Griechenland hat abgestimmt - und fast alles bleibt beim Alten. Alexis Tsipras ist wie schon bei der Wahl im Januar der strahlende Sieger, Syriza steht vor einer erneuten Koalition mit der rechtspopulistischen Anel. Doch etwas ist anders: Gianis Varoufakis jubelt nicht mehr an Tsipras' Seite. Er stichelt vielmehr gegen seinen einstigen Parteifreund.

Um den griechischen Rebellen war es deutlich ruhiger geworden. Nachdem Gianis Varoufakis im Juli dieses Jahres mit den Worten "Minister No More" als Griechenlands Finanzminister zurückgetreten war, blieben ihm die ganz großen Schlagzeilen - so wie man sie aus seiner Amtszeit kannte - meist verwehrt.

Was der Wahlsieg von Syriza für Deutschland und Europa bedeutet.

Erst wenige Tage vor der Parlamentswahl tauchte Varoufakis vermehrt in der Öffentlichkeit auf. Er tourte medienwirksam durch Europa, ließ sich bei einem umjubelten Auftritt in Paris von der französischen Linken feiern. Er lobte den linksgerichteten britischen Labour-Party-Vorsitzenden Jeremy Corbyn als "Politiker mit Überzeugung" und verglich ihn mit Ex-Premierministerin Margaret Thatcher. Und er schrieb einen Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung", in der er das Verhalten der Deutschen in der Flüchtlingskrise ausdrücklich lobt.

Doch natürlich sind es nicht nur warme Worte, die Varoufakis in der jüngeren Vergangenheit von sich gab. Erst Recht nicht, wenn er seine Meinung zur griechischen Parlamentswahl kundtat.

Das sagt die Presse zu der Wiederwahl von Alexis Tsipras.

Der "Mann mit dem großen Ego", wie ihn die griechische Boulevardpresse nennt, sagte bei jeder Gelegenheit, das Hilfsprogramm sei zu hart und daher nicht umsetzbar, egal wer das Land führt. Er kündigte früh an, nicht für die Wahlen kandidieren zu wollen - ob er ein politisches Comeback wagen wird, ist offen. Und er stichelte so oft es geht gegen seinen einstigen Parteifreund Alexis Tsipras, mit dem er nach dessen Entscheidung, sich das europäische Spardiktat auferlegen zu lassen, gebrochen hatte.

Nur wenige Stunden vor dem Urnengang am vergangenen Sonntag twitterte Varoufakis ein Foto, auf dem Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem herzhaft lachen. Darunter schreibt der 54-Jährige zynisch: "Ein Sinnbild für Sonntag. Das damalige Datum war der 13. Juli."

Die Botschaft, die dahinter steckt: Tsipras hat sein Volk verraten, sich gegen den Willen der Bevölkerung, die mit 61,3 Prozent gegen die Sparmaßnahmen votierten, gestellt und ist stattdessen vor den EU-Politikern eingeknickt, die sich darüber nun über alle Maßen freuen.

In zwei weiteren Tweets positionierte er sich noch klarer gegen Tsipras und Syriza. Er empfahl dem griechischen Volk, die Kommunistische Partei Griechenlands (KKE) oder eine der kleineren Parteien zu wählen. Zudem schrieb Varoufakis, dass er für die "Volkseinheit" ("Laiki Enotita") votieren werde.

Politisch gesehen spielt Varoufakis in Europa keine große Rolle mehr. Und auch die ganz große Bühne bekommt der Ex-Finanzminister nur noch selten geboten. Vollends verstummt ist der griechische Rebell deswegen aber noch lange nicht.