Prinz Charles wird heute 65 Jahre alt - Glückwunsch! Fast 62 davon hat er als direkter Thronfolger des britischen Königshauses verbracht - das ist weniger Grund zum Jubeln. Und während der gute Prince of Wales geduldig darauf wartet, sich die Krone endlich selbst aufsetzen zu dürfen, hat sich in der Welt so einiges ereignet.

Von Winston Churchill bis Angela Merkel

Als kleiner Knirps von gerade einmal drei Jahren tritt Prinz Charles die Thronfolge an. Damals ist Winston Churchill, der das Vereinigte Königreich durch den Zweiten Weltkrieg geführt hat, noch Premierminister. Seitdem haben zwölf weitere Personen dieses Amt bekleidet, unter anderem die "eiserne Lady" Margaret Thatcher, Tony Blair und der aktuelle Regierungschef David Cameron.

In der Bundesrepublik Deutschland kommen und gehen sieben Bundeskanzler. Eine Kanzlerin kommt und geht erst einmal nicht. Außerdem wird die DDR gegründet und wieder aufgelöst und die Berliner Mauer gebaut und wieder abgerissen. Charles erlebt als Thronfolger den Kalten Krieg und den Zusammenbruch der Sowjetunion.

Daneben gibt es auch etliche heiße Kriege: Korea, Vietnam, Golf- und Irakkriege sowie der Nahost-Konflikt sind nur einige davon.

Alle dürfen, nur Charles nicht

Während der langen Regentschaft von Charles' Mutter wechseln die Oberhäupter aller neun weiterer Monarchien in Europa jeweils mindestens zweimal. Mit Ausnahme von Spanien, wo die Krone seit Wiedereinführung der Monarchie 1975 das Haupt von Juan Carlos I. ziert. Davor war das Land unter Franco knapp vier Jahrzehnte lang eine Diktatur.

Von allen Ländern der Welt hat nur Thailand, seit 1946 mit König Bhumibol Adulyadej an der Spitze, das Staatsoberhaupt länger nicht gewechselt als das Vereinigte Königreich. Überhaupt waren außer Bhumibol nur vier andere Herrscher in der Geschichte länger im Amt als die Queen. Trotzdem dürfte es Charles freuen, dass ihm seine Mutter so lange erhalten bleibt.

Brot und Spiele

Charles ist schon Thronfolger, als ein 1940 gegründetes Hamburger-Restaurant im Jahr 1953 auf die profitable Idee kommt, sich zur Kette auszuweiten. 1974 eröffnet schließlich die erste McDonald's-Filiale im Vereinigten Königreich.

1966 gewinnt England zum ersten und bislang einzigen Mal die Fußballweltmeisterschaft, und das sogar im eigenen Land. Im Finale besiegen die "Three Lions" Deutschland nach Verlängerung und dem legendären "Wembley Tor", das eigentlich gar keines war, 4:2. Queen Elizabeth II. überreicht Kapitän Bobby Moore den Pokal und der noch nicht ganz volljährige Charles schaut zu.

Wunder der Technik

Etwa zur selben Zeit, als klein Charles zum ersten Anwärter auf die Krone wird, beginnen die USA und die Sowjetunion mit dem Wettlauf ins All. Doch erst 1969 hinterlässt ein Team von amerikanischen Astronauten um Neil Armstrong die ersten Fußabdrücke sowie eine US-Flagge auf der Mondoberfläche.

Der Prince of Wales wird sodann Zeuge einer regelrechten Technik-Explosion. Als die BBC 1967 ihr erstes reguläres TV-Programm in Farbe ausstrahlt, guckt Charles noch sprichwörtlich in die Röhre. Dann werden die Fernseher immer kleiner und flacher und das Bild am Ende sogar dreidimensional!

Daneben beginnt die Computerindustrie zu florieren. Aus riesigen, Kühlschränken ähnelnden Rechnern werden Personal Computer, Laptops und Tablets. 1990 beginnt die kommerzielle Phase des Internets und auf einmal ist die ganze Welt vernetzt.

Charles erlebt den Wandel vom Fernsprecher mit Wählscheibe hin zum Tastentelefon, staunt, als man plötzlich sogar ohne Schnur telefonieren kann und wundert sich heute über die "Smartphone" genannten Minicomputer, mit denen man auch telefonieren kann.

Der Soundtrack einer Thronfolge

Als Schüler erlernt der junge Thronfolger das Cello-Spiel und bewundert den russischen Cellisten Mstislaw Leopoldowitsch Rostropowitsch. Rebellierende Jugendliche tanzen plötzlich in unschicklicher Manier zu einer neuartigen Musikrichtung namens Rock 'n' Roll. Die Beatles und Elvis Presley lösen im Volk Begeisterung aus, die Charles sonst nur von gemeinsamen öffentlichen Auftritten mit seiner Mutter kennt.

Doch die Beatles lösen sich wieder auf und der "King" stirbt, während die Queen unablässig in ihrem Amt verweilt. Charles wiederum scheint sich inzwischen mit seiner Rolle als ewiger Prinz gut arrangieren zu können. Im Juli 2013 wird er Opa. Das Rampenlicht, das er ohnehin noch nie besonders mochte, überlässt er lieber seinen beiden Söhnen William und Harry.

Aus Charles' Jugend hat immerhin eine englische Band während all der Zeit überdauert. Die 1962 gegründeten Rolling Stones brauchten ein paar Jahre, um aus dem Schatten der Beatles hervorzutreten. Seit Mitte der 1960er Jahre befinden sich Mick Jagger, Keith Richards und Co. jedoch souverän auf dem Thron des Rock 'n' Roll. Dass man auf dort auf Dauer auch nicht glücklicher wird, zeigt einer der bekanntesten Hits der Stones: "(I Can't Get No) Satisfaction".

In diesem Sinne alles Gute Charles!