Der Amerikaner Barry Seal war in den 1980er-Jahren nicht nur der Kopf eines gewaltigen Drogenrings: Er spionierte gleichzeitig für die US-Behörden Rauschgiftkartelle aus und stand im Zentrum einer brisanten Mission der USA in Nicaragua. Drei US-Präsidenten könnten in seine Geschichte verwickelt sein. Erschossen hat ihn ein Killerkommando - im Auftrag der Drogenkartelle oder der CIA?

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Er war einer der größten Drogenschmuggler der Geschichte, arbeitete wahrscheinlich für die CIA und trickste den Geheimdienst gleichzeitig aus: Die spektakuläre Biografie des Amerikaners Barry Seal klingt mehr nach einem Thriller als nach einem echten Leben.

Aber nicht nur das: Gleich drei US-Präsidenten sollen von dubiosen Machenschaften Seals gewusst haben. Seine Geschichte ist deshalb auch hochpolitisch. Einige Verschwörungstheorien ranken sich um den Mann, der 1986 in Louisiana auf offener Straße erschossen wurde.

Barry Seals Leidenschaft fürs Fliegen - und Schmuggeln

Die Geschichte begann harmlos: Der junge Barry, eigentlich Adler Berriman Seal, hatte eine Leidenschaft fürs Fliegen. Mit 15 Jahren hob er erstmals alleine ab. Er arbeitete zunächst als Flugingenieur, später war er einer der jüngsten Piloten einer Boeing 707 weltweit.

Doch Mitte der 1970er wendete sich das Blatt. Seal flog bei seinem Arbeitgeber, der Airline TWA, raus, weil er angeblich geschmuggelt hat. Nun zog er ein lukrativeres Geschäft auf und verband es mit dem Fliegen: Mit seiner eigenen Maschine brachte er zuerst kleine Menge Marihuana in die USA.

Später konzentrierte er sich auf große Mengen Kokain, die er für Drogenhändler aus Kolumbien und Panama ins Land schmuggelte. Anfang der 1980er-Jahre entwickelte er eine enge Beziehung zum legendären kolumbianischen Drogenbaron Pablo Escobar und sein Medellin-Kartell.

Drogen im Wert von fünf Milliarden Dollar

"El Gordo" ("Der Dicke"), wie er auch genannt wurde, war als Schmuggler sehr erfolgreich: Nach eigener Aussage transportierte er bei knapp 100 Flügen bis zu 1.200 Pfund Kokain.

Die Drogen hatten nach Behördenangaben einen Verkaufswert von bis zu fünf Milliarden US-Dollar. Seal verdiente dabei 500.000 Dollar pro Flug.

Die Basis für seinen Rauschgiftring verlegte Seal in die kleine Stadt Mena im US-Bundesstaat Arkansas. Dort gehörte ihm der Regionalflughafen, von wo aus zahlreiche seiner Flieger und Helikopter starteten.

Längst flog er nicht mehr allein. Er kümmerte sich vor allem um die Organisation des Drogenumschlags und die Geldwäsche.

Seals Deal mit der Drogenbekämpfungsbehörde

Doch 1983 ging er den US-Behörden in die Falle. Sie schnappten Seal, als er große Mengen des Rauschgifts Methaqualon ins Land bringen wollte. Seal wurde zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt.

Aber der findige Gangster wollte auf keinen Fall in den Knast. Er bot der Drogenbekämpfungsbehörde DEA an, als Informant für sie zu arbeiten - mit Erfolg.

Der Schmuggler spielte nun ein doppeltes Spiel: Er arbeitete weiter als Drogenkurier, brachte mit seinen Aussagen bei den Behörden aber einige seiner früheren Auftraggeber ins Gefängnis.

Umstritten ist bis heute, ob Seal nur für die DEA oder auch direkt für die CIA tätig war. Sicher ist: Seine Flugzeuge wurden mit Hightech-Spionagewerkzeugen ausgerüstet.

