Der Münchner Sänger und Songwriter Kaled will mit neuem Sound die Musikwelt aufmischen. Dabei setzt er auf sein eigenes Genre, wie er sagt: urbanen Mundart-Pop. Was das genau sein soll und mit welchen Songs er sein Publikum bereits begeistert, darüber haben wir mit dem Newcomer gesprochen.

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Wie bist Du zur Musik gekommen? Was begeistert Dich daran?

Kaled: Ich wurde schon sehr früh mit dem Musikvirus infiziert (lacht). Meine Eltern ließen ständig den Kassettenrekorder laufen. Wir haben von Elvis über Konstantin Wecker, Herbert Grönemeyer und Harry Belafonte querbeet alles gehört. Und in der Schule hatte ich in der Aula einen Auftritt. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht.

Deine Lieder sind auf Deutsch. Wie sehr magst du deutschsprachige Musik?

Ich habe lange mit mir gehadert, ob ich deutsche Musik gut finde oder nicht. Als ich 17 Jahre alt war, hat es Klick gemacht. Da habe ich mir gesagt: Ich denke, rede und träume auf Deutsch.

In dieser Zeit habe ich Lieder von Rio Reiser gehört. Überzeugt hat mich schließlich Xavier Naidoo mit seinem Song "Nicht von dieser Welt". Ich denke, damals war jedem klar: Deutsche Musik ist cool. Ich liebe auch englische Songs. Meine großen Vorbilder sind Michael Jackson und Prince. Und ich höre gerne Rap und Hip-Hop.

Die Liebe zur Musik ist das eine, aber man braucht auch Talent …

Das stimmt. Ich denke, ich hatte schon immer ein gewisses Talent. Anfangs wusste ich nicht, wie ich es einsetzen kann. Das klingt vielleicht abgedroschen, aber tatsächlich habe ich mit Kassettenrekorder und Mikrofon im Kinderzimmer Songs nachgesungen. Ich habe damit viel Zeit verbracht. Als ich dann meine ersten Jobs hatte, habe ich Gesangsunterricht genommen.

Du hast mit 16 Jahren eine Ausbildung gemacht. Was hast du gelernt?

Kommunikationselektroniker. Zuletzt war ich Key Account Manager im E-Commerce-Bereich. Aber mein Traum war tatsächlich immer nur, Musik machen zu dürfen.

Du hast einen sicheren Job für die Musik an den Nagel gehängt …

... keine Frage. Doch Universal hat mir ein sehr gutes Angebot gemacht. Natürlich gehe ich schon ein Risiko ein, denn wenn der Plan nicht funktioniert, wird’s eng. Momentan stecke ich alles in meine Musik: meine Zeit, mein Geld. Ich kaufe mir keine neue Uhr oder ein neues Auto. Ich möchte einfach, dass mein erstes Album richtig gut wird. Also (re)investiere ich – in der Hoffnung, dass das zurückkommt.

Wie haben Freunde, Bekannte und Familie auf diesen Job-Wechsel reagiert?

Die fanden es sehr mutig und haben mir gratuliert. Meine Eltern waren sehr begeistert. Als mein Vater mich das erste Mal im Fernsehen gesehen hat, war er sehr stolz und hatte Tränen in den Augen. Viele glauben, ich hätte es jetzt geschafft. Doch ich bin noch ganz am Anfang, das Abenteuer beginnt jetzt erst. Ich gehe auch ganz normal im Supermarkt einkaufen, fahre mit der U-Bahn – wie jeder andere auch. Allerdings hat sich schon etwas verändert. Auf der Straße erkennen mich die Leute, winken mir zu, machen Fotos mit mir.

Wie groß war deine Sorge, deinen sicheren Job hinzuschmeißen?

So eine Chance bekommt man vielleicht nur einmal. Im Worst Case bin ich nach zwei Jahren wieder in meinem alten Job. Allerdings habe ich großes Vertrauen in die Sache, weil ich an meine Musik glaube. Meine Lieder haben einen gewissen Entertain-Faktor und sie haben alle eine Botschaft. Einige Songs sind sozialkritisch oder politisch – natürlich mit viel Augenzwinkern. Das heißt, sie sind nicht theatralisch oder zu traurig.

Wie würdest du deine Musik vom Genre her beschreiben?

Ich nenne es urbanen Mundart-Pop. Urban, weil die Drums teilweise sehr hart oder dem Hip-Hop ähnlich sind und ich, obwohl ich mit bayerischem Dialekt singe, nicht in Lederhosen auf die Bühne gehe. Pop, weil es sich um populäre Musik handelt. Außerdem ist die Gesangsmelodie leicht soulig. Ich wollte mich nicht in eine vorgefertigte Schublade pressen lassen, daher habe ich mir meine eigene gemacht (lacht).

Du schreibst die Songtexte selbst?

Ja. Ich arbeite schon länger als Songtexter für bekannte Sänger. Ich schreibe auf Deutsch – auch mit Dialekt. Vor zwei Jahren habe ich schließlich mit einem Songwriter-Team ein Lied geschrieben, das mir selber sehr taugt, echt ist und authentisch.

© YouTube

"Kennst mi no" ist ein richtiger Ohrwurm. Bei Radio Gong war er lange in der Shitparade – wurde vom Publikum also gut angenommen und nicht rausgewählt. Dein Video hat mittlerweile auf YouTube mehr als eine halbe Million Aufrufe. Wie fühlt sich das an?

Richtig gut. Die Kommentare sind überwiegend positiv. Das war mir wichtig. Der Song ist jetzt ein paar Monate alt und trotzdem findet er noch Gefallen. Das freut mich sehr.

Wie geht denn die Geschichte von "Kennst mi no" aus? Im Video bleibt das Ende offen …

Es gibt kein Happy End, denn es ist die Geschichte eines sehr guten Freundes. Sie ging nicht gut aus. Ich bin auch eher der Typ, der kein Happy End will.

Du hattest bereits einige größere Auftritte. Bei der Verleihung des bayerischen Sportpreises war das Publikum von dir begeistert. Für deine TV-Auftritte gab es viel Lob. Wie fühlt sich das an, die Leute so mitzunehmen?

Die Resonanz ist wirklich super. Ich glaube, es ist an der Zeit für diese Art von Musik.

Wieso hast du nie an Casting-Shows teilgenommen?

Ich sehe keinen Sinn darin, fünf Minuten Ruhm zu haben und danach von der Bildfläche zu verschwinden. Außerdem wäre ich sicher der falsche Kandidat. Ich bin vielleicht zu engstirnig, um mir musikalisch etwas vorschreiben zu lassen.

Würdest du beim ESC antreten?

Ja, unbedingt. Ich habe sogar schon den passenden Song – einen politischen.

© YouTube
Am 14. September hat Kaled seine neue Single “Ende Anfang” veröffentlicht. Sein Debütalbum ist für das Frühjahr 2019 angekündigt.