Sexy sollte es diesmal zugehen bei "Germany's next Topmodel". Da hat die Klum so ein Faible für. Damit ihr die Mädchen auch glauben, dass es für ihre Karriere absolut wichtig ist, sich als sexy Bäuerinnen zu verkleiden, hat sich die Klum diesmal Fotografin Ellen von Unwerth als Verstärkung geholt.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock, Freier Autor

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"Germany's next Topmodel" beginnt, wie "Germany's next Topmodel" fast immer beginnt: mit Lärm und Heidi Klum. Ein Zusammenhang zwischen beidem liegt nicht fern.

Diesmal ganz besonders, denn die Klum sitzt auf einem Traktor und versucht sich zur Begrüßung an etwas, das man nur im Kontext als Jodeln einstufen würde.

Was die Klum aber wohl mit ihrem "Jodeln" ausdrücken wollte, ist der Umstand, dass man sich immer noch in den österreichischen Alpen befindet. Alpen assoziiert Frau Klum offenbar sofort mit Jodeln und es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass hier den simpelsten Reiz-Impuls-Ketten gefolgt wird.

Doch wir haben Glück, es ist bereits die vierzehntletzte Folge, allzu lange dauert es also nicht mehr, bis wieder Ruhe einkehrt. Vorher jedoch "steht die Sexy-Edition auf dem Programm", wie die Klum verkündet.

Hauptsache sexy

Nun ist es nicht immer leicht herauszufinden, was genau bei Heidi Klum mal wieder den "Sexy"-Impuls ausgelöst hat, diesmal ist es offenbar ihr Bild von der Agrarökonomie. "Ihr werdet heute Bäuerin sein", erklärt die Klum den Mädchen. "Und ich hab' auch euer Outfit mitgebracht, was man da so trägt als Bäuerin", fährt die Klum fort und hält einen Kleiderbügel mit Trachten-Dessous hoch.

Man kann der Klum vieles vorwerfen, aber nicht, dass sie bei ihrer Arbeit nicht bemüht wäre, ein möglichst realistisches Abbild der Wirklichkeit zu vermitteln. Wem schießen nicht sofort Bilder von jungen, leicht bekleideten Mädchen in den Kopf, wenn er an den deutschen Bauernverband denkt.

Aber die Klum macht das nicht für die Quote, sondern um den Mädchen die bestmögliche Ausbildung zukommen zu lassen, wie Gastjurorin und Fotografin Ellen von Unwerth erklärt: "Es ist schön, die neuen deutschen Mädchen zu zeigen und ihnen auch eine Chance zu geben, vielleicht in der Modelwelt Karriere zu machen." Nicht schlecht, Frau Unwerth – fast hätten wir's geglaubt.

Im Schlüpper auf der Berghütte

Die Mädchen jedenfalls müssen nun also auf einer Berghütte im Schlüpper um einen Typen in Lederhose herumtänzeln und ein sexy Schnütchen ziehen, um besagte Karriere-Chance zu nutzen. Wahnsinn, was man Heranwachsenden selbst im Jahr 2019 noch so alles erzählen kann.

Bei manchen der gerade mal volljährigen Mädchen sorgt die Nachricht, dass das Male-Model sie auch anfassen wird, für Aufregung – fast so, als ob sie gerade mal volljährig sind.

In Sayanas bisheriger Lebenswelt beispielsweise spielte die Notwendigkeit, sexy sein zu müssen, noch dazu mit einem fremden Mann, eine eher untergeordnete Rolle. Dem Shooting begegnet sie deshalb mit einer gewissen Skepsis, was man ihr offenbar anmerkt: "Das muss dir auch ein bisschen Spaß machen! Das sieht nicht so aus, als würde es dir Spaß machen", animiert Heidi Klum Soraya zu etwas mehr Spaß.

Interessant ist dabei vor allem, wie die Mädchen versuchen, sich die Hemmungen und den künstlichen Gruppenzwang wegzureden: "Sayana, denk einfach: Das bist nicht du. Das ist deine Aufgabe. Die wollen dich halt so sehen", macht sich beispielsweise Sayana selbst Mut.

Klamotten viel "zu nuttig"

Auch andere Mädchen wählen für das sexy Male-Model-Shooting eine ähnliche Strategie der Selbstverleugnung. Egal, ob sie Kummer haben, weil der Freund zuhause sitzt oder sie die Klamotten zu "nuttig" finden – die Mädchen sollen ihre Hemmungen ablegen, der Kunde würde das später auch nicht gelten lassen.

"Es muss niemand tun, was einem nicht gefällt, aber man muss dann damit klarkommen, dass Heidi was dazu sagt", weiß Vanessa und zeigt damit, welche Spuren 13 Staffeln "Germany's next Topmodel" in den Köpfen junger Mädchen bereits hinterlassen haben.

Und da die Klum noch mehr Spuren hinterlassen möchte, gibt es für die Damen erst eine Unterrichtseinheit im sexy durch den Kuhstall laufen und dann eine Teamchallenge, in der das Gelernte gleich umgesetzt werden soll.

"Germany's next Topmodel bei Heidi Klum"

Also läuft die ganze Truppe nacheinander sexy durch den Stall, fährt sich verführerisch durchs Haar und wirft den Kühen so lange Luftküsse zu, bis ein Team von Klum zum Sieger erklärt wird. Zur Belohnung gibt’s ein Hüttenabend-Gespräch mit Heidi Klum sowie einen Stapel Fotoapparate des Werbepartners.

Kurzum, es war ein günstiger Abend für ProSieben und für die Damen eine ungemeine Bereicherung, denn Heidi Klum erzählt so interessante Sachen wie das Geheimnis, wie sie die Show und ihre Kinder unter einen Hut bekommt: "Deswegen machen wir meistens die Staffel zuhause bei mir in L.A."

Aha, es müsste also "Germany's next Topmodel bei Heidi Klum" heißen und nicht "by Heidi Klum".

Wie auch immer, für die Klum ist die Folge immer noch nicht sexy genug, weshalb auch der Entscheidungswalk sexy sein soll: "Meine Mädels laufen als glitzernde Schneeflocken. Am Wichtigsten ist aber, dass die Mädchen mit einem sexy Walk überzeugen. Und zu einem sexy Walk gehört auch ein sexy Outfit."

Gehet Mädels, wie sexy Schneeflocken

Natürlich gehört es das. Wenn jemand sexy walkt, dann ja wohl Schneeflocken. Kennt man doch aus dem Wetterbericht, wenn wieder einmal Glatteis und sexy Schneeflocken angekündigt werden.

Also laufen die Mädchen als ebenjene sexy Schneeflocken durch die Voralpenprärie, bis Heidi Klum eine mittlere einstellige Zahl an Mädchen für nicht weiter teilnahmefähig erklärt. Warum ausgerechnet diese Mädchen? "Es liegt in Heidis Händen, erklärt Maria die einzige Regel der Show."

Dann ist endlich wieder Ruhe.