Kann man machen, muss man aber nicht! Als frisch gebackener Formel-1-Weltmeister mit nur 31 Jahren seine Karriere zu beenden, das ist für die einen ein "Schock" und ist für andere "verständlich".

Eine Kolumne
von Christian Schommers

Auf jeden Fall hatte Nico Rosberg bei seiner Ankündigung den Überraschungsmoment voll auf seiner Seite. Mit diesem Schritt hat wohl niemand gerechnet. Breaking news auf allen Kanälen.

Normal ist, dass ein Titelgewinn die Gier nach mehr erzeugt. Siehe Schumacher mit sieben WM-Titeln oder Sebastian Vettel, der 2010 als jüngster Fahrer seinen ersten und dann in Folge drei weitere gewann. So hat das im Highspeed-Sport zu sein – und nicht anders. Doch dann kam Rosberg und sagte: Aus und vorbei, neues Lebenskapitel. Zwar zollten vor allem internationale Kommentatoren Rosberg Respekt für seine Entscheidung, doch hierzulande schüttelten auch einige nachdenklich das Haupt.



Niki Lauda (67), dieser ewig grantelnde Wahrsager, "geht", laut "Bild", "auf Rosberg los". Der "Welt am Sonntag" sagte der Mercedes Aufsichtsrat: "Er hat mit uns einen Zweijahresvertrag unterschrieben und wir haben ihm hoch motiviert das beste Auto zur Verfügung gestellt. Und jetzt stehen wir blöd da. (...) Wenn ich das sage, gebe ich zu bedenken, dass dieser Vorgang für Mercedes und die 1200 Mitarbeiter der Formel-1-Abteilung harter Tobak ist."

Toto Wolff (44), Mercedes-Motorsportchef, zeigte da schon mehr Verständnis: "Es ist natürlich nicht ideal zu diesem Zeitpunkt. Gerade, weil die Fahrer-Stabilität ein wichtiger Faktor unseres Erfolgs ist. Diesen sensiblen Bereich neu zu besetzen wird nicht einfach. Trotzdem: Die Entscheidung ist mutig und verdient Respekt."

Der fehlt dem Ex-F1-Kollege Hans-Joachim Stuck, Präsident des Deutschen Motorsport Bundes: "Als Rennfahrer kann ich das überhaupt nicht nachvollziehen. Wo ist die Passion, wo ist die Leidenschaft? Wenn ich einen Titel gewonnen habe, dann muss ich den auch verteidigen... Wenn man ein Rennfahrer mit Herz und Leib und Seele ist."



Und was sagt Nico selbst. Er lässt uns wissen, dass er 25 Jahre davon geträumt und dafür gearbeitet hat, Weltmeister zu werden und dass er sich diesen Traum jetzt erfüllt hat. Dass er nicht von langer Hand den Rücktritt geplant habe und nie für die immer wieder ins Spiel gebrachten 44 Millionen Euro, die er jetzt einfach so liegen lässt, Rennen gefahren ist.

Rosberg: "Das Schönste in meinem Leben ist meine Familie, meine Frau Vivian und unsere kleine Alaia. Ich möchte mehr Zeit für sie haben und das noch mehr genießen, denn meine Tochter ist nur anderthalb Jahre alt."

Man soll gehen, wenn es am schönsten ist. Rosberg hat genau das getan und seine Entscheidung ist seine und basta. Was wissen wir denn, wie es ist, monatelang durch die Weltgeschichte zu kutschieren, von Zuhause weg zu sein, von Rennstrecke zu Rennstrecke zu pilgern und immer wieder sonntags mit einem Affenzahn im Kreis zu fahren? Was wissen wir denn, wie das ist, dem Duft von weiter Welt und benzingeschwängerten Motorengebrüll, dem Cockpit eines F1-Boliden, der Kameradschaft eines F1-Teams zu entsagen?

Im englischen "Guardian" konnte man folgendes lesen: "Nico Rosbergs Entscheidung, auf dem Höhepunkt seiner Karriere und mit dem Geschmack des Sieges-Champagners im Mund zurückzutreten, ist brillant. Womöglich möchte er seinen Titel nicht unter dem kritischen Blick derer verteidigen, die glauben, sein Erfolg beruhe einzig auf ein paar Motorschäden an Hamiltons Auto." Welche Gründe Rosberg auch hat, sie sind zu respektieren.


In diesem Sinne einen erfolgreichen Wochenauftakt!

Christian Schommers



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