutschen wahrscheinlich auch den Job als Bundeskanzlerin zu. Von der Leyen hat jetzt vier Jahre Zeit, sich zu beweisen. Wenn sie bei der längst nicht abgeschlossenen Bundeswehrreform und im Agieren um die Rüstungsausgaben keine Fehler macht, stehen ihre Chancen für den nächsten Karriereschritt bei der Bundestagswahl 2017 gut.