Kommt jetzt Jan Böhmermanns größer Streich? Angeblich stecken er und sein TV-Team von "Neo Magazin Royale" hinter dem Stinkefinger-Video des griechischen Finanzministers Gianis Varoufakis.

"Liebe ARD, liebe 'Bild'-Redaktion, lieber Günther Jauch, Sie müssen jetzt ganz, ganz stark sein." Mit diesen Worten leitet Jan Böhmermann seinen neuesten Coup ein, den er bereits vor der Ausstrahlung seiner Sendung "Neo Magazin Royale" per Clip auf YouTube veröffentlichte.

Darin zu sehen: Eine Art Making-of des Stinkefinger-Videos, mit dem der griechische Finanzminister Gianis Varoufakis in Deutschland nicht nur für Aufsehen, sondern für viel Unmut sorgte. Auf einer Konferenz in der kroatischen Hauptstadt Zagreb im Jahr 2013 hielt er bei den Worten "stick the finger to Germany" (deutsch: "Deutschland den Stinkefinger zu zeigen") eben diesen in die Kamera. Laut Varoufakis eine Fälschung: "Das Video wurde ohne jeden Zweifel gefälscht", sagte er, als Moderator Günther Jauch ihn in seiner ARD-Talksendung am 15. März damit konfrontierte. Geglaubt hat daran niemand so richtig.

Perfekt war die Verwirrung, als der Finanzminister selbst das vermeintliche Originalvideo, das er zuvor als Fälschung monierte, auf Twitter postete - mit Stinkefinger. Zwar ist die Echtheit von Varoufakis' Twitterprofil nicht abschließend bestätigt, man geht mittlerweile aber davon aus, dass es sich dabei um den offiziellen Account des Griechen handelt.

Nun die große Auflösung?

Im Video von Böhmermann stellt der Moderator des "Neo Magazin Royale" recht glaubhaft dar, wie sein Team das angebliche Original-Video manipulierte: Aus einer normalen Geste wird ein Stinkefinger. Beide Versionen – die mit und die ohne Stinkefinger - sehen echt aus.

Welches das Original und welches die Fälschung ist, lässt Böhmermann bewusst offen. Medien und Netzgemeinde sind verunsichert: Was ist von dem angeblichen Fälschungsgeständnis zu halten? Dem Hashtag #varoufake der letzten Tage folgt damit prompt der Hashtag #varoufakefake, unter dem die ganze Verwirrung zutage tritt.

Immerhin hatte auch Alessandro Del Prete, der einen Kurzclip des angeblichen Originalvideos auf YouTube hochgeladen hatte, dessen Echtheit bestätigt:

Die Langversion der Rede wurde im Februar 2015 von einem Kanal namens Skripta TV gepostet – ebenfalls mit Stinkefinger (ab Minute 40:20). Der Moderator der damaligen Veranstaltung gab gegenüber "Spiegel Online" aber zu bedenken, dass er sich nicht an die Geste erinnere.

Damit ist klar: Egal ob das "Neo Magazin Royale" das Video tatsächlich gefaked hat oder ob die Geste doch von Varoufakis selbst stammt – Böhmermann ist ein wahrer Medien-Coup gelungen.

Die ganze Sendung ist am Donnerstag um 22:15 Uhr bei ZDF neo und am Freitag um 23:45 im ZDF zu sehen.

Update

Mittlerweile melden sich Stimmen, die Böhmermanns Video als manipuliert entlarvt haben wollen:

Gianis Varoufakis hingegen nutzt die Gunst der Stunde. Er fordert eine Entschuldigung von Moderator Günther Jauch, weil dieser in seiner Sendung "ein gefälschtes Video benutzte, um eine versöhnliche griechische Stimme zum Schweigen zu bringen":

Der griechische Finanzminister Gianis Varoufakis findet Jan Böhmermanns Fake-Fake-Aktion hingegen genial: "Humor, Satire und Selbstironie sind großartige Lösungen für blinden Nationalismus. Wir Politiker brauchen euch dringend."