Lou-Anne gewinnt am Donnerstagabend die 17. Staffel von "Germany's Next Topmodel", die Chance auf das ultimative Drama wird beim Finale verpasst. Obwohl die Vorwürfe des YouTubers Rezo über der Liveshow schweben, tanzt und singt Heidi Klum, als wäre nichts gewesen. Dann macht sie in Richtung ihrer Kritiker aber doch eine klare Ansage.

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Eine Kritik
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Über fast vier Monate hat sich die 17. Staffel von "Germany's Next Topmodel" hingezogen. Nach 17 Folgen, jede einzelne inklusive Werbung mehr als drei Stunden lang, ist das Modelcasting am Donnerstagabend um kurz nach 23 Uhr dann ganz plötzlich vorbei. Erstaunlich kurz und schmerzlos verkündet Heidi Klum während der Liveshow aus Köln die diesjährige Siegerin.

Die 18-jährige Lou-Anne aus Österreich darf sich nun "Germany's Next Topmodel" nennen, sie wird das Gesicht einer Make-up-Firma, grüßt vom Cover eines Mode-Magazins und gewinnt außerdem noch 100.000 Euro. Lou-Anne war eine der Favoritinnen. Dass sie den Model-Thron besteigt, ist keine große Überraschung. An anderen Stellen verläuft das Finale aber doch anders als erwartet.

Zum Beispiel, was die Platzierungen angeht. Als erste scheidet Anita aus, dann folgt mit Noëlla schon eine Topfavoritin. Nun scheint der Weg frei zu sein für das ultimative GNTM-Drama, nämlich das Mutter-Tochter-Duell um den ersten Platz. Doch die Jury um Heidi Klum lässt diese Chance liegen. Die 50-jährige Martina muss Luca den Vortritt lassen, sie belegt am Ende Rang drei.

"Germany's Next Topmodel": Sophie darf als Backstage-Reporterin ran

Recht spektakulär gerät tatsächlich einer der letzten Walks, bei dem Lou-Anne und Luca kopfüber hängend an einem umgedrehten Laufsteg entlang laufen, der mehrere Meter über dem Boden hängt. Wie das funktioniert, bleibt offen. Sekundenkleber? Klettverschlüsse? Ein Antischwerkraft-Feld? Wie werden es wohl nie erfahren.

Überraschend ist auch, dass der Personality-Award nicht an Senioren-Model Lieselotte oder Fan-Liebling Viola geht. Stattdessen darf sich die 19-jährige Sophie freuen, die außerdem in der Rolle der Backstage-Reporterin die bereits ausgeschiedenen Models interviewen darf. Sie redet gewohnt schnell und gewohnt viel. Einmal sagt sie sogar "meine Models". Läuft sich da neben Leni Klum noch jemand für die Heidi-Nachfolge warm?

Sie standen im Finale der diesjährigen "Germany’s Next Topmodel"-Staffel: Anita, Luca, Martina, Noella und Lou-Anne. In ihrer Mitte: Heidi Klum.

Auch das GNTM-Finale hat seine Längen

Alles das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Finale wie eigentlich alle anderen Folgen auch seine Längen hat. Die Überlänge tut "Germany's Next Topmodel" nicht gut, eine Stunde weniger hätte es bei fast allen Folgen auch getan. Ein Walk folgt am Donnerstag auf den nächsten, Heidi Klum ruft ständig "Auuuu", Sophie sagt mehrfach allen ausgeschiedenen Kandidatinnen, wie toll und wie heiß sie doch sind.

Die Finalistinnen laufen wieder mal in Lack-und-Leder-Kostümen über den Laufsteg, Lou-Anne und Luca präsentieren sich am Ende dem wie wild klatschenden Publikum in knappen Glitzer-Bikinis. Zwischenzeitlich entpuppt sich ein rosa Bett voller Kuscheltiere als Trampolin. Darin müssen die Models springen und für Fotografin Ellen von Unwerth posieren.

Heidi Klum kontert alle Kritik: "Wir machen weiter wie bisher"

Unweigerlich muss man in diesem Moment an Rezo denken. Der YouTuber und Influencer hatte unmittelbar vor der Finalshow ein Video veröffentlicht, in dem er mit GNTM und Heidi Klum abrechnet und auf die schweren Vorwürfe von Ex-Kandidatinnen eingeht. Vieles in der Show sei gestellt, viele Konflikte würden bewusst herbeigeführt und Statements der Kandidatinnen manipuliert. Junge Mädchen würden sexualisiert und unter anderem zu Nacktshootings überredet.

Wie schon mehrfach zuvor scheint Rezo mit seinem Video den Nagel auf den Kopf getroffen zu haben. Die Frage, ob Castingshows, in denen Menschen vor einem großen Publikum bewertet und nicht selten gedemütigt werden, noch zeitgemäß sind, wird schon länger diskutiert. GNTM ist zweifellos diverser geworden, keine Kandidatin bekommt heute mehr gesagt, dass sie keine Mayonnaise auf ihre Pommes essen darf. Darüber hinaus wird sich aber nicht viel ändern. "Liebe Kritiker, ich muss Sie leider enttäuschen. Wir machen weiter wie bisher", sagt Heidi Klum direkt zu Beginn der Show. Rezo darf sich dabei angesprochen fühlen.

Es wird also auch im nächsten Jahr mit großer Wahrscheinlichkeit ein Nacktshooting geben. Und tatsächlich gibt es aus Sicht von Heidi Klum auch keinen Grund, etwas zu ändern. ProSieben freute sich über die besten Quoten seit vielen Jahren, Zeitungen und Online-Portale berichten regelmäßig. Donnerstag für Donnerstag ist GNTM in den Twitter-Trends, die Sendung ist trotz fragwürdiger Momente Gesprächsthema.

"Germany's Next Topmodel" ist komplett auf Heidi Klum zugeschnitten

Nach 17 Staffeln müsste mittlerweile allen klar sein, dass es bei "Germany's Next Topmodel" primär um Entertainment geht und nicht darum, tatsächlich Models auszubilden. Vor allem ist GNTM aber komplett auf Heidi Klum zugeschnitten. Zu Beginn der Show sitzt sie mit ihrem Mann Tom Kaulitz am Klavier und singt den Refrain des Titelsongs "Chai Tea with Heidi", dann küssen sich die beiden unangenehm lange. Im Anschluss tanzt Klum die Choreographie zu ihrem Lied, die anderen Models wirken dabei nur wie Staffage.

Als Klum sich bei der Band Måneskin für deren Auftritt bedankt, schaut sie in die Kamera, dreht sich und lässt den Rock ihres Kleides fliegen. Mit Designer Jeremy Scott isst sie Spaghetti, warum auch immer. Das Finale ist letztlich eine große Klum-Show. Ihrer Tochter Leni verschaffte sie bereits letzte Woche einen Auftritt als Gastjurorin. Das Maß der Selbstdarstellung ist bemerkenswert.

Das Konzept von "Germany's Next Topmodel" funktioniert für Heidi Klum und für ProSieben also bestens. Auch deshalb dürfte die Kritik an beiden abperlen. Wie lange es solche Castingshows noch gibt, hängt letztlich ganz allein von den Zuschauerinnen und Zuschauern ab. Denn die können entscheiden, ob sie einschalten. Oder eben nicht.