Jan Böhmermann ätzt gegen den durchvermarkteten Einheitsbrei, der als deutsche Popmusik firmiert und bekommt dafür beim Echo Kritik entgegengebellt. Ausgerechnet von einem, der in dieser Sache mit ihm einer Meinung sein müsste: Campino von den Toten Hosen. Was ist denn da passiert?

Wenn sich Jan Böhmermann über etwas ärgert, dann ist er nicht zimperlich. Das bekamen im letzten "Neo Magazin Royale" Max Giesinger, der Echo und eigentlich die halbe deutsche Musikprominenz zu spüren. Böhmermann schimpfte über die "seelenlose Kommerzkacke", die beim Echo ausgezeichnet werde und sezierte das aus seiner Sicht unerträgliche "Heile-Welt-Getue" in der deutschen Popmusik.

Beim Echo selbst wurde zu dem Thema überraschend wenig gesagt. Der einzige, der sich tatsächlich öffentlich gegen Böhmermann äußerte, war Tote-Hosen-Sänger Campino. "Lieber uncool sein als ein cooles Arschloch, das sich nicht konstruktiv einbringen kann", sagte er im Rahmen einer Laudatio. Dabei waren die Toten Hosen selbst doch eigentlich mal der Gegenentwurf zur EinheitsPop-Welt, die Anfang der 80er-Jahre in Radio und TV zelebriert wurde. Was genau stört also Campino?

Ist Campino im Alter nicht nur ruhiger, sondern tatsächlich so viel milder geworden, dass er sich jetzt plötzlich mit Max Giesinger, Mark Forster, Glasperlenspiel und Kollegen solidarisiert? Ist er so sehr Teil des Musikbusiness, dass er sich persönlich von Böhmermanns Kritik angesprochen fühlt? Immerhin gehört das Label der Toten Hosen zur Plattenfirma Warner Music, die in Böhmermanns Tirade auch ihren Teil zu hören bekommen hat.

Die Antwort ist wahrscheinlich viel einfacher: Campino selbst war nämlich auch schon einmal Ziel von Jan Böhmermanns Attacken. Als er zu Weihnachten 2014 eine deutsche Version von "Do They Know It's Christmas" zugunsten der Organisation "Band Aid" organisierte, musste er sich für sein soziales Engagement ziemlich öffentlichkeitswirksam bloßstellen lassen. Und das, obwohl er aus seiner Sicht ja nur etwas Gutes tun wollte. Seitdem trägt er anscheinend einen Groll auf den Moderator mit sich herum. Und der musste jetzt eben mal raus - egal, ob der Anlass passt.