• Der Anschlag am Münchner Olympia-Einkaufszentrum jährt sich am 22. Juli zum sechsten Mal. Der Attentäter David S. erschoss damals neun junge Menschen mit Migrationshintergrund.
  • Am Donnerstag startet auf Sky Crime die vierteilige Dokumentation "22. Juli – Die Schüsse von München", die die Hintergründe des Anschlags beleuchtet.
  • Zahlreiche Zeugen und Beteiligte kommen zu Wort, der Ablauf der Tat wird ebenso wie die Radikalisierung des Täters beeindruckend nachgezeichnet.
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Eine Kritik
Diese Kritik stellt die Sicht von Christian Stüwe dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Wer den 22. Juli 2016 in München erlebt hat, wird diesen Tag nicht vergessen. Nachdem um 17:51 Uhr in einem McDonald's-Restaurant am Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) Schüsse fielen, geriet die komplette Stadt in einen Ausnahmezustand, Panik machte sich breit. Aus dem gesamten Münchner Stadtgebiet wurden angebliche Schießereien gemeldet, der größte Polizeieinsatz in der Geschichte der bayerischen Landeshauptstadt mit weit mehr als 2.000 Polizistinnen und Polizisten sowie mehren Spezialeinheiten lief an.

Unter den noch frischen Eindrücken der islamistisch motivierten Terrorangriffe in Paris und Nizza im Jahr zuvor ging man zwischenzeitlich von einem ähnlichen Anschlag aus, das öffentliche Leben in der bayerischen Landeshauptstadt kam für einige Stunden praktisch zum Erliegen. Was tatsächlich passiert war, stellte sich erst im Verlauf der nächsten Stunden, Tage und Wochen heraus.

Der 18 Jahre alte David S. hatte gezielt neun Jugendliche mit Migrationshintergrund erschossen und sich knapp zweieinhalb Stunden später selbst das Leben genommen. Der in München geborene Deutsch-Iraner war von Mitschülern mit Migrationshintergrund gemobbt worden, hatte mit psychischen Problemen zu kämpfen und sich mehr und mehr in rassistische und rechtsextreme Ideologien hineingesteigert. Den norwegischen Massenmörder Anders Breivik nahm er sich zum Vorbild und eröffnete am Jahrestag des Anschlags von Utøya das Feuer.

Bedrückende Augenzeugenberichte vom Tatort am Olympia-Einkaufszentrum

Am Donnerstag, einen Tag, bevor sich die Wahnsinnstat am 22. Juli zum sechsten Mal jährt, startet auf Sky Crime und auf Abruf die gemeinsam mit der "Süddeutschen Zeitung" produzierte True-Crime-Dokumentation "22. Juli – Die Schüsse von München". Die aufwendige vierteilige Mini-Serie beleuchtet die Hintergründe des Anschlags und lässt Angehörige der Opfer, Augenzeugen, Politiker, Ermittler, Journalisten sowie Freunde des Attentäters zu Wort kommen. Thematisiert wird auch die Rolle von Philipp K., der S. die Tatwaffe verkaufte, eine Pistole der Marke Glock 17.

Die Schilderungen und gezeigten Bilder sind ebenso eindrucksvoll wie bedrückend. Es geht unter die Haut, wenn ein Betroffener schildert, wie er in den letzten Momenten bei einem schwer verletzten und wenig später verstorbenen Opfer war und schließlich selbst in den Lauf der Pistole des Attentäters blickte. Ebenso eindrücklich sind die Ausführungen eines Vaters, die erahnen lassen, wie sehr die Familien der Opfer auch sechs Jahre nach dem Anschlag leiden.

Dazu passend erzählt eine Ermittlerin, wie die Telefone der erschossenen Jugendlichen in den Stunden nach der Tat unaufhörlich klingelten, weil Freunde und Angehörige sie zu erreichen versuchten. Eine Augenzeugin der Tat berichtet, dass sie immer noch Schüsse hört, wenn sie die Buchstaben OEZ sieht. Und ein Notarzt erzählt von seinen ersten Eindrücken am Ort des Anschlags und wie er eine 14-Jährige zu retten versuchte, die später verstarb.

David S. war Teil einer rechtsradikalen Chat-Gruppe

Verantwortlich für alles das war David S. Während sich die erste Folge um den Ablauf des Anschlags dreht, geht es in der zweiten Folge um die Hintergründe und die Radikalisierung des Attentäters. Es ist erschreckend zu sehen, wie S. im Internet Gleichgesinnte fand und sich im Diskussionsforum der Gaming-Plattform Steam eine international vernetzte rechtsradikale Chat-Gruppe entwickelte, deren Mitglieder sich über rassistische Ideologien, Amokläufe und Schulmassaker austauschten.

Mitglied dieser Gruppe war auch ein Amerikaner, der im Dezember 2017 zwei Mitschüler an der Highschool in Aztec, New Mexico erschoss. Der Frage, ob diese Morde verhindert hätten werden können, wenn deutsche und amerikanische Behörden besser zusammengearbeitet hätten, geht die Dokumentation ebenfalls nach.

Mehr als 60 Schusswechsel wurden der Polizei gemeldet

Die True-Crime-Serie beschäftigt sich auch ausgiebig mit dem Polizeieinsatz in München. Es sind Aufnahmen zu sehen, wie schwer bewaffnete und gepanzerte Polizeikräfte durch die Fußgängerzone laufen. Oder wie Beamte ein Schuhgeschäft mit gezogener Waffe räumen, kilometerweit vom eigentlichen Tatort entfernt. Wie konnte es passieren, dass eine ganze Stadt dermaßen in Panik geriet und der Polizei mehr als 60 Schießereien gemeldet wurden, die sich alle als Falschmeldungen herausstellten?

Die Dokumentation "22. Juli – Die Schüsse von München" kann diese Fragen natürlich nicht alle beantworten. Sie liefert aber ein akribisches Protokoll eines der düstersten Tage in der jüngeren Geschichte der bayerischen Landeshauptstadt. Eines Tages, den niemand in München so schnell vergessen wird.

Verwendete Quellen:

  • Vorabsichtung der vier Folgen von "22. Juli – Die Schüsse von München"

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