Ralf Schmitz gibt den RTL-Liebesboten und vermittelt wieder Menschen, die auf dem normalen Dienstweg keinen Anschluss finden. Warum er das tut, weiß man nicht. Warum man sich "Take Me Out" ansehen sollte, auch nicht.

Es ist schon erstaunlich. Da hat sich die Menschheit im Laufe ihrer Liebesgeschichte die allergrößte Mühe gegeben, sich bei der Partnersuche stetig einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Um den Kandidatenkreis zu vergrößern, guckte man auch mal im Nachbardorf nach potenziellen Ehepartnern, man schaltete Kontaktanzeigen und inzwischen sucht man bei Dating-Plattformen im Internet nach dem oder der Künftigen.

Und nun, da damit der größtmögliche Lebensabschnittsgefährten-Pool gefunden scheint, reduziert der Mensch diese Freiheit wieder auf ein Minimum und geht zur Partnersuche ins Fernsehen. Man muss kein Schelm sein, um zu ahnen, dass es bei solchen Partnervermittlungsshows dann weniger um Partnervermittlung geht als um die Show.

Wer hat sein Image im Dschungel aufpoliert - wer nicht?

"Take Me Out": 30 gegen einen

Liebessender-RTL jedenfalls freut diese eigenwillige Logik und versucht seit gestern Abend wieder, Liebeswillige sich zum Affen machen zu lassen, äh, Entschuldigung, zueinander zu führen. Unter der Woche treibt RTL ja bereits mit "Der Bachelor" sein Unwesen bei der Partnervermittlung, nun bringt Ralf Schmitz wieder zusammen, was glaubt, im Fernsehen zusammengebracht werden zu müssen. Kurzum, "Take Me Out" ist wieder da.

Wer jetzt nicht mehr so ganz weiß, was das ist, hier ein Hinweis: Ein Mann muss 30 Frauen rundenweise von seinen Vorzügen überzeugen. Schafft er das nicht, drückt Frau einen Knopf und muss sich nicht weiter um das Geschehen kümmern. In Runde eins reicht dafür schon das Aussehen. Am Ende darf sich der Mann dann aus den verbliebenen Damen die nach subjektivem Empfinden Gefälligste aussuchen und mit ihr hübsch essen gehen.

Hildmanns bizarrer Versuch vor der Show ins Gespräch zu kommen.

"Wir können ja modeln gehen"

Das klingt alles nach einer Mischung aus Basar, Mädelsabend und Flaschendrehen – und ist es auch. Es gibt anzügliche Sprüche, laue Witze und viel hysterisches Gegacker – und da sind wir erst bei Moderator Schmitz. Was die Teilnehmer da so von sich geben, ist dem Niveau aber auch nicht gerade zuträglich.

Zwischen dem ganzen Gedrücke müssen sich die Damen nämlich für ihre Entscheidung rechtfertigen und das klingt dann mitunter so: "Wir könnten zusammen ins Fitnessstudio gehen. Oder modeln. Das mach ich auch." Genau. Kennt man ja vom Freitagabend: "Schatz, watt wollnwa heute Abend machen? Ins Kino oder zusammen modeln gehen?"

"Take Me Out": Eher nicht

"Take Me Out" ist so etwas wie aufgeblasenes Fernseh-Gruppen-Speed-Dating, nur dass einem 30 Frauen gleichzeitig einen Korb geben können. Dass es bei solchen Verkupplungsshows nur um die Show geht und weniger ums Verkuppeln, hatten wir ja schon geklärt und das wäre auch in Ordnung – wenn denn wenigstens die Show funktionieren würde. Das tut sie aber nicht.

Moderator Ralf Schmitz gibt zwar sein Bestes, dem Ganzen noch irgendeine Unterhaltungsrelevanz zu geben, kann der Show aber auch nicht ihren 1990er-Jahre-Privatfernsehen-Charme austreiben. "Take Me Out" ist so unterhaltsam wie ein Häschen-Witz und so notwendig wie ein drittes Nasenloch. Wer am Samstagabend um 23:00 Uhr zuhause sitzt und "Take Me Out" guckt, der schreibt entweder TV-Kritiken oder sollte sich vielleicht auch mal im Fernsehen nach dem Richtigen umsehen.