Eine riesige verlassene Stadt voller Tempel und Pyramiden, in der einst Menschen geopfert wurden: Teotihuacán im heutigen Mexiko war für die Azteken die Stadt der Götter. Doch sie gibt bis heute viele Rätsel auf: Warum gaben die Menschen die pulsierende Metropole auf? Wer hat sie überhaupt erbaut? Womöglich ja die Götter?

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Einst war die Metropole im heutigen Mexiko die größte Stadt auf dem amerikanischen Kontinent und eine der größten der Welt: In Teotihuacán standen Pyramiden und Tempel, die eine Prachtstraße säumten, es gab Wohnsiedlungen und Marktplätze.

Bis zu 200.000 Menschen wohnten in der perfekt gestalteten Stadt. Sie schufen einige der erstaunlichsten prähistorischen Bauwerke Amerikas, und sie lebten vor den Azteken.

Doch welche Kultur die mächtige Metropole errichtete, woher die Menschen kamen und in welcher Sprache sie sich verständigten, ist bis heute unklar – und auch, warum sie Teotihuacán schließlich wieder verließen.

Heute sind von der prachtvollen Stadt nur Ruinen übrig. Sie liegen etwa 45 Kilometer nordöstlich von Mexiko-Stadt, im Tal von Mexiko. Millionen Touristen besuchen die Region heute – die vielen Mysterien machen sie noch interessanter.

Das Sonnensystem entlang der Hauptstraße

20 Quadratkilometer groß war die Stadt einst, der Bau der ersten Gebäude datiert auf die Zeit um 150 vor unserer Zeitrechnung.

Teotihuacán entstand in acht Bauphasen und wirkt wie auf dem Reißbrett entworfen: Es gibt eine Hauptachse und vier Bezirke, die in der Mitte zusammenlaufen.

Verblüffend: Geometrie und Astronomie spielten bei der Planung eine Rolle. Die Gebäude entlang der Hauptachse spiegeln unser Sonnensystem im korrekten Maßstab wider.

Die günstige Lage förderte den Handel mit umliegenden Regionen. Je reicher die Stadt wurde, desto mehr wuchs sie, die Kultur war hochentwickelt.

Seine Blütezeit erlebte Teotihuacán im fünften Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung, haben Archäologen herausgefunden. Doch im siebten Jahrhundert ist die Stadt schon wieder vollkommen verlassen.

Unscheinbar? Von wegen. Sie gelten als spektakuläres Mysterium.

Die Azteken und die Sonnenpyramide

Als die Azteken die großen, verfallenen Gebäude im 14. Jahrhundert entdeckten, waren sie beeindruckt von den gewaltigen Anlagen und dem perfekten Aufbau.

Für so etwas konnten nur Götter persönlich verantwortlich gewesen sein, glaubten sie. Darum nannten sie die Stadt "Teotihuacán", was übersetzt heißt: "Ort, wo man zum Gott wird."

Auch den einzelnen Bauwerken gaben sie Namen: und verliehen der Stadt einen mythischen Anstrich: Sonnenpyramide, Tempel der Federschlange und die Mondpyramide am Ende der Straße der Toten.

Eine vierblättrige Blume ist allgegenwärtig

Dass die Götter die Stadt erschufen, glauben Wissenschaftler nicht. Aber sie tappen im Dunklen: Bisher fanden sie weder schriftliche Zeitzeugnisse noch Bilder, Statuen oder Gräber von Herrschern oder Königen.

Entdeckt wurden in den Ruinen immerhin Keramikteile, Masken, Wandmalereien, Tier- und Menschenknochen und Grabbeigaben.

Ein Symbol ist in Teotihuacán omnipräsent: eine vierblättrige Blume. Sie könnte für vier Clans stehen, die die Stadt womöglich beherrschten: Kojote, Federschlange, Jaguar und Adler.

Jeder hat wahrscheinlich über einen Stadtteil regiert. Als mächtige Oberschicht ging es ihnen gut. Das zeigten sie durch kostbare Kleidung, Kosmetik, Felle und üppiges Essen.

In Cheops-Pyramide sollen einst Tafeln mit brisantem Text gelegen haben.

Sie waren reich, übergewichtig und sogar zuckerkrank, wie Wissenschaftler herausfanden. Ihr Geld verdienten sie mit der Kontrolle von Handelsrouten und Steuereinnahmen.

Mitglieder der Unterschicht hingegen waren häufig unterernährt, hatten Rücken- und Augenprobleme vom vielen Schuften in Werkstätten. Aber es gab auch eine Mittelschicht mit Kaufleuten, Händlern und Künstlern in der Stadt.

Religiöse Einwohner, die auch Menschen opferten

Die Menschen glaubten an verschiedene Götter: unter anderem an einen Gott des Regens, einen Gott des Ackerbaus und einen des Frühlings. Ihnen huldigten die Einwohner mit Menschenopfern.

Davon gehen Forscher aus, nachdem sie Knochen mit Spuren von Gewalteinwirkung fanden.

Opferrituale spielten überhaupt eine große Rolle in Teotihuacán. Allein unter dem Tempel der Federschlange gruben Archäologen hunderte Tote und mehr als 50.000 Opfergaben wie Edelsteine, Masken und Waffen aus.

Die gigantische Zeichnung im Fels der Atacamawüste bleibt ein Mysterium.

Der Tempel war nach einer Theorie eine Kultstätte, zu der Männer kamen, um die Erde zu verlassen und als Götter wiederzukehren. Aber auch abgetrennte Köpfe fand man dort, rituell geschmückt.

Womöglich gehörten sie zu den Anhängern einer der Eliteschichten, die um das Jahr 350 ausgerottet werden sollte.

Plötzliches Ende

Das war nicht das einzige Mal, dass die Stadt erschüttert wurde. Denn 200 Jahre später verließen alle Einwohner Teotihuacán innerhalb kürzester Zeit.

Waren sie Opfer einer Dürreperiode geworden? Hatten sich die Clans bekriegt? Flohen sie vor einem prophezeiten Weltuntergang? Hatten Feinde die Stadt überfallen? Jahrhundertelang gab es dazu verschiedene Theorien.

Heute gehen die Archäologen davon aus, dass ein verheerendes Feuer die Menschen aus der Metropole trieb. Wieso Teotihuacán brannte, ist unklar. Vielleicht war es die Folge einer Revolte.

Die unterjochte Mittelschicht könnte sich gegen die Herrscher aufgelehnt haben, lautet eine These der Wissenschaftler. Was dabei schief gegangen ist, wird wohl für immer ein Rätsel bleiben.

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