Lieber Heino,

Eine Kolumne
von Christian Schommers

mit einem Tag Verspätung, aber deswegen nicht weniger herzlich gemeint, meine Glückwünsche zu Deinem 78. Geburtstag. Ich sag’s mal mit allem angebrachten Pathos: Du bist ein Gigant, ein deutsches Phänomen und nach einigem Auf und Ab eine lebende Legende, die Generationen übergreifend akzeptiert und geschätzt wird.

Diese Musiker hätten auf gemeinsame Auftritte besser verzichtet.

Das war nicht immer so! Zu Beginn wurdest Du oft und gerne in der rechten Ecke verortet. Als Interpret deutschen Volksliedguts (Blau blüht der Enzian, Schwarzbraun ist die Haselnuss) warst Du per se verdächtig. Dann hast Du mal auf Bitte von Hans Filbinger alle Strophen des Deutschlandliedes interpretiert, bist – als es da noch Apartheid gab – durch Südafrika getourt und wurdest von den Ewiggestrigen gerne als Stimme missbraucht.

Doch unbeirrt von manch’ boshafter Kritik und fieser Parodie hast Du Deine Charmeoffensive konsequent durchgezogen und Dir mit den Jahren auch den Respekt andersdenkender Zeitgenossen verdient. Jan Delay, der Dich noch 2014 als "Nazi" bezeichnete, hat sich außergerichtlich mit Dir geeinigt. Anders als Lindenberg, den wir mit seinen 70 als Teil unser eigenen Popgeschichte ausmachen, gehörst Du (nur acht Jahre älter) noch zur Vorkriegsgeneration.

Das hat Dich allerdings nicht davon abgehalten, musikalisch immer wieder neue Wege einzuschlagen und die Marke Heino frech auszudeuten. Rap-Versionen Deiner Hits, Ausflüge in die Klassik, 2013 dann der Coup: das Studioalbum "Mit freundlichen Grüßen" mit zwölf Coverversionen bekannter deutschsprachiger Rock- und Pop-Hits. Viel Kontroverse, viel Erfolg.

"In den ersten Tagen nach Erscheinen wurde das Album so oft aus dem Internet heruntergeladen wie kein Werk eines deutschen Interpreten zuvor und stieg auf Platz 1 in die deutschen Album-Charts ein. Am 1. August trat Heino als Überraschungsgast auf dem Metalfestival Wacken Open Air auf und spielte gemeinsam mit Rammstein den Song Sonne ..." (Wikipedia).

Solch eine Berufung zum Spätrocker hätte Dir niemand zugetraut, aber Du hast es einfach gemacht. Du warst/bist ein Verwandlungskünstler, der in vielen Lebensrollen überzeugt hat: Zuckerbäcker, Hobby-Kicker, Kaffeehaus-Betreiber, TV-Moderator, Showstar, Fernseh-Juror – und immer wieder der Sänger mit dem dunklen Timbre.

Oft parodiert, so zum Beispiel von Blödelstar Otto, wurde das Original nie erreicht. Du bist längst eine Marke, eine Ikone inklusive schwarzer Brille, semmelblonder Haare und diesem krass tiefen Bariton. "Der wahre Heino" – das bist, ganz klar, Du. Das hat seinerzeit sogar ein Gericht bestätigt. Und ein guter Geschäftsmann bist Du zudem. Gerade ist, pünktlich zum Fest, das Album "Mit weihnachtlichen Grüßen" erschienen.

Mehr dazu und vieles andere kann man bei uns im Geburtstagsinterview nachlesen. Was singt Heino zu Weihnachten in Kitzbühel mit seiner Hannelore unterm Baum? "Wir waren eine große Familie. Meine Schwester und ich mussten damals um 18 Uhr zu Hause sein. Dann wurde die Glocke geschellt, die Türe ging auf und dann musste ich ein Weihnachtslied singen. Da habe ich dann "Stille Nacht, heilige Nacht" gesungen mit damals noch glockenheller Stimme. Die Stimme hat sich natürlich über die Jahre etwas nach unten verändert, aber das war so Tradition".

Lieber Heino, noch einmal herzlichen Glückwunsch und eine schöne Weihnachtszeit!   © top.de