Sebastian Pufpaff ist nicht dafür bekannt, dass er vor irgendetwas haltmacht - oder vor irgendwem. In der jüngsten "TV total"-Ausgabe legt er sich mit der "Miss Germany"-Wahl an und mit Bild TV. Doch nur bei einem der beiden landet er einen Treffer.

Christian Vock.
Eine Kritik
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Als Sebastian Pufpaff am Mittwochabend ins "TV total"-Studio kommt, ahnt man Böses. Denn Pufpaff bläst ein harter Wind entgegen.

Eine Windmaschine arbeitet auf Hochtouren, drückt gegen Pufpaffs Tür, lässt Blätter durchs Studio tanzen und verwuschelt Pufpaff die Frisur. Man muss nicht hochbegabt sein, um zu verstehen: Gleich wird Pufpaff zum großen Sturmwitze-Reißen ansetzen.

Eigentlich kein Problem, wüsste man nicht, dass Pufpaff "TV total" eher mit dem Holzhammer interpretiert und weniger mit dem Florett. Auch das ist erst einmal kein Problem, wäre das Thema Sturm nicht ein besonders heikles.

Nicht nur, weil die jüngsten Stürme Zeynep und zuvor Ylenia enorme Schäden angerichtet und auch Menschenleben gekostet haben, sondern weil wir solche Extremwetter aufgrund der Klimakrise noch häufiger erleben werden als bisher. Ein von Haus aus schwieriges Thema also.

"TV total": bissig, aber nicht verletzend

Kann man darüber nun in einer ProSieben-Show einfach so Witze machen? Man kann. Zumindest so, wie Pufpaff es am Mittwochabend getan hat.

Denn Pufpaff suchte sich die lustigen Momente, die man trotz des Sturms haben konnte, nicht wegen des Sturms. So nimmt er sich zum Beispiel die Nachricht eines Mannes, der die Sturmflut zumindest an einer Stelle unterschätzt hatte und schließlich aus seinem Auto gerettet werden musste: "Ich dachte, ich fahre in eine Pfütze, eine etwas tiefere. Und als ich gemerkt hab’, wie tief die ist, war es schon zu spät", erzählt der Mann.

"Grobe Faustregel für alle Autofahrer: Wenn die AIDAnova neben dir im Wasser liegt, dann ist das keine Pfütze", kalauert Pufpaff und auch wenn die Sache mit der Pfütze für den Mann sicherlich unangenehm war, ist Pufpaffs Sturm-Humor an dieser Stelle doch vergleichsweise harmlos.

Es folgen ein paar Sturmmissgeschicks-Videos, die man so auch bei Youtube findet und das war’s dann auch schon. Noch mal gutgegangen und auch sonst ist der "TV total"-Moderator an diesem Abend zwar bissig, aber nicht verletzend.

Ein bisschen "Bachelor"-Bashing, ein Versprecher von Sportmoderator Rudi Cerne, ein komisches "Ploppgeräusch" bei einem Interview, ein paar Trash-TV-Sprichwortverdreher und die humoristische Auseinandersetzung mit einer "Topmodel"-Kandidatin. Das ist alles nicht die große Satire-Schule, aber es passt. Zumindest besser als in vielen anderen "TV total"-Ausgaben, in denen Pufpaff lediglich billige Lacher auf Kosten anderer produziert hat.

Pufpaff bei der "Miss Germany"-Wahl

Als er etwa eine Szene zeigt, in der sich eine "Germany’s next Topmodel"-Kandidatin fragt, was sie denn in der GNTM-freien Zeit am Donnerstagabend machen soll, antwortet Pufpaff: "Vielleicht sollte sich die liebe Sophie einfach ein Hobby suchen - außer sich selbst."

Das ist kein Humor um des Lachers willens, sondern einer mit einer Aussage. Das sollte Pufpaff an diesem Abend noch ein weiteres Mal gelingen.

Allerdings nicht, als er bei der Wahl der "Miss Germany" zu Gast ist. Die Veranstaltung hat sich vor ein paar Jahren einen Imagewechsel verpasst. Es soll nicht mehr nur das Äußere der Kandidatinnen im Vordergrund stehen, sondern wichtigere Attribute wie Individualität, Vielfalt und Persönlichkeit. Pufpaffs Mission: Mal gucken, ob das Ganze auch so ist, wie behauptet.

Dazu holt er ein paar der Damen zum Einzelgespräch, doch so richtig geht sein Konzept nicht auf. Also sucht sich Pufpaff Nebenkriegsschauplätze wie das merkwürdig klingende Wort "Bloggerzine", die neuen Preise von DAZN oder die Bezahlung der Jury. Selbst wenn der Imagewechsel nur auf dem Papier existiert - von Pufpaff erfährt man es nicht.

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Sebastian Pufpaff gegen Bild TV

Besser läuft es da, als Pufpaff seinen Gast begrüßt. Es ist die Klatsch-und-Tratsch-Moderatorin Céline Behringer, die Pufpaff bei Bild TV nicht nur durch ihre exaltierte Art, sondern auch durch ihre Klamottenwahl so sehr aufgefallen ist, dass er ihr seinen Deutschen Bundesbewegtbildpreis verleihen möchte.

Ein Preis, der nicht unbedingt mit Ruhm und Ehre verknüpft ist. Umso erstaunlicher, dass Behringer den Spaß mitmacht und zur Verleihung ins Studio kommt.

Das ist sogar noch eine Spur erstaunlicher, wenn man weiß, dass Bild TV für Sebastian Pufpaff ungefähr so sinnvoll ist wie ein Leistenbruch und daraus hat er von Folge eins an keinen Hehl gemacht - und macht das auch bei Behringer nicht. Natürlich arbeitet er sich auch an den Outfits der Moderatorin ab, als die ihm etwa erzählt, dass sie eine Freundin hat, die ihr bei den Klamotten geholfen hat. Da fragt Pufpaff: "Ist die blind?"

Doch Behringer ist nicht das eigentliche Ziel, das ist immer noch Bild TV. "Ich zieh mich grundsätzlich an, wenn ich zu BILD gehe", erklärt Behringer mit einem Augenzwinkern, als sie mit Pufpaff über ihre Klamottenwahl spricht und der spottet mit einem Seitenhieb auf die Affäre um den ehemaligen Chefredakteur Julian Reichelt: "Auch schon, als noch der alte Chef da war?"

Nein, Pufpaff will an diesem Abend nicht Behringer abwatschen, sondern ihren Arbeitgeber und so haut er am Ende noch einen gegen Bild TV raus: "Wir bieten dir einen Job an bei einem seriösen, echten Sender."

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