Die brisante Mission in Nicaragua

Die Abhöranlagen und Kameras nutzte er auch für eine brisante und geheime Operation in Nicaragua. In dem Land hatte die Revolutionsbewegung der Sandinisten 1979 den Diktator Anastasio Somoza Debayle gestürzt.

Die neue Regierung gründete Schulen, erneuerte das Gesundheitswesen und stärkte die Rechte von Frauen. Dem damaligen US-Präsident Ronald Reagan waren die Sandinisten Anfang der 1980er-Jahre trotzdem ein Dorn im Auge: Sie waren als kommunistisch verschrien.

Die CIA unterstützte die paramilitärischen Contras, die die Sandinisten mit allen Mitteln stürzen wollten - unter anderem mit Terroranschlägen. Der Drogenschmuggler Seal lieferte nun auch Waffen an die Contras. Aber nicht nur das.

Mit Kameras an seinem Flugzeug fotografierte er in Nicaragua einen Drogendeal. Auf den Bildern waren Pablo Escobar und andere Medellin-Mitglieder zu sehen, die mithilfe von sandinistischen Soldaten Kokain in ein Flugzeug luden.

Seals Tod auf offener Straße

Seal behauptete, dass einer der Männer ein Mitarbeiter eines Regierungsmitglieds der Sandinisten gewesen sei. Beweise dafür gab es nicht. Der US-Regierung diente die angebliche Zusammenarbeit der sandinistischen Regierung mit dem Drogenkartell als nachträgliche Rechtfertigung, die Contras zu unterstützen.

Für Seal endete die Mission verheerend: Ein Zeitungsartikel brachte seinen Namen mit der Enthüllung des Drogendeals in Verbindung. Damit war er enttarnt. Angeblich soll eine Quelle aus dem Weißen Haus die Information gestreut haben.

Die DEA ließ "El Gordo" fallen - und schützte ihren ehemaligen Informanten nicht weiter: Am 19. Februar 1986 wurde Seal auf offener Straße von einem kolumbianischen Killerkommando erschossen.

Die CIA unter Verdacht

Wer den Auftrag zu dem Mord gegeben hat, ist bis heute strittig: das Medellin-Kartell, weil Seal es bespitzelt hatte? Oder sogar die CIA, wie Verschwörungstheoretiker glauben?

Sie gehen davon aus, weil Seal kurze Zeit später vor Gericht aussagen sollte. Das Thema: Inwieweit hing seine Schmuggeltätigkeit mit geheimen Operationen der CIA zusammen? Das hätte für die Behörde unangenehm werden können.

Gerüchten zufolge hatte "El Gordo" außerdem gedroht, dass er auspacken würde, wenn ihm die Behörden nicht millionenschwere Steuerforderungen vom Hals schaffen würden.

Bereut hat er seine Taten jedenfalls nie. In einem TV-Interview verteidigte er seine Machenschaften einmal so: "Es ist ein 'way of life' (dt. Lebensstil) für mich. Ich habe Spaß daran und ich werde es weiterhin tun."

"El Gordo" und das Wissen der Präsidenten

Unklar ist bis heute auch, ob und was drei US-Präsidenten von Seals Treiben wussten - oder ob sie es sogar duldeten. Im Verdacht stehen vor allem Reagan und sein Nachfolger George Bush senior.

Aber auch der damalige Gouverneur von Arkansas und spätere Präsident Bill Clinton geriet ins Visier: Konnte es an ihm und seiner Regierung vorbeigegangen sein, welch riesiger Drogenumschlagplatz sich auf dem kleinen Flughafen Mena befand?

Gerade die vielen Ungereimtheiten und Verwicklungen rund um Barry Seal machen ihn zu einer schillernden Figur - was auch Hollywood nicht entgangen ist.

Tom Cruise schlüpfte 2017 in dem Spielfilm "Barry Seal: only in America" in die Rolle des Drogenbarons. Die Thriller-Komödie basiert allerdings nur lose auf wahren Begebenheiten.

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