Die Tornados der Bundeswehr sind ihrer Aufgabe technisch nicht mehr gewachsen. Ersatz muss her - und die deutsche Luftwaffe könnte mehr oder weniger gezwungen sein, auf einen amerikanischen statt auf einen europäischen Kampfjet zu setzen.

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Rund 90 der in die Jahre gekommenen Tornados der Bundeswehr sollen von 2025 an ausgemustert werden. Im ersten Quartal 2020 will Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer entscheiden, welcher Kampfjet dem Tornado nachfolgen soll.

Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge könnte das US-amerikanische Modell F-18 gegenüber dem europäischen Eurofighter die Nase vorn haben.

Die amerikanische Variante bietet demzufolge einen deutlichen Zeitvorteil. Eine notwendige Zertifizierung des Konkurrenzmodells Eurofighter durch die USA werde dagegen drei bis fünf Jahre länger dauern. Das gehe aus einem Bericht der US-Regierung an das deutsche Verteidigungsministerium hervor.

Jet muss US-Atomwaffen tragen können

Dass die Bundeswehr-Maschinen von den USA zertifiziert werden müssen, liegt daran, dass Deutschland die Kampfflugzeuge auch zur sogenannten nuklearen Teilhabe einsetzt - ein Abschreckungskonzept der NATO, bei dem Verbündete im Kriegsfall Zugriff auf Atomwaffen der USA haben können. Kurz gesagt: Die Eurofighter müssen auch amerikanische Atombomben tragen können.

Die F-18 hatte eine solche Zulassung bereits in einer früheren Baureihe. Der Eurofighter-Hersteller Airbus erklärt, die Voraussetzungen geschaffen zu haben - doch wie schnell die USA die Zertifizierung vornehmen, darauf haben weder der Hersteller noch die Bundesregierung Einfluss.

Bei Weiterbetrieb des Tornados drohen Milliardenkosten

Davon abgesehen, ob die USA die Zertifizierung im Interesse ihrer eigenen Rüstungsindustrie absichtlich verzögern oder nicht: Für die Bundesregierung dürfte der Zeitvorteil ein gewichtiges Argument für die Entscheidung zugunsten der F-18 sein. Denn bei einem Weiterbetrieb der alten Tornado-Flugzeuge drohen in Zukunft Milliardenkosten für den Unterhalt.

Der US-Bericht liegt dem Verteidigungsministerium nach dpa-Informationen vor. Die Details werden demnach aber nicht öffentlich gemacht.

"Wir stehen in stetem Austausch, auch schriftlich, mit unseren Partnern und Verbündeten", sagte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums am Freitag auf Anfrage. (dpa/hau/mcf)

